Bericht:
Matthias Ziegert

Fotos:
www.falkenberg-musik.de (Textillustration)
Sebastian & Matthias Ziegert (Fotoimpressionen)





Es soll ja Leute geben, die zum Lachen in den Keller gehen. Andere widerum fahren zum Musikhören ins Bergwerk. Zur zweiten Personengruppe gehörten wir und noch ca. 130 weitere Fans von (IC) Falkenberg und seiner Musik am 14. Mai 2011.
Dieses wirklich besondere Konzert fand im Besucherbergwerk Pöhla bei Schwarzenberg statt. Bergwerksbetreiber ist ein sehr rühriger Verein, der sich an diesem Abend von seiner besten Seite zeigte und einen grossen Anteil am Gelingen der Veranstaltung hatte. Alle ankommenden Besucher wurden erst einmal mit einem zünftigen "Glück auf", der üblichen Begrüssung im sächsichen Erzgebirge, empfangen und mit dem für die Einfahrt erforderlichen Helm ausgerüstet. Dann ging es gegen 19.30 Uhr pünktlich mit drei Zügen der Grubenbahn, auf die die Besucher aufgeteilt wurden, 3 km in den Berg hinein.


Immer wieder gute Ideen: Falkenberg

Nun folgte eine sehr interressante Führung durch die Stollen, mit einigen Einblicken ins Leben der Bergleute, und Vorführungen der verwendeten Bohrgeräte. Am Ziel, den Zinnkammern, erwarteten uns die Vereinsmitglieder mit Bergmannsschnaps und einem reichhaltigen Abendessenangebot zu weltlichen Preisen. Dann starte es musikalisch. aber nicht mit Falkenberg, sondern mit einer Mitsingnummer. Der Chor aus Vereinsmitgliedern, verstärkt durch einige der Besucher, stimmte noch vor dem ersten Ton der Musiker die Bergmannshymne "Glück auf der Steiger kommt" an. Danach begann der Sturm auf den "Konzertsaal".

Der Schwerpunkt des Konzertes lag bei der Vorstellung des letzten Albums. Dabei stellte der ungewöhnliche Konzertort durchaus eine Herausforderung an die Musiker und Techniker dar. Die Akustik wurde von einem permanenten, leichten Hall geprägt. Die Höhen hatten es schwer durchzukommen, so dass einiges leicht dumpf, zumindest ungewohnt klang. Dafür wirkte das Keyboard wie ein großer Konzertflügel, und die Lichteffekte setzten Stimmungen so wirksam in Szene wie selten zuvor auf großen Bühnen bei einem Falkenbergkonzert. Falkenberg war, ebenso wie Michael "Leo" Lehrmann, mit dem er nun seit über einem Jahr ein unglaublich gutes Duo bildet, bestens aufgelegt. Ohnehin bekannt für flotte Sprüche und gelegentlich längere Anmoderationen, würzte Falkenberg dieses Konzert mit besonders vielen persönlichen Geschichten. Vielleicht auch, weil sein Album "Hautlos" irgendwie tiefe Einblicke in sein Seelenleben gewährt. Überhaupt scheint bei Falkenberg in diesem Jahr vieles neu, ungewöhnlich und anders zu sein. Begonnen damit, dass aus IC der Liederpoet Falkenberg wurde, der aktuell wie kaum ein anderer gefühlvolle und tiefsinnige Texte in grandiose Melodien zu verpacken vermag. Ungewohnt ist auch, dass es - anders als die Jahre zuvor - im Jahre 2011 wohl keine 100 + x Konzerte geben wird, Falkenberg sich viel mehr rar macht und dabei solch ungewöhnliche Konzertorte wie das Bergwerk auf seinem Tourplan stehen. Dazu kommt, dass er sich privat aus dem Moloch Berlin verabschiedet hat. Eine Konstante bleibt jedoch, wie man in diesem Konzert wieder erleben durfte: er versteht es außergewöhnliche Musik zu machen und sein Publikum zu begeistern. Dass er in "Leo" Lehrmann dabei einen kongenialen Partner gefunden hat, ist seit geraumer Zeit live zu erleben und hat seither die Falkenberg-Konzerte enorm bereichert. Auch an diesem Tag brillierte "Leo" Lehrmann vom ersten bis zum letzten Ton. Egal welche Technik - gleich ob mit E- oder Akustikgitarre, gleich ob als Begleitung für Falkenbergs Gesang, dessen Keyboard oder als quasi Leadgitarre: es ist ein Genuss Lehrmann zuzuhören.

Ein bewegender Moment im Konzert war das Lied "Still und schön", in dem Falkenberg zu seinem Keyboard Mundharmonika spielt. Er sagt von sich selbst, dass er großer Neil Young Fan ist. An diesem Abend hätte der Meister seine Freude an diesem Lied gehabt. Das war großes Kino in bester Tradition der alten Singer-Songwriter. Toll gesungen und brillant gespielt erzeugte Falkenberg einen Hauch von Melancholie der einem hätte eine Träne in den Augenwinkel treiben können. Allein dieser Titel war zweifelsohne das Eintrittsgeld wert. Wem dieser Song möglicherweise nicht so gelegen haben sollte, dem dürfte spätestens beim folgenden, selten gespielten Titel "Nichts" klar geworden sein, welche Klasse das Duo Falkenberg / Lehrmann hat. Eine grandiose Melodie, die - ob einiger sehr schöner, diffiziler Passagen - des perfekten Zusammenspiels beider Gitarren bedurfte; ein kluger, irgendwie gar nicht leiser Text machte dieses Stück zu einem der Höhepunkte des Konzerts. Wenn man sich dazu noch überlegt, dass das Stück neu ist und so ganz weit weg vom Mainstreampop und Trallala, dann darf man sich vor Falkenberg verneigen. Die einzelnen Titel nun aufzuzählen, erspare ich mir (siehe dazu die Setlist am Ende dieser Seite). Vielmehr weise ich auf sein Album "Hautlos" hin, auf dem zumindest einige der gespielten Titel zu finden sind. Auch wenn es der Klasse des Albums keinen Abbruch tut, die Stimmung des Konzerts kann eine CD natürlich nicht vermitteln. Und wie jeder, der schon einmal ein Falkenberg-Konzert besucht hat, weiß: Die war prächtig! Da beide Musiker durchaus die Fähigkeit zur Selbstironie haben, hatten einige Passagen fast kabarettistisches Format. Stellenweise gab es laute Lacher zu Gags, die jedem Comedian gut zu Gesicht gestanden hätten. Diese Einlagen entstehen situativ, spontan und sind daher umso komischer.

Natürlich dürfen bei einem Konzert eines Musikers, der seit 30 Jahren auf der Bühne steht und mehr als einen Hit vorzuweisen hat, bekannte große Hits nicht fehlen. Aber, anders als bei vielen anderen Musikern, die ihre Wurzeln im Osten des Landes haben, sind die Hits (bei Falkenberg Titel wie z.B. "Eine Nacht" und "Dein Herz", die bei diesem Konzert im Zugabeteil gespielt wurden) und selbst neuere Titel (wie z.B. "So nah vom nächsten Meer" und "Für Krieger wie uns" - letztere von seinem 2008er Album "So nah vom nächsten Meer") nicht der alleinig tragende Teil eines Konzerts. Die Fans lieben diese Songs, und zweifelsohne könnte Falkenberg daraus ein eigenes Programm machen. Doch das Falkenberg-Publikum erwartet Neues, das es auch regelmäßig bekommt. Es bereitet Falkenberg hör- und sichtbar viel Spaß, sich mit seinen hervorragenden, neuen Titeln zu präsentieren. Für mich wirkte der Zugabeteil, mal abgesehen von Lehrmanns Gitarrensolo, fast ein wenig fremd. Zumindest an diesem Abend konnte man ganz deutlich die ungeheure musikalische Entwicklung Falkenbergs nachvollziehen. Aus dem gefeierten New Wave- und Pop-Star des Ostens ist ein überaus ernstzunehmender großartiger und gesamtdeutscher Musiker geworden, der etwas zu sagen hat und dies einfühlsam und gekonnt rüberbringt. Einer der Großen der Zunft.

Das gesamte Konzert dauerte fast zwei Stunden, was angesichts der niedrigen Temperaturen im Berg von den Musikern sicher einiges abverlangte. Dem Publikum wurde die Zeit mit toller Musik und ein paar wärmenden Tropfen verkürzt. Mit Fug und Recht wage ich zu behaupten, dass es ein gelungener Abend war, der aus meiner Sicht seinen besonderen Höhepunkt in dem Song "Rauch mich" vom Album "Zwischen Erde und Mond" hatte. An diesem Tag war er mit einer großartig geslideten E-Gitarre Lehrmanns und Falkenbergs Rhythmusgitarre zu hören. Diese Interpretation des Titels zeigt, wie gut deutschsprachige Musik gemacht werden kann. Für mich war er eine Überraschung und ein Highlight des Konzertes gleichermaßen. Ich stelle mal die kühne Prognose auf: wäre so ein mitreißender Titel beim ESC, der am gleichen Tag in Düsseldorf stattfand, am Start gewesen, er hätte sich ganz sicher sehr weit vorn platziert.





Fotoimpressionen:


Vor dem Konzert:
Die Umgebung, die Einfahrt, die Führung...























Konzert "unter Tage":















































































Setlist:
Die Songs beim Konzert am 14. Mai 2011