20 Jahre gibt es ESCAPE WITH ROMEO nun schon für mich, eine unvorstellbar lange Zeit eigentlich und verbunden mit einigen wichtigen persönlichen Ereignissen, vor allem mit dieser Musik. Dabei war und bin ich kein Freund von elektronischer Musik oder Wave im Weitesten, aber so eine CD wie Escapes „Autumn on Venus“ höre ich immer wieder begeistert und durchgängig am Stück. Irgendwie ist da der berühmte Nagel auf dem Kopf getroffen: 1-A-Timing und dann Gitarren-Einwürfe, Gesang wie auch der gesamte Groove bilden ein ziemlich gutes Gesamtwerk, das einfach nicht alt werden kann. Es entsteht immer wieder ein gutes Gefühl beim Hören. Zeitlos.
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Und nun stand das erste akustische Konzert dieser Band für mich an. Ein reizvoller Gedanke, gleichzeitig war ich aber auch etwas von Misstrauen begleitet auf dem Hinweg zu diesem Auftritt. Außerdem war mir nicht ganz klar, ob es im großen Rahmen des nun schon jährlich stattfindenden mehrtägigen Zeltfestivals an der Ruhr südlich von Bochum einen guten Platz finden würde – vor allem in Hinblick auf's Publikum (das an diesem Abend u.a. noch OMD besuchen sollte). Aber es wurde sehr nett, obwohl: „nett“ ist vielleicht nicht die typisch beste Beschreibung für ein Escape-Konzert, aber hier soll es im besten Sinne gemeint sein: inmitten eines Handwerker- und Gastronomie-Markts, zwischen mehreren Veranstaltungszelten, wurde eine kleine Bühne Open-Air aufgebaut, davor größere Sonnenschirme mit verteilten Stühlen und Tischen und dem dann sowieso stattfindenden öffentlichen Leben und Bummeleien der Menschen, die nicht gezielt konzertmäßig anwesend waren, drumherum. Also hieß es: Platz nehmen unterm regensicheren Sonnenschirm, Getränk dabei und dem Soundcheck lauschen, der leider etwas umständlich für die P.A. umme Ecke ablief, sodass immer jemand hin und her laufen musste für den Austausch. Aber man spürte die langjährige Routine der Musiker, die zwar wettermäßig einen Pelzmantel herbeisehnten, aber ansonsten ganz Herr ihrer Instrumente waren in Form von Gitarrist, Sänger/Gitarrist, Bassist/Cellist und Schlagzeuger.
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Um Punkt 18:00 Uhr begann dann pünktlichst das Konzert. Fast schon beiläufig betreten die komplett in schwarz gekleideten Musiker ihre Bühne und nehmen ebenfalls Platz auf ihren Stühlen dort. Das Publikum (ca. 100 Menschen) sind eine Mischung aus Müttern mit Kindern, 40/50-Jährigen gealterten und zufälligen Besuchern sowie jüngeren Fans – ebenfalls in schwarz. Das Wetter sollte bis auf einen kurzen Sonnenabstecher kalt und regenunsicher bleiben, aber es fühlte sich trotzdem eher gemütlich an, und die Musik erinnerte dann auch weniger an Kälte oder Elektroklänge oder sonstiger Kraft, sondern kam fast schon swingend daher. Die akustischen Gitarren hörten sich ein wenig tänzerisch an, und doch kamen die typischen Escape-Songs 1-A zur Geltung, was aber auch an Sänger (und EWR-Gründer) Thomas Elbern lag, der sie mit seinem perfekten Timing und der markanten Stimme interpretierte. Sie spielten alte Songs, ihre Klassiker ("Somebody", "Helicopters in the falling rain"), was Neues vom bald erscheinenden Album und Songs, die noch nie akustisch aufgeführt wurden ("Lovesick"). Zu ihrer Cover-Version von "Serious" erzählten sie, dass
es dazu vom Original-Künstler ein dickes Lob gab, was ihnen dann auch (verständlicherweise) gut täte. Das Erzählen um die Songs war ansonsten eher etwas reduziert, was u.a. auch mit einem sehr engen Zeitrahmen von unter einer Stunde zusammenhing, in der das Konzert stattfinden musste. Elbern erwähnte dann noch seine Heiserkeit, die seine Stimme für mich aber nur unmerklich reduzierte. Für ihn sei es jedoch wichtig, überhaupt zu spielen als gar nicht. Darüber hinaus erwähnte er, dasw "Somebody" sie seit 1993 in Spanien verfolge – aber zum Glück hätte es aufgehört, dass sich dazu im Publikum Chöre bildeten (was ich gut verstehen kann). Der Song lässt einen nicht mehr los, und nicht umsonst ist er wirklich Höhepunkt eines jeden Konzerts dieser Band, den sie mit langen Soli und zeitlich fast schon ausuferndem Spiel belohnen. An
diesem Abend war dies auch ansatzweise zu erkennen.
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Danach beginnt das Publikum dann zum Helicopter-Song zu klatschen – fast schon etwas verwirrend für mich, zumal auch die kleinsten Kinder immer wieder tanzten. Verwirrend deswegen, weil ich es so noch nicht erlebt hatte, aber da bestätigt sich das swingende Gefühl, das schon ganz zu Beginn aufkam. Als letzter Song vor der noch ehrlich verlangten Zugabe kommt "White room". Die Zugabe dann mit einem Glockenspiel, womit sich der Sänger selbst begleitete. Und auch hier wunderbar zu spüren: Timing wie es besser nicht geht.
Angekündigt wurde das Konzert als Urgesteine der Wave-Szene, die Songs aus ihrem 20-jährigem Schaffen unplugged präsentieren wollen. Es wäre ein toller Auftakt für OMD und ein Grund früher anzureisen. Für mich war es ein toller Abend - und wirklich ein Grund, früh genug anzureisen; aber auf jeden Fall ein Grund, vorm ersten Ton, den man durchs Zelt der großen OMD-Bühne dann bald hörte, wieder abzureisen, um sich den schönen Sound von ESCAPE WITH ROMEO im Ohr zu bewahren. Mir und einigen anderen fehlte zwar die markante E-Gitarre, die die Songs auf einen ganz bestimmten Drive bringen - sie fließen dann regelrecht, und es entsteht eine feinsinnige Mischung aus Härte, Tempo und Timing. Aber auch Wave-Künstler werden älter, und es ist wunderbar zu sehen, wenn sie in leiseren Tönen aufgehen ohne ihr eigentliches Wesen zu verlassen. Kompliment!
Bitte beachtet auch:
- off. Homepage der Band ESCAPE WITH ROMEO:
www.escapewithromeo.de
- Homepage des Zeltfestival Ruhr:
www.zeltfestivalruhr.de