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Bericht: Hartmut Helms Fotos: Hartmut Helms (alle Live-Fotos) Pressefotos (Textillustration)
Am Zeppelin aufgetankt... Sie erblickte das Licht dieser Welt im Jahre 1962 und sie war sechs Jahre alt, als sich 1968 aus den Bruchstücken der alten Yardbirds eine neue Band formierte, die sich New Yardbirds nennen wollte. Ihr Bruder, John Bonham, wurde Drummer dieser Band, die sich aber nun LED ZEPPELIN nannte.
Die rührige Mannschaft der Torgauer Kulturbastion verwöhnt ihr Stammpublikum gleich zu Beginn des Jahres 2012 mit einem Konzert dieser außergewöhnlichen Sängerin und ihrer Begleitband, die man für gewöhnlich mit Paul Rodgers gemeinsam auf den Bühnen erleben kann. Aber das ist noch mal ein ganz anderer Wunsch, wenn ich mal das Erlebnis eines gemeinsamen Konzertes mit QUEEN außen vor lasse. Die Gemäuer der Kulturbastion haben den unvergleichlichen Charme einer gemütlichen Kneipe, in der sich immer wieder die gleichen Leute mit den gleichen Klamotten und eben auch der gleichen großen Leidenschaft für gute Musik treffen können. Ganz entspannt trinkt man ein Bier oder einen Schoppen und kann dabei Gedanken und Erinnerungen austauschen, ehe man endlich in das intime Gewölbe mit der kleinen Bühne eintritt. Wenn man dort vorn steht, glaubt man sich in den alten Keller-Klubs von London und Liverpool zu wissen, in denen einst in den frühen 60ern die Helden unserer Jugend den Soundtrack vieler Lebensläufe in die Gitarrensaiten, Becken und Tasten droschen. Einen Moment die Augen zu, die Ohren auf und...
...ein vom Rhythm'n'Blues durchtränkter dreckiger Gitarrensound kracht in den Raum. Bei "Shit Happens" bekommt man sofort das Gefühl, an der Rock-Tränke angekommen zu sein. Die kleine Lady mit den blonden wallendem Haar vor mir, eine Mischung aus der Stimmgewalt von Sandy Denny und der Explosivität einer Janis Joplin, ist von diesem Augenblick an der Mittelpunkt der kleinen Bühne. Zwar steht dort ein Mikro mit Ständer, doch diese Debbie Bonham kann kaum einen Moment davor verweilen. Sie formt jeden Ton und jede Zeile mit vollen Einsatz ihres quirligen Körpers, sie dehnt und streckt sich, während sie sich beinahe trotzig "What We've Got Ain't For Sale" aus den Stimmbändern reißt. Verdammt noch mal, was ist das für eine Röhre und wo holt sie nur diese Power her und als wäre das noch nicht genug, schickt sie mich mit "Need Your Love So Bad" in die nächste Woge von Gefühlen. Manchmal hebt sie sich auf ihre nackten Zehen, um noch ein Stück näher an den leisen Tönen zu sein, die sie ins Mikro haucht, um sich im nächsten Augenblick schon hinten fallen zu lassen, von wo sie dann ihre Emotionen in die Welt hinein schreien kann. Wozu braucht diese Debbie eigentlich ein Mikro? So führt sie uns Stück für Stück durch Erlebnisse und Erfahrungen von "The Old Hyde", ihrer schon zehn Jahre zurückliegenden CD. Erst mit "Jack Past Eight" sowie "Love Lies" und trockenen Riffs, die noch aus der alten Schatzkiste von Led Zep zu kommen scheinen, präsentiert sie rockender Weise neuere Songs. Diese beiden Nummern und dem nachfolgenden "Pretty Thing" merkt man das Spannungsfeld zwischen Zeppelin, Free und Bad Company, Jimmy Page und Paul Kossoff an. Vom Blues durchtränkt und mit Whisky durchspült, so forztrocken und rau kommt die Gitarre von Peter Bullick über die Rampe gebrettert und genau so rau, aber gespickt mit Ausdruck und Leidenschaft thront darüber Debbie's Gesang. What a voice! Doch auch wenn sie mal auf Tempo verzichtet, dann lässt sie sich in "If I Had A Little Love" fallen und nimmt jeden einzelnen mit auf ihre Reise der Leidenschaft. Einen der ganz großen und seltenen Momente erleben wir, als Peter Bullick zur Mandoline greift und die Konturen eines alten Zeppelins sich aus den Klangfetzen schälen. Gemeinsam mit dem Mann an den Tasten, Gerhard Louis, singt sie "Battle For Evermore", einen jener Songs, der schon damals ein Beleg für die großartige Kreativität des rockenden Luftschiffes war. Debbie schafft diesen Rückblick ganz ohne Melancholie und erzählt zwischen den Songs kleine Episoden aus dem Leben neben "the greatest Rock'n'Roll Band ever", das ganz offensichtlich mächtig auf sie selbst abgefärbt hat. Dies scheint ihre Art Aufarbeitung, ihr Lebensgefühl von Rock'n'Roll zu sein und wie zum Beweis, dass sie dies auch ganz und gar aus sich selbst heraus kann, erklingt mit "Grace" eine Nummer, die sehr direkt genau diese Kraft ausdrückt. Es rockt und groovt und wenn ich mich mal umsehe, kann ich lauter glückliche Augenpaare sehen, die an dieser Erscheinung von Teufelsweib vor uns kleben. Dieses Energiebündel steht kaum einen Moment still und wenn, dann nur, um einem Ton einen besonderen Ausdruck zu verleihen. In solchen Momenten lässt sie sich schon mal auf die Knie sinken, um von da unten nach oben gerichtet, beinahe ein Blues-Gebet zu singen, aus dem sie sich wieder langsam heraus steigert, um hernach wie ein Orkan zwischen Schlagzeug und Mikro-Ständer zu toben und letztlich wie Janis - Gruß in den Rockerhimmel - ihren ganzen Schmerz ins Mikro zu brüllen, dass man die Druckwelle zu spüren scheint. Meine liebe "Frau" Gesangsverein!
Nein, so hat sie uns nicht nach Hause geschickt! Gerade noch hab' ich einen Riesenkloß nach unten geschluckt, da werde ich vom Krachen der Drums zurück in die Realität gerissen und endlich bekommt ein alter Fan, was er kaum zu hoffen gewagt hatte, nämlich "Rock'n'Roll", den brachialen Zeppelin-Klassiker, pur und ungebremst. Die knallharten Beats des Drummers und trockene Gitarre lassen für einen Moment das alte Zeppelin aufsteigen und die da singt, hat wohl die Posen von Plant beim Nachmittagstee in "Old Hyde" mit aufgesogen, so täuschend echt tobt sie da vor uns den alten stimmgewaltigen Rock'n'Roll und gemeinsam brüllen wir "been a long lonely, lonely... lonely time"! Wenn mir das jemand vor über 40 Jahren gesagt hätte! Als Bonus gibt's noch "Stay With Me Baby" und danach bleiben die meisten auch wirklich noch eine Weile. Minuten später trifft man sich schon bei zwanglosen Gesprächen wieder, bekommt vom Gitarristen mal eben so ein Souvenir in die Hand gedrückt und die Lady mit der tollen Stimme und den blonden langen Haaren plaudert locker mit jedem an der Bar, als würde man sich schon Ewigkeiten kennen. Die intime und gelöste Atmosphäre der Torgauer Kulturbastion macht es möglich und wer nicht dabei war, hat schlicht einen musikalischen Leckerbissen der Extraklasse verpasst. Alle, die sie an diesem Abend mit der Band von Paul Rodgers erlebt haben, nahmen den Wunsch mit nach Hause, sie möge noch einmal kommen und uns nicht so lange auf weitere Geschichten aus "Old Hyde" warten lassen.
Die nächsten Termine: 22.01. - Neugersdorf - Stadl am Stadion 23.01. - Greding - Hippodrom 25.01. - Düsseldorf - Messe 26.01. - Korbach - Kulturfabrik nähere Infos auf Deborah Bonham's Webseite Bitte beachtet auch: - Homepage von Deborah Boneham: www.deborahbonham.com - Homepage der Kulturbastion Torgau: www.kulturbastion.de - Homepage von Hartmut Helms: www.mein-lebensgefuehl-rockmusik.de |