Freygang live im "Waschhaus" zu Potsdam am 23. April 2010


Bericht: Rüdiger Lübeck
Fotos: Rüdiger Lübeck





Nach dem plötzlichen Tod ihres "Kapitäns" André Greiner-Pohl (AGP) im Dezember 2008 stellte sich die Frage nach dem Fortbestand einer Band, die in ihrer langen, von Bewegung und Verboten gezeichneten Geschichte wie kaum eine Zweite zum Inbegriff des unbequemen Polit-Punk'n'Roll made in G.D.R. avancierte. Und die Band selbst war es, die darauf trotz Trauer und Sprachlosigkeit ob des schmerzlichen Verlustes vergleichsweise schnell eine Antwort fand, ja finden musste. Die aktuelle Besetzung war (und ist!) eine stabile - schließlich rockten Tatjana Besson (bg, voc), Brian Bosse (git, voc), Egon Kenner (git, voc) und Maik Smolle Smolarczyk (dr) bereits seit mehr als zehn Jahren gemeinsam mit AGP um die Häuser. Die sich nunmehr "Freygang-Band" nennende Formation soll es demnach jedenfalls noch solange geben, wie diese die Verantwortung für das Schaffenswerk trägt und das gemeinsame Musizieren einander freut.

Inwieweit letzteres noch der Fall ist, sollten sich am vergangenen Freitagabend die Potsdamer Freunde der gepflegten Unterhaltung auf dem Kultur-Areal Schiffbauergasse überzeugen. Die letzte Stippvisite der Band - seinerzeit noch im Lindenpark - lag schon mehr als zwei Jahre zurück. Das Konzert begann dann auch mit einer fetten Stunde Verspätung - offenbar dem Umstand geschuldet, dass sich die Räumlichkeiten des Waschhauses zunächst nur zögerlich füllen wollten, dann aber auch taten. Zudem hatte man neben dem zweiten (!) Bassisten Andreas Kick, der allerdings zuvorderst in die Tasten hauen sollte, einen frischen Silberling im Gepäck. "Orange" heißt er; fünf Songs darauf entstanden noch unter Beteiligung von AGP. Und sie rockten los wie eh und je, als wäre nichts passiert. Vom dominanten Bummerbass Tatjanas angetrieben, unglaublich laut, kraftvoll, dynamisch. Es gab keine anderenorts in geradezu erbärmlicher Regelmäßigkeit übliche Vorwärmzeit, um die Anhängerschaft aus dem Tiefschlaf heraus zu mobilisieren. Natürlich war das neue Album vorzustellen, natürlich war an alte Zeiten zu erinnern. Keine Frage - die Übergänge, sofern man sie denn wahrnehmen konnte, waren fließend - wenn überhaupt dann festzumachen an der Textsicherheit des tanzenden Publikums. Und so klangen denn auch der legendäre "Bewaffnete Blues" oder Brechts "Resolution der Kommunarden" vom Erfolgsalbum No.9 wie ehedem mit AGP - Tatjana und auch Brian gaben dessen Parts mit Authentizität und souverän. Apropos Brecht: Im Zugabenteil dann (endlich!) ein dezenter Gruß gen Himmel mit dem "Kanonensong"...

Der Kapitän hat das Schiff verlassen und macht jetzt den Himmel unsicher... worauf Ihr einen lassen könnt!




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