Jimmy Barnes am 07.10.2008 in Nürnberg
und am 13.10.2008 in München




Bericht: Nadja Notzke
Fotos: ./.




Viele erfolgreiche Musiker haben das gleiche Problem: entweder sie sind im Ausland sehr erfolgreich, aber daheim interessiert sich kaum einer für sie, oder sie sind im Heimatland Superstars, aber über dessen Grenzen hinaus weitgehend unbekannt. Jimmy Barnes gehört auch dazu, denn der Mann ist zweifelsohne einer der genialsten Sänger der Welt, hierzulande aber relativ unbekannt. Dafür sind seine Fans aber sehr loyal und fahren gern auch mal weit zu einem Konzert. Und in diesem Jahr war es wieder soweit, der Australier ist in Europa zu Gast, um ein paar Konzerte zu spielen.
Und das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Gleich nach der Arbeit geht es mit dem Zug nach Nürnberg, in den "Hirsch". Da gehen eine ganze Menge Leute rein, aber als ich ankomme, sind die noch sehr übersichtlich. Auffällig viele englischsprachige Leute geben sich die Ehre, ob das Australier sind? Es sind Australier, wie Jimmy Barnes später im Konzert erzählt, denn die reisen gern und trinken gern... und waren gerade in Deutschland im Trainingslager! Bis zum Konzertbeginn hat sich der Hirsch aber noch ganz ordentlich gefüllt, so muss das sein. Kurz vor Beginn läuft mir ein groß aufgeschossener Mann über den Weg, der mir irgendwoher bekannt vorkommt, ich kann ihn aber partout nicht einordnen... Kurz vor der angesetzten Anfangszeit beginnt Elly May Barnes das Konzert. Das ist die Tochter von Jimmy. Sie ist jetzt nicht hochprofessionell oder routiniert, eher reichlich nervös und unsicher, aber sie hat eine gehörige Portion Talent vom Vater mitbekommen, und das kann man hören. Begleitet wird sie von Musikern aus der Band ihres Vaters auf zwei Gitarren, auch gesanglich unterstützen sie die beiden, so dass es ein kurzweiliger Auftakt wird und besonders die Australier im Publikum sehr angetan sind.
Und dann kommt der Meister selbst... ein Musiker, der eben noch die Gitarre bedient hat, wechselt an den Bass und dort soll er mir noch viel Freude bereiten. Jimmy Barnes selbst ist super drauf und ein Vollprofi, da kommt gar kein Zweifel auf. Von der ersten Minute an hat er sein Publikum im Griff. Stimmlich absolut oben auf, konditionell auch, er steht kaum mal eine Minute still, dabei erzählt er so beiläufig, dass er vor kurzem eine Herz-OP hatte. Alle Achtung!
Gespielt hat er Songs von seinem neuen Album „Out in the blue“, Songs seiner Solo-Alben und natürlich auch Titel von Cold Chisel. Ein Highlight war der Titel „Good Times“ der Easybeats, den Jimmy mal gemeinsam mit INXS aufgenommen hat, und sein Hit „Khe Sanh“ durfte natürlich auch nicht fehlen. Seine Band besteht aus großartigen Musikern, die nicht nur ihr Instrument beherrschen, sondern auch ausnahmslos alle singen können. Am Schlagzeug sitzt sein Sohn Jäcki und seine Tocher Elly May singt im Background, aber auch ein Duett gemeinsam mit ihrem Vater. Am Bass James Gillard, wie schon erwähnt, der hat mir viel Freude bereitet. Ich habe selten jemanden mit so einer Freude Bass spielen sehen, dazu hatte er die ganze Zeit ein erfrischendes herzliches Lachen im Gesicht, dass es richtig Spaß gemacht hat, ihm zuzusehen, er hat unheimlichen Schwung auf die Bühne gebracht, der auch das Publikum angesteckt hat.
Nach knapp zwei Stunden war dann erstmal Schluss, aber die Zuschauer waren so in Fahrt, dass sie lautstark Zugaben gefordert haben, und natürlich auch bekommen haben. Nachdem Jimmy seine Band vorgestellt hat und jeder einen Part singen durfte, hat er einen Freund aus Deutschland angekündigt, mit dem er schon gemeinsam aufgenommen hat: Carl Carlton. Als er den Namen ausgesprochen hatte, fiel mir natürlich sofort ein, wer der großgewachsene Mann war, der mir zu Beginn über den Weg gelaufen war... nämlich Carl Carlton!
Dieser griff sich jetzt seine Telecaster und legte los. Jetzt waren auf der Bühne drei Fender Gitarren plus ein Fender Precision Bass, ein unbeschreiblicher Klang!
Zum krönenden Abschluss betritt Carls Sohn Max die Bühne, der sich ja auch schon seine Sporen im Musikgeschäft verdient hat. Max ist ähnlich groß wie sein Vater, die beiden überragen die gesamte Band! Max singt jetzt im Duett mit Jimmy den Rausschmeißer „Goodbye (Astrid Goodbye)“, und zwar so, als ob sie im Leben nie was anderes gemacht hätten! Absolut großartig! Und meine Entscheidung stand, das wollte ich gerne in München noch mal erleben!

Also habe ich mich eine Woche später nach Feierabend über die Autobahn nach München gequält, um in der Alabamahalle ein wesentlich zahlreicheres Publikum vorzufinden. Klasse, es gibt also doch genug Fans in Deutschland!
Wieder hat seine Tochter den Abend eröffnet, sie war aber noch nervöser als in Nürnberg, diesmal wollte der Funken nicht so richtig überspringen, lag aber vielleicht auch an den fehlenden Australiern.
Jimmy war wie erwartet grandios drauf, das Publikum ging sofort richtig ab. James Gillard wirbelte noch mehr über die Bühne, ich konnte mich gar nicht satt sehen. Die Setlist umfasste im Wesentlichen die gleichen Titel wie in Nürnberg, jedoch in einer anderen Reihenfolge, so dass es nicht langweilig wurde. Genauso großartig wie in Nürnberg habe ich erneut ein Spitzenkonzert erlebt, mein absolutes Highlight in diesem Jahr. Carl Carlton war in München nicht mit dabei, was aber dem Finale auf der Bühne keinen Abbruch tat.
Wer dabei war, wird es bestätigen können: hier war ein ganz Großer am Start, von dem sich viele andere was abgucken können. Wer nur wenige Monate nach einer Herz-Operation solche Shows hinlegen kann, der gehört in die Top-Riege der großartigen Musiker, kein Zweifel.