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"Leipzig. Courage zeigen" am 30. April 2010 in Leipzig (mit Fool's Garden, Karussell, Sebastian Krumbiegel, Rolf Stahlhofen, u.v.a.) Bericht: Fred Heiduk Fotos: Sebastian und Matthias Ziegert
Auftritt "Stephan Michme" Michme, der als "Michme" der Moderator verschiedener Radioformate viel bekannter sein dürfte als "Michme" der Musiker, machte musikalisch einen sehr guten Job, auch eingedenk der sehr überschaubaren Gästezahl zu diesem Zeitpunkt. Seine Moderationen kamen mir allerdings irgendwie überzogen vor. Sie sollten die Zuhörer wohl motivierten, amüsierten sie aber wohl mehr als alles andere. Ja, ich bin ein paar Jahre älter als Michme, aber sein jugendlicher Aufzug mit rutschender, zerrissener Hose, eine Hand in der Tasche (was er beim Publikum anmahnte) und später mit stylisher Wollmütze - mir war der Mann zu hip und wenig überzeugend. Musikalisch hatte er da weit mehr zu bieten. Das ist gut gemachte, anspruchsvollere Popmusik, mit guten deutschen Texten. Die Band überzeugte mich, auch wenn sie keine Musik für die Ewigkeit macht. Nach wenigen Titeln war der erste Auftritt Michmes dann beendet und er verabschiedete sich mit der Ankündigung später noch einmal auf die Bühne zu kommen. Was dann folgte, gehört zu so einer Veranstaltung, muss sein: die offiziellen Reden, Danksagungen und Auszeichnungen. Die Leipziger schafften es, den Teil in diesem Jahr erfreulich kurz zu halten, und alles ganz und gar auf den Anlass der Veranstaltung zu konzentrieren. In dem Zusammenhang muss Edda Möller erwähnt werden, die mit dem Verein "Courage zeigen" Jahr für Jahr nicht nur mit dem Open Air Großes auf die Beine stellt, sondern das übergeordnete Ziel im Blick behaltend, das Anliegen ständig vor allem auch in der Leipziger Jugend zu verbreiten. Auch 2010 haben sie und ihre Mitstreiter, darunter viele Jugendliche, letztlich wieder einen außergewöhnliches Event geschaffen.
InKlusiv - Gewinner des Nachwuchskontestes Konnte im Vorjahr "Flimmerfrühstück" noch positiv überraschen, waren die diesjährigen Sieger, die Jungs von "InKlusiv", einfach nur schlecht. Das lag nicht nur am furchtbaren Sound (die einzelnen Instrumente übertönten sich gegenseitig oder verschwanden zum Teil völlig gegen die Windgeräusche). Die Musik wirkte unfertig, konzeptionell unentschlossen. Der originelle Einsatz einer Posaune als Leadinstrument reicht jedoch nicht, um gute Musik zu machen, zumal der Leadsänger am E-Piano mit der Posaune um die musikalische Vorherrschaft in der Band zu streiten schien. Musikalisch bewegte sich "InKlusiv" zwischen aktuellen Popstrukturen und anspruchsvollen Jazzelementen. Leider fehlte ein erkennbares Konzept in den Titeln, so dass die Stile irgendwie unmotiviert nebeneinander standen. Potential haben die Musikstudenten sicherlich. Zumindest deuteten sie das im Titel "Liebeslied" an. Der war in einigen Teilen so, dass ich aufhorchte. Das war halbwegs stimmig, der Rest des Auftritts hat mir nicht gefallen. Weder die Stimme des Sängers, noch die ganz und gar nicht funktionierende Band, die zwar erst ihr 3. Konzert zusammen spielte, wie der Moderator nach dem Auftritt mitteilte, die aber aus bestehenden Bands fusionierte. Was mich besonders irritierte, jedoch nichts mit meinem Eindruck zur musikalischen Leistung zu tun hat, ist das Verhalten der Band nach dem Konzert. Die Jungs standen während des Auftritts der Gruppe Karussell unmittelbar vor mir. Wie sie sich über die "alten" Titel Karussells und über deren Auftritt verbal wie in Gesten lustig machten, das erschreckte mich. Was mag in ihnen vorgegangen sein, um sich vor ein paar jungen Frauen so zu produzieren. Bei der Armee bezeichnet man das wohl als Kameradenschwein. Ganz zu schweigen, das keiner der selbsternannten Musiker handwerklich an sein Pendent bei Karussell heranreicht, haben die Jungs noch nichts erreicht, und an dem Tag zumindest auch nichts geleistet. Nun hat das sicher kaum jemand verfolgt, dazu waren die Jungs nicht interessant genug. Mich, der ich direkt hinter den vergnügten jungen Leuten stand, befiel der Gedanke: "DSDS Generation, trotz Musikstudiums. Lebe Deinen Traum auch wenn Du nichts kannst, und möglichst auf Kosten anderer". Erschreckend und ganz und gar dem Anliegen des Festivals entsprechend, denn von Toleranz keine Spur. Das "InKlusiv" nun eine CD produzieren darf, gehört zu den Spielregeln des Jugendcontests. Vielleicht nutzen sie ja die Chance, ihr musikalisches Profil zu schärfen und sich selbst zu finden. Übrigens gibt es in Leipzig erstklassige junge Bands, die sehr, sehr gute Musik machen, auch wenn die wohl nicht zum Contest angetreten sind, oder aus dieser Phase herausgewachsen sind. Nach den Youngstern hatte man im Ablauf einen die Oldies gesetzt:
Fool's Garden war der erste klingende Name des Abends. Ich erwartete einen rundum professionellen Rockauftritt Freudenthalers, hatte er bei der diesjährigen Final Stap-Tour doch damit weit mehr überzeugt, als mit den One Hit-Wonder "Lemon Tree". Professionell war das was Fool's Garden als Duo da machte sehr wohl. Allerdings nicht mehr und nicht weniger. Die Herren Freudenthaler, der total überdreht wirkte, und der supercoole Gitarrist Volker Hinkel mit seiner schicken schwarzen Sonnenbrille, die er trotz bewölktem Abendhimmel trug, unterstützt von gelegentlichen Halbplaybacks, machten Popmugge gewürzt mit Mallorca- bzw. Ballermann-Einschlägen und Peter Maffay-Witzen. Freudenthaler verstieg sich zudem in einer üblen Publikumsschelte, die aber wohl so aufgenommen wurde. Aufgezogen wie er war, laberte er sinngemäß von der Bühne "...und ihr steht da unten und grinst die ganze Zeit... Warum sind eigentlich so wenig Leute hier?" Zu letzterem hätte ich ihm gern geantwortet: "Weil Euch nicht mehr sehen wollten..." Dass der Moderator Alex Huth das Publikum schließlich noch kräftig zum Mitsingen des Lemmon Tree-Refrains (was recht ordentlich klappte) animierte, indem er samt Mikro direkt ins Publikum eilte, machte den durchwachsenen Auftritt Fool's Gardens nicht wirklich besser. Auch der überraschende Einwurf der Titelzeile des Led Zeppelin-Klassikers "Stairway to heaven", den Freudenthaler zu allem Überfluss auch noch x-Mal vom Publikum abforderte, machte es eher schlimmer als besser. Die seichte Popkost, die verbalen Entgleisungen und das Theater und Gehopse auf und von der Bühne konnte der mir recht gut gefallende Titel "Water" nicht kompensieren. Der zeigte jedoch, dass Freudenthaler auch anspruchsvolle Musik im Repertoire hat, und mehr kann als albern sein. So freute ich mich über die eintretende Pause in der nochmals ein paar Worte an die Zuhörer gerichtet wurden, in der es noch ein paar Auszeichnungen gab und in der sich im Hintergrund Karussell auf ihren Auftritt vorbereitete. Alex Huth kündigte sie schließlich mit seichten Gags wie "...gibt's die noch? Nein, das muss heißen 'Ach die sind wieder da'..." und "...auch ohne Dirk Michaelis, der fortging und nicht wiederkehrte...", sowie einer Anspielung auf seine Namensgleichheit zu Oschek an. Doch dann legten die Mannen um Raschke und Huth, vom Publikum ordentlich begrüßt, los. Auftritt KARUSSELL Das Mischpult hatte der Techniker der Karussell-Crew besetzt, und so war auch das wenige Keyboardtöne umfassende Intro zum "Als ich fortging"-Thema akustisch ein kleines Erlebnis. Ohne viele Worte begannen die Karusseller mit ihrem "Gitarristen". Das war wie eine Befreiung. Erstklassiger Gesang, perfekte Spielweise, Harmonie zwischen den Instrumenten. Auch das übrige Publikum honorierte den soliden Auftritt mit ordentlichem Applaus, und nicht wenige der Zuhörer im mittleren Alter gingen mehr oder weniger intensiv mit. Vielleicht auch wegen des perfekten Gitarrenspiels Hans Grafs. Der Mann spielt derart befreit auf, dass ich zwangsläufig an die großen Gitarristen der Band Hula Bünnebeil, Cäsar Gläser und Tom Leonhard denken musste. Graf reiht sich dort bestens ein. Ein außergewöhnlich guter Mann der gleichermaßen mit handwerklichen Fertigkeiten wie mit "Seele" überzeugt. Auf den Gitarristen folgen "Mc Donald" und "Ehrlich will ich bleiben". Beim letzteren stört mich der eingesetzte Vocoder. Mir unverständlich, warum man dieses Überlied damit eines Teils seiner Aussage beraubt, denn der Micky Maus-Sound als Background ist ganz und gar nicht ehrlich. Er ist auch nicht originell oder schön, aber das sieht die Band wohl anders. "Autostop" war der nächste Titel. Der wurde mit dem bekannten Einzählen gestartet und endet mit der Aufstellung der Band vor dem Schlagzeug. Das ist eingeübt und ganz und gar nicht mehr überraschend, aber die musikalische Leistung der Band entschädigt eigentlich für alles. Zudem fand ich das Bemühen der Band, speziell Joes, um das Publikum und eine gute Stimmung sehr respektabel. Da wurde - wie ich fand - das rechte Maß ebenso, wie die richtigen Mittel gefunden. Doch wäre das alles nicht der Erwähnung wert, hätte Karussell nicht eine faustdicke Überraschung für die meisten der Zuhörer im Gepäck gehabt. Die Band hatte einen Titel mitgebracht, den - wenn überhaupt - nur die anwesenden Mitglieder des Fanclubs kannten. Und das ist nicht irgendein Titel. War "All meine Habseligkeiten" noch ein geradezu klassischer Karussell-Titel, ist der neue etwas gänzlich Neues mit riesigem Potential. Das klang wie die gelungene Symbiose von Rammstein und Karussell und hatte auch einen Hauch alter Cäsar-Titel. Er zeichnet sich durch seinen hämmernden Sound, eine gewaltige Dynamik, durch starke Rhythmusbetonung und eine Melodieführung aus, die geradezu ideal für Joes Stimme und Tonlage geschrieben scheint. Dabei ist er keine billige Rammstein-Kopie, bzw. Nachspielen der Neuen Deutschen Härte, sondern sehr wohl ein ordentlicher Rocksong wie er Karussell immer auszeichnet. Das Eingangsmotiv mit Hans Grafs wimmernder Rockgitarre ist geradezu ein Ohrwurm wie ihn die ganz großen Namen des Rock hervorgebracht haben. Allerdings verstand ich das angedeutete Thema von "I can't get no Satisfaction" nicht. Soetwas kann richtig Ärger geben, siehe The Verve. Aber vielleicht war das nur eine Live-Improvisation. Der Titel ist nicht nur musikalisch überaus überzeugend, auch der gute, wenn auch scheinbar einfache Text und - wie erwähnt - die grandiose Interpretation durch Joe machen ihn zu einem richtig guten Stück. Das ist etwas, wo Joe zeigten kann wo seine Stärken liegen und etwas, das er kann und das er weitermachen sollte. Zudem bietet sich ausgehend von diesem Sound wirklich die Chance auf eine Zukunft der Band, die über das Daseins als Oldie- und Coverband der eigenen Titel hinausgeht. Das war sehr überzeugend und nährt die Hoffnung, dass mit der avisierten CD der Spagat zwischen notwendigem Neuem und hochgeschätztem Alten gelingt. Karussell ohne die Klassiker "Fischlein unter'm Eis" und "Als ich fortging" das geht wohl nicht. Die kamen dann auch, wobei als lustige Episode anzumerken ist, dass niemand an diesem Tag von der weißen Nachtigall sprechen durfte, war Oschek doch stark nachgedunkelt. Durch den engen Zeitplan achtete man wie oft bei großen Festivals strikt darauf, das niemand Zugaben geben sollte. Bis zum Karussell-Auftritt. Da redete sich Alex Huth um Kopf und Kragen und provozierte zur Freude der Fans eine eben solche. Den großen, gelben Mond besang Joe recht ordentlich, wenngleich ich ihn von ihm schon besser erlebt habe. Unter'm Strich ein prima Auftritt der einzigen echten Ostband an diesem Abend. Obwohl...
...ja auch aus Leipzig und Magdeburg stammen, und letzterer bei Sputnik derzeit an den Reglern sitzt. Zu Michmes zweitem Auftritt an diesem Abend gibt es nicht viel mehr zu sagen als das, was schon zum 1. Teil gesagt wurde. Solide musikalische Leistung ohne wirklich zu berühren. Da halfen auch die Vorschusslorbeeren nichts, die Sebastian Krumbiegel ihm mitgab. Krumbiegel hatte die Rolle des Pausenfüllers am Klavier übernommen, zuvor zwei oder drei Titel gespielt und dann Michme als seinen Freund und guten Musiker angekündigt. Eine lustige Episode gab Michme dann zum Besten. Er könne sich bestens an den "Polizeiruf 110 - Eifersucht" vom 28.08.1988 erinnern, weil er da zum ersetzen Mal "Als ich fortging" hörte. Jetzt habe er sich riesig darüber gefreut, mit Karussell gemeinsam musizieren zu dürfen. Ansonsten erzählte er viel und verstieg sich dabei sogar in esoterische Bilder wie z.B. "Fasst euch an die Hände und lasst eure Energie auf die Bühne fließen". Man, man... Ich will nicht sagen Krumbiegels nächster Pausenbeitrag war fast eine Erlösung, es käme meinen Gedanken aber nahe. Musikalisch war das was Krumbiegel bot bis dahin durchwachsen. Aber seine Statements hatten es in sich, waren überaus passend. Musikalisch brachte er erst in der letzten Pause ein großes Stück auf die Bühne, als er einen "Die Art"-Titel interpretierte. Doch zuvor schienen sich meine düstersten Vorahnungen zu bewahrheiten, denn zu der Filmmusik von Winnetou betrat die nächste Band die Bühne. Vor ihr graute mir ein wenig, hatte sie doch im Vorjahr einen grauenhaft schlechten Auftritt hingelegt, der bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hatte. Und jetzt Winnetou. Die Rede ist von der... Ton Steine Scherben Family Was so toll klingt hat ja wenig mit den alten Scherben zu tun, und lebt vor allem von der Erinnerung. An diesem Abend waren die Musiker um Marius del Mestre und Kai Sichtermann, dem einzigen echten Scherbenmitglied, allerdings bestens aufgelegt. Das war bestes Ton Steine Scherben- und Rio Reiser-Cover. Da stimmte so ziemlich alles. Und als die Band den Klassiker "Keine Macht für niemand" sang, kam auch richtig Stimmung ins Publikum. Sehr löblich - die vier Musiker auf der Bühne verzichteten auf jeden Schnickschnack, machten einfach gute Musik. Der Einsatz von Nikel Pallat bleibt mir allerdings ein wenig rätselhaft. Mit der ganzen Geschichte der Scherben nicht wirklich vertraut, hatte ich keine Ahnung wer da auf die Bühne kam und glaubte zunächst an eine Joe Cocker-Parodie. Die zahlreichen Hardcorefans jubelten jedoch bei seinem Erscheinen. Vermutlich hätten die Scherben Stunden weitergespielt und jeden der alten Titel geboten, aber das unterband der Zeitplan. Beim Ton Steine Scherben-Auftritt wurde auch die Lichtanlage ganz passabel eingesetzt. Der Schluss kam für die Scherben etwas abrupt. So durften sie noch einen Titel spielen, bevor Krumbiegel zu seinem 3. Part auf die Bühne kam. Das Publikum intonierte unentwegt "Zugabe" und forderte nochmals die Scherben, die ja auch wirklich überzeugen konnten, aber selbst als sie noch einmal auf die Bühne kamen, wurden sie zunächst wieder weggeschickt. Zu Recht, da die Zeit gnadenlos auf 23:00 Uhr und damit auf das verordnete Ende zuging, und nach der Umbaupause die eigentlichen Topacts des Abends noch auf ihren Einsatz warteten. Doch warum auch immer, die Scherben kamen doch noch einmal, was den Bühnenablauf restlos durcheinander brachte. Das war weder fair von der Band, noch klug vom Veranstalter. Ich hätte mir Konsequenz gewünscht und empfehle für ein mögliches 14. Festival a) einen stringent einzuhaltenden Zeitplan und b) einen Gedanken an eine zweite Bühne zu investieren. So entstand eine gewisse Hektik, die auch zu unkontrollierten Reaktionen bei einigen der gut 5000 Zuschauer hätten führen können. Zudem düpierte man Krumbiegel und Hut, die die Situation vorher halbwegs im Griff hatten und plötzlich wie kleine dumme Jungs dastanden. Dass Krumbiegel nach diesem Fauxpas seinen besten Auftritt auf die Bühne zauberte spricht für ihn. Das bereits erwähnte "Die Art"-Stück "Das Schiff" war zweifelsohne einer der großen Höhepunkte des Abends. Dem folgten dann kurz vor 23:30 Uhr...
Stahlhofen hatte dieses Mal seine Band mitgebracht, nachdem es letztes Jahr mit "geborgten Musikern" nicht recht klappen wollte. Welches Kaliber die drei Mitstreiter von Stahlhofen dieses Jahr hatten, zeigten sie bereits beim ersten Lied "Zeit was zu ändern". Soul vom feinsten, bekannt professionell und brillant dargeboten von Rolf Stahlhofen, der - obwohl er sitzt - eine unglaubliche Kraft in seine Interpretation legt. Nach drei Titeln, unter anderem "Wenn Dir die Liebe fehlt", kam Emma Lanford auf die Bühne. Ich glaube es wird nicht wenige gegeben haben, die mit dem Namen nicht sooo viel haben anfangen können. Im Vorfeld wurde lediglich darauf verwiesen, das Emma Lanford einige erfolgreiche Produktionen mit Mousse T. gemacht habe, dass sie am Vortag mit Rolf Stahlhofen und Max Mutzke in Leipzig aufgetreten, und das sie schwanger sei. Stahlhofen habe sie nach dem Auftritt am Vortag kurzerhand gefragt ob sie Lust habe, bei "Courage zeigen" mitzumachen, und sie habe zugesagt. Damit hatte das Festival seinen akustischen wie optischen Höhepunkt. Zudem war Emma Lanford bestens aufgelegt und scherzte mit dem Publikum. Die beiden Titel die sie bot, waren Soulnummern vom feinsten. Was für eine Stimme, welch Power die Frau versprühte. Da war zugleich Begeisterung pur. Sowohl auf wie auch vor der Bühne. "Is it 'cos I'm cool?" ist neben dem alten Stück "Horny" das vielleicht bekannteste Stück Lanfords und wird dann auch mit rhythmischem Klatschen begleitet. Irgendwie verbreitet Emma Lanford noch einmal ein echtes musikalisches Feuerwerk und weckt wohl auch den letzten vor der Bühne. Woher das zarte Persönchen nur dieses Volumen und dieses soulige Timbre nimmt? Gleich wie... Sie hat das gewisse Etwas in ihrer Stimme und das macht sie zum eigentlichen Star des Abends. Für ihre zwei Titel allein hätte sich der Besuch gelohnt. Da für Lanford und Stahlhofen nur insgesamt 30 Minuten Auftrittszeit zur Verfügung standen war klar, dass es keine Zugabe von ihr geben würde. Stattdessen sang wieder Rolf Stahlhofen einen seiner Titel. Warum auch immer, als er Benjamin Weinkauf, der am Bühnenrand stand und ihn filmte, kurzerhand seine Videokamera abnahm um das Publikum zu filmen, gab es ein großes Hallo im Publikum. Sein anschließendes Statement, er finde Konzerte ohne Eintritt Scheiße, weil "Kunst müsse bezahlt werden", ist vorsichtig ausgedrückt, streitbar. In einigen Passagen hatte man dann auch den Eindruck, da steht ein souveräner Profi auf der Bühne, der sein Ding routiniert abspult, auch wenn an der musikalischen Leistung nichts zu meckern ist und auch die Art das Publikum anzusprechen sehr gut ankam. Nur wirkte das eben nicht ganz authentisch sondern einstudiert. Das ist auch nicht weiter tragisch, denn Stahlhofen erklärte warum er nun zum x-ten Mal bei "Courage zeigen" auftritt. Das läge an Sebastian Krumbiegel, der ihn mit Nacktfotos erpresse... Natürlich hatte er den Lacher auf seiner Seite. Aber im Grunde war der Gag lediglich die Anmoderation für Krumbiegel, mit dem Stahlhofen befreundet ist, und der nun das letzet Stück "Geh davon aus" mit Stahlhofen und seiner Band gemeinsam spielt. Gerade bei diesem Titel brillierte der Gitarrist Stahlhofens nochmals. Dann ist das Konzert fast vorbei. Stahlhofen rapt, er würde jetzt mit Ton Steine Scherben noch einmal jammen, aber die kommen nicht auf die Bühne. So singen halt Stahlhofen, Krumbiegel und das Publikum Rio Reisers "König von Deutschland" ohne die Scherben Family. Nach dem großen, wenn auch kurzen Auftritt Emma Lanfords und dem Einsatz Stahlhofens kocht nun die Stimmung geradezu. Jetzt könnte der Abend noch lange weitergehen. Tut er aber in der Form nicht, denn das Ordnungsamt sagte, dass um 23:00 Uhr Schluss zu machen ist, und daran hielten sich die Veranstalter natürlich. Zum Schluss sollen die Besucher noch auf vorgezeichneten Flächen das Wort Courage nachbilden. Für diese Aktion schien mir der Zeitpunkt denkbar ungünstig gewählt, da viele Besucher kurz nach dem Konzertende das Messegelände schlagartig verließen. Hätte man das vorher gemacht, hätte der Versuch mit großer Sicherheit geklappt und dem Publikum wären die Umbaupausen verkürzt worden. So gab es ein paar Probleme das ganze zu koordinieren. Das Fazit zum 13. Courage Festival lautet: Das Anliegen gut vorangebracht, die Veranstaltung trotz anfänglicher Schwächen auf hohem Nivea, ein paar super Titel und Auftritte. Damit alles richtig und gut gemacht. Nicht, dass es nicht besser ginge... Die Organisation und der Ablauf sollten dringend gestrafft werden. Zudem halte ich es für wichtig, künftig wieder stärker für das Festival zu werben, denn sonst besteht die Gefahr, dass irgendwann niemand mehr kommt. Ein erster Schritt wäre die öffentliche Auswertung oder zumindest Würdigung des 13. Festivals. Die hab ich weder im Netz noch in der Ortspresse angemessen gefunden. Aber vielleicht gibt es ja noch eine Chance. Rockradio war in Leipzig zugegen. Und Casus Campari sagte mir, dass Rockradio möglicherweise demnächst eine Aufzeichnung des Konzerts übertragen wird. Eingedenk der Auftritte Karussells, der Scherben, Rolf Stahlhofens und insbesondere von Emma Landfords wäre es aus meiner Sicht eine lohnenswerte Angelegenheit.
Fotoimpressionen:
Auftritt Stephan Michme: ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Auftritt "InKlusiv" ![]() ![]() ![]() ![]() Auftritt "Fool's Garden": ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Auftritt Sebastian Krumbiegel: ![]() ![]() ![]() Auftritt "Karussell": ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Auftritt "Ton Steine Scherben Family":
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