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Vorbericht: Farin Urlaub (Die Ärzte) live am 05.06.2009 in der Stadthalle Rostock Bericht: Holger Stürenburg Foto: Erik Weiss
Der Sänger und Gitarrist der "Ärzte", Farin Urlaub (bürgerlich: Jan Vetter), gründete 2002 ein Sideprojekt namens "FARIN URLAUB RACING TEAM", mit dem er erfolgreiche Tourneen absolvierte und bislang zwei immens gefragte CD-Alben veröffentlichte. Am 05. Juni 2009 gastiert die "Punk-Big-Band", die - für das Genre Punk äußerst ungewöhnlich, aber genau daher mehr als nur faszinierend - mit zig Bläsern und diversen Backgroundsängerinnen/Percussionistinnen arbeitet, in der Stadthalle zu Rostock. Ein Dutzend MusikerInnen werden an jenem (hoffentlich) sommerlichen Freitagabend auf der Bühne stehen und ein gleißendes Feuerwerk in Sachen bläserbetriebenen Punks, Rocks und Reggaes abliefern. Dieses findet statt unter dem Motto der letzten (Doppel-)CD des "Farin Urlaub Racing Teams". Jenes musikalisch so rockig, wie lyrisch oft beißend ironisch ausgefallene Opus beinhaltet insgesamt 15 Titel, die stilistisch durchaus an Farins Haupt-Band "Die Ärzte" erinnern, aufgrund seiner vielköpfigen Begleitband jedoch häufig einfach fetter, draller, opulenter inszeniert sind. "Die Wahrheit übers Lügen" (Völker hört die Tonträger/Vertrieb: UNIVERSAL) - so der Titel des Albums - erschien bereits Ende Oktober 2008 und stieg kurz nach Veröffentlichung auf Rang 2 in die offiziellen "Media Control"-Listen ein. Noch heute, immerhin Ende Februar 2009, hält sich "Die Wahrheit übers Lügen" wacker in den Top 100. Der rasante, Schlagzeug-lastige Eröffner vorliegender CD, "Nicht im Griff", diente gleichsam als erste Singleauskoppelung, rockt heftig voran, operiert mit sachten Ethno-Elementen und erzielte im Herbst 2008 den 26. Rang der deutschen Singlecharts. Surreal, leicht bizarr, wird es im ultraschnellen Punkrocker "Unscharf", einer drastischen Ode an eine - im positivsten Sinne des Wortes - überaus merkwürdige Frau. Gibt es punkigen Jazz oder gar swingenden Gitarrenrock? Vor dem Hören des Farin-Urlaub-Titels "Gobi Todic" hätte ich diese Frage vermutlich verneint… Die treibende Geschichte des obskuren Halbwelters "Gobi Todic" aber hat mich eines besseren belehrt: Eine Klasse Nummer, die fraglos Singlequalitäten aufweist. "Seltsam" findet Farin, daß so viele oberflächliche Frauen, stilistisch im Big-Band-Punk-Sound gehalten, sich mit Pelzen bekleiden, ohne an das Leid derjenigen Tiere zu denken, die zur Herstellung dieser letztlich unnötigen Mäntel grundlos geschlachtet werden. Beißend ironisch wird's dagegen in der fetzigen Pop/Rock-Melange "Krieg": Hierin geht's um banalste Alltagserlebnisse, die schlicht und einfach für Wut und Haß des jeweiligen Protagonisten sorgen, was, vielleicht vollkommen unbeabsichtigt, zu (Textzitat) "Krieg in der Stadt / Krieg im Regal / Krieg auf den Straßen" führen kann. In einer mit feisten Gitarrenwällen ausgestatteten Mid-Tempo-Komposition, träumen Farin und sein "Racing Team" von einer obskuren Reise nach "Pakistan" (Songtitel), während "Niemals", eine knisternde Mixtur aus Balladeskem, dröhnenden Gitarren und nicht nur versteckten Hip-Hop-Fragmenten, ein klassisches Liebeslied des (nicht mehr ganz so) neuen Jahrtausends in bester Güteklasse darstellt - welches übrigens als zweite Single aus "Die Wahrheit übers Lügen" ausgekoppelt wurde und kürzlich locker in die Top 30 der "Media Control" einzog. Der dunkle, mystische Schleicher "Die Leiche" wäre vor 25 Jahren, zu Zeiten von "Debil" oder "Geschwisterliebe", vermutlich auf dem Index der "Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Schriften" gelandet - in dieser so liebenswerten, wie makaberen Ballade hat sich Farin Urlaub in textlicher Hinsicht mal wieder selbst übertroffen. Brodelnd, drastisch, beklagen Farin und sein "Racing Team" in "Monster" die Vermüllung der Formatradioprogramme mit süßlichem, schnellvergänglichem Mainstream-Pop der untersten Schublade. Doch dieses "Monster aus Rock" (Textzitat) dringt in ebenjene Rundfunkstationen ein und sorgt für ordentliche, laute, schnelle, krachende Musik - trefflich sarkastisch formuliert, endet dieser phänomenale Gitarrenrocker mit der niederschmetternden Textzeile "Happy End / Und im Radio läuft ein Lied von den Scorpions...". Ein erneut wundervoll ausgefallenes Liebeslied bietet "Atem", versehen mit verschrobenen, gleichfalls liebevollen Textzeilen, die einem Heinz Rudolf Kunze nicht punktgenauer hätten einfallen können; philosophisch erklingt hingegen der temporeiche Punkrocker "Karten", mit dem die erste ("große") CD von "Die Wahrheit übers Lügen" kongenial, aufpeitschend und zugleich versöhnlich endet. Die beigefügte "Kleine" CD präsentiert vier Lieder, die musikalisch weniger im Punk oder Rock, als vielmehr im Reggae und anderen südamerikanischen Stilistiken verhaftet sind. Positive Energie verstrahlt etwa der mit freundlichen Bläsern und frechen Frauenchören ausstaffierte, augenzwinkernde Pop-Reggae "I.F.D.G." (= "Ich find das gut"); ebenso fröhlich, sommerlich, südamerikanisch geht es in der bissigen Revolutionsparodie "Zu Heiß" zu. Hintergründig gerappt, wird im funkigen Reggae-Rap-Verschnitt "Insel", radikalen, punkigen Ska-Samba vernehmen wir schlußendlich im rasenden "Trotzdem". "Die Wahrheit übers Lügen" ist zweifellos eine profunde Produktion geworden, die sowohl uns 80er-Kinder anspricht, als auch die nachgeborenen Teenies, welche "Die Ärzte" bzw. "Farin Urlaub Racing Team" erst vor kurzem kennen und lieben gelernt haben. Der Verfasser dieser Zeilen hofft sehr, viele junge Leute (gerne hübsche Mädels g*), wie auch Altersgenossen, so um Mitte 30, am 05. Juni 2009 in der Rostocker Stadthalle antreffen zu dürfen. Farin, singend an der Gitarre, fünf attraktive Backgroundsängerinnen und vier männliche Bläser… auf dieses garantiert unwerfende Konzert freue ich mich schon heute sehr! Bitte beachtet auch: www.farin-urlaub.de |