Bericht: Torsten Schulz
Fotos: PR






Ein Hauch von Hollywood wehte im Januar 2011 durch fünf ausgewählte Städte in Deutschland. Für Bochum, Leipzig, Hamburg, Offenbach und Berlin hatte sich die US-Amerikanische Sängerin Belinda Carlisle für je ein Konzert angesagt, und die Spannung und Neugier auf diese Events war greifbar - und das sogar über die Grenzen Deutschlands hinaus. Doch der Reihe nach...

Ihre ersten musikalischen Schritte machte die 1958 geborene und aus Hollywood stammende Sängerin unter dem Namen Dottie Danger als Schlagzeugerin der Punkband "The Germs". Im Jahre 1978 gab es dann die komplette Wandlung von der Punk- zur Pop-Musikerin, denn sie war Gründungsmitglied der Gruppe "Go-Go's", deren Frontfrau sie bis 1985 und dem Start ihrer Solokarriere war. Mit der Gruppe Go-Go's schaffte sie es sogar auf den legendären "Walk of Fame" in Hollywood, denn die Band bekam dort einen eigenen Stern. Seit über 25 Jahren tritt sie nun als Solistin auf, und am Sonntag war sie also wieder einmal in Berlin zu Gast.

Die inzwischen 52-jährige Künstlerin gab ihr Berliner Gastspiel im "Postbahnhof". Und es war ein wahrlich besonderes Konzert, das kann ich an dieser Stelle schon vorweg schicken. Wie ich vor dem Konzert schon feststellen konnte, war das Publikum aus allen Himmelsrichtungen angereist. Lag es daran, dass die Künstlerin im Januar 2011 ausschließlich nur in Deutschland Konzerte gab um sich anschließend wieder Richtung Heimat zu begeben, oder war es tatsächlich ihre Anziehungskraft, die Leute von so weit her anlockte? Das kann ich nicht wirklich beantworten aber fest steht, dass Fans aus Spanien, Portugal, England und anderen Ländern extra für dieses Konzert angereist waren. Aber auch deutschlandweit kamen Fans nach Berlin, so traf ich auch auf Konzertgänger aus Dresden und Leipzig. Doch obwohl das Publikum so international vertreten war und der Postbahnhof in Berlin weit mehr Zuschauer fassen kann, hatten sich lediglich ca. 500 zahlende Gäste zu Belindas Konzert eingefunden. Der Stimmung tat dies aber keinen Abbruch - ganz im Gegenteil!
Ohne Vorband und pünktlich um 20:00 Uhr betrat die Sängerin die Bühne und das Hauptprogramm begann. Neben ihr waren vier Begleitmusiker auf der Bühne aktiv, die altersmäßig auch um die 50 gewesen sind. Ich bin mir nicht sicher aber es könnte sein, dass es sich dabei sogar um die Originalband von Belinda gehandelt hat. Nähere Infos dazu bekam ich aber leider nicht. Sofort beim ersten Ton war die Magie und diese unbeschreibliche Ausstrahlung der Sängerin spürbar. Belinda Carlisle nahm sofort den gesamten Raum ein und alle Augen waren auf sie gerichtet. Kein überkandideltes Bühnenoutfit, sondern schlicht und ohne Glitter stand sie da am Mikrophon - wie das Mädchen von nebenan und keineswegs wie eine Hollywood-Diva. Sie begann den musikalischen Teil des Abends mit ihrem Hit "Runaway Horses", gefolgt von "I Get Weak" und zwei Titeln aus ihrer letzten CD "Voila". Auch ihre Zeit mit den "Go-Go's" wurde nicht vergessen, und so kamen natürlich auch Songs dieser Band mit auf die Playlist. Überhaupt kann man sagen, dass die Titelauswahl ausgesprochen abwechslungsreich war. Es war eine höchst interessante Reise durch die gesamte Karriere Carlisles. Das gut gelaunte Auditorium im Postbahnhof Berlin dankte es der Sängerin. Begeisterter Applaus nach jedem einzelnen Stück und ein großer Chor während der Lieder waren ihr stets garantiert. Während der schnelleren Songs wurde auch fleißig getanzt. Prädestiniert für eine größer angelegte Tanzeinlage waren Hits wie z.B. "A Place On Earth", bei dem es zusätzlich sogar noch Chorgesang aus vielen Hundert Kehlen gab.

Dass sich Belinda Carlisle auf der Bühne wie zu Hause fühlt, ist über die gesamte Länge des Konzerts spürbar gewesen. Sie tanzte und sprang herum, als wäre sie immer noch Anfang 20 und Rockerin. Von der Choreographie her hat sich über all die Jahre nichts verändert - den Hüftschwung beherrscht sie nach wie vor perfekt. Ihr Lächeln und Strahlen war Ausdruck ihrer Spiel- und Lebensfreude, die in rauen Mengen von der Bühne ins Publikum rüber kam. Als ob es dazu gehört und das Normalste von der Welt sei, spielte und sprach sie mit dem Publikum. Fannähe und großartige Bühnenshow sind bei der Carlisle offenbar im Eintrittspreis enthalten, anders als bei einigen ihrer Kolleginnen aus den 80ern, die für ein Ticket bis zu 100 Euro aufrufen, dann zu spät auf die Bühne kommen und schon nach kurzer Zeit und ohne Zugaben wieder verschwinden. All das gibt's (und gab es auch in Berlin) bei Belinda Carlisle nicht - hier wird für das Geld noch richtig hart gearbeitet.
Apropos Zugaben: Nach gefühlten vier komplett vorgetragenen LPs verabschiedete sich die Künstlerin das erste Mal und verschwand hinter der Bühne. Frenetischer Beifall und Zugaberufe lockten die Künstlerin aber noch zwei Mal wieder auf die Bretter zurück. Fast 30 Minuten Zugaben gab's als Nachschlag. Bei der zweiten Runde ließ sie das Publikum abstimmen, welches Lied sie noch spielen soll - Interaktivität, mit der man nicht unbedingt rechnen kann. Nach 100 Minuten Konzert ohne Pause aber mit Zugaben war eines der großartigsten Konzerte, die ich in den letzten Jahren besucht habe, dann wirklich beendet.

Als Fazit des Abends bleibt mir nur zu sagen, dass man Belinda Carlisle weder ihre 52 Jahre noch die Probleme aus früheren Jahren anmerkt. Da steht ein Weltstar mit einer kraftvollen und spannenden Show auf der Bühne, von der sich so mancher Megastar noch eine dicke Scheibe abschneiden kann. Nicht umsonst reisen Fans sogar aus Südeuropa für ein Belinda-Konzert nach Berlin. Wer am Anfang noch nicht wusste, warum es so positiv verrückte Menschen gibt, wusste es spätestens nach dem letzten gespielten Ton im Berliner Postbahnhof. Belinda Carlisle ist sogar eine weiter Reise wert! Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und man bekommt wesentlich mehr als man anfänglich erwartet hat. Zu Belinda und ihrer Show gehe ich gerne nochmal... und nochmal... und nochmal...