A FLOCK OF SEAGULLS live in Berlin 2009


Bericht: Petra Heinzel
Fotos: Petra Heinzel






A FLOCK OF SEAGULLS in den 80ern...

Manchmal schwebt man in Erinnerungen, denn Erinnerungen können sehr schön sein. Ein paar Jahre zurück gedreht... nicht nur ein paar Jahre, denn da muss schon kräftig zurück geschraubt werden. Es sind fast genau 26 Jahre (also doch schon ziemlich lange her) zurück ins Jahr 1983. Ich erinnere mich genau an die New Romantic-Szene, der ich in dieser Zeit angehörte. Wir hörten O.M.D., Human League, Heaven 17, Boytronic, ABC, Depeche Mode, Yazoo, und viele andere, natürlich auch „die Seemöwen“ (A Flock of Seagulls). Unser Äußeres: Überwiegend schwarz gekleidet, manchmal etwas mit weiß oder grau oder auch rot abgesetzt und dennoch sehr gepflegt bzw. schick. Manchmal musste Mutti mit ihren Nähkünsten etwas Besonderes herbeizaubern, denn wer wollte schon aussehen wie jeder andere?!
Daher staunte ich nicht schlecht als ich las, dass A FLOCK OF SEAGULLS aus Liverpool ein Konzert in Berlin geben würden. Ich hatte sie in den vielen Jahren aus den Augen bzw. Ohren verloren, und dachte nur: "Was, die gibt’s noch?!"
Mit viel Vorfreude und einem verschmitzten Lächeln (in Erinnerung an die alten Zeiten) machte ich mich auf den Weg zum Dot-Club. Dieser befindet sich genau an der Oberbaumbrücke, ganz nah an der Spree. Viel zu früh traf ich ein, denn ich hatte gedacht, das Konzert beginnt um 20:00 Uhr. Am Eingang erfuhr ich, dass erst gegen 21:00 Uhr Einlass ist. Viele Fans dachten wahrscheinlich das Gleiche, ich war bereits von vielen Leuten umgeben, verschwand dann aber wieder für einige Zeit. Kurz nach 21:00 Uhr betrat ich dann schließlich den gut gefüllten Dot-Club, und schaute mich um. Auf der Bühne standen drei Mikrofonständer auf gleicher Höhe. Nur das mittlere hatte ein Keyboard anbei. Genau dahinter war ein Schlagzeug aufgestellt, also vier „Arbeitsplätze“. Der Publikumsbereich erstreckte sich, vom Bühnenbereich aus, ins Längliche nach hinten, und so ca. ein bis zwei Meter vor der Bühne hing eine große Diskokugel an der Decke. Als ich bereits etwas ungeduldig wurde, mich indessen mit Larry unterhielt, kam Bewegung in den Club. Techniker checkten noch kurz die Instrumente und legten Handtücher bereit.
Gegen 21:30 Uhr betraten vier Musiker die Bühne, und Mike, der seine blonde Locke aus den 80ern nach hinten verlegt hatte, fragte: „How are you?“. Damit sprang sofort der Funke über, keine Chance für ein zweifelhaftes Knistern. Gleich beim ersten Titel „Modern Love is Automatic“ fühlte ich mich in die 80er Jahre zurück versetzt. Mike Score, das einzig verbliebene Mitglied der 80er Originalbesetzung, brillierte noch mit seiner mir in Erinnerung gebliebenen markanten Stimme.

...und heute

Seine Finger flogen für die 95er Titel „Hearts on Fire“ und „Rainfall“ über die Tasten seines Keyboards. Auch „The More You Live“, 1983 in Deutschlands Charts auf Platz 37, ließ Mike Score hinter seinem Keyboard erstrahlen. Nicht nur die Synthieklänge stachen hervor, auch Gitarren waren zu hören. So griff Mike im Anschluss hin und wieder zur Gitarre, hatte aber zu seiner Rechten einen Bassisten, der alles gab. Pando, mit weißem Hemd und Krawatte, spielte seinen 4-saitigen ebenfalls weißen Bass in allen möglichen Posen. Er neigte sich sehr weit nach hinten, ließ seinen schwarzen lockigen Haarschopf umherschweben, aber beugte sich auch sehr weit vorne über und spielte den Bass in Bodennähe. Ab und zu bekam Pando Besuch von seinem Kollegen, der eigentlich seinen Platz auf der anderen Bühnenseite hatte, dem Gitarristen Joe Rodriguez. Auch Joe zeigte sein Können am Gerät. Er stand hierbei mit seinen Shorts hin und wieder gerne am vorderen Bühnenrand und ließ sich von den Fans feiern. Die Backgroundstimmen und den harten Sound der beiden Musiker bekamen wir dann bei „She Won`t Let You“ zu hören. Zu Hören und auch zu Sehen war der Mann hinter dem Schlagzeug, Michael Brahm. Er fügte sich fantastisch in die Truppe ein, hatte alles unter Kontrolle und auf den Punkt den richtigen Schlag parat. Die Vier gingen mit „Man Made“ ordentlich ab. Ach was, nicht nur die Vier, sondern die gesamte Location befand sich in Wallung. Zwischendurch gab es für die Musiker einen Schluck aus der Bierflasche und dann wurde es spacig. Im grünen Licht erklang „Space Age Love Song“, zu dem Mike seine Gitarre abgelegt hatte und erneut dem Keyboard den typischen A FLOCK OF SEAGULLS-Sound entlockte. Auch bei „The Traveller“ und „Telecommunication“ herrschte anhaltende Stimmung. Kaum hob Mike, der bereits unter seinem Basecup ins Schwitzen kam, einen Arm, stiegen die Fans sofort mit ein. Es wurde geklatscht und mitgesungen, und Michael agierte sehr sportlich. Er forderte mit seinen Drumsticks das Schlagzeug heraus.
A Flock of Seagulls „entführte“ uns vor allem in die Jahre 1982 bis 1984, u.a. mit den Titeln „Quicksand“, „Remember David“ und „Massages“. Bis dann auch „Wishing“ erklang. Darauf hatten sicher sehr viele gewartet. Ich war etwas überrascht, denn „Wishing“ klang nicht so wie ich es kannte. Hatte die Band bedenken, dass dieser Titel nach so vielen Jahren leiern würde, oder hatte Mike keine Lust mehr auf diesen Titel? Warum wurde er schneller gespielt? Am Anfang konnte ich mich gar nicht damit anfreunden, aber am Ende machte dann Joe sogar ein Foto vom Berliner Publikum. Danach freute ich mich sehr als ich die ersten Töne von „I Ran“ (1982 in Deutschland Platz 31) hörte. Mein Favorit war also doch noch an diesem Abend dabei. Ich vergaß alles um mich herum und genoss bzw. feierte diesen Titel mit allen anderen Fans, die wohl genauso fühlten wie ich. Der Höhepunkt des Konzertes war erreicht, mehr ging nicht.
Die Band verließ die Bühne und wurde aber mit tobendem Applaus zurückbeordert. Gegen 22:45 Uhr verabschiedeten sich „die Möwen“ mit dem 83er Titel „Nightmares“. Und das obwohl wir nicht in Angst und Panik versetzt wurden, die Band hatte überzeugt und ich befand mich gerne in so einem schönen Traum vergangener Zeiten. Vielen Dank dafür!




Foto Impressionen: