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Rainald Grebe live in Jena am 14. August 2011
Bericht: Holger John Fotos: Holger John
Nach WIR SIND HELDEN nun der zweite große Paukenschlag: RAINALD GREBE & DAS ORCHESTER DER VERSÖHNUNG in der KulturArena in Jena. Und das gleich zweimal. Nach rekordverdächtigen Ticketausverkauf musste ein Zusatzkonzert her. Auch diese Plätze hielten dem Andrang nicht Stand und waren in kürzester Zeit vergeben. RAINALD GREBE - Kabarettist, Schauspieler, Liedermacher und nicht zuletzt Autor. Jahrelang sang er allein am Klavier. Dann tourte er im Trio mit der Kapelle der Versöhnung. Jetzt kam er mit Orchester an seine alte Wirkungsstätte. Wobei dieser Klangkörper natürlich kein normales Orchester sein kann und Grebe kein Impresario mit Schal und Taktstock. Ein schäbiger, pompöser, pathetischer Zirkus soll es werden, sagte Grebe. Und ich wusste es: Es wurde zum Heulen schön. RAINALD GREBE ist ein Fixstern. Ein Ausnahmekünstler. Seine Programme gehören definitiv zum besten, intelligentesten und nicht zuletzt zum komischsten, was man derzeit auf deutschen Bühnen erleben kann. Geboren 1971 war irgendwie klar, dass aufgrund seiner bildungsbürgerlichen Prägung nichts völlig Unintelligentes mit ihm passieren würde. Was er, nach einem kurzen Abstecher als freier Künstler nach dem Zivildienst an der staatlichen "Ernst-Busch-Akademie" für Schauspielkunst als diplomierter Puppenspieler unter Beweis stellte. RAINALD GREBE ist der Ossis liebster Wessi. Und umgekehrt. Ein Phänomen. Von wegen Vereinigung, von wegen Versöhnung, es lebe der kleine Unterschied! Und den findet RAINALD GREBE mit untrüglichem Spürsinn in jeder noch so weichen Heimatseele. Kaum hat sich ein Bild verfestigt und scheint die richtige Schublade gefunden zwischen Schauspieler/Dramaturg/Puppenspieler/Komiker/Autor/Musiker etc., steht schon ein neuer RAINALD GREBE auf irgendeiner Bühne und zeigt uns die beständige geniale Unbeständigkeit. Es ist deshalb auch nur reine Melancholie, dem Puppenspieler Grebe nachzutrauern, der mit Möhren und Mixern gewaltigste Infernos entfachte, dem Komiker Grebe, der in den 1990ern den frühen Quatsch Comedy Club im TV mitprägte, oder dem Schauspieler und Dramaturgen Grebe, der genau hier am Jenaer Theaterhaus herrliche Jahre mitgestaltete.
Unberechenbar in seiner Ideenfindung, genial in ihrer künstlerischen Umsetzung, eigenwillig einmalig in deren Präsentation zeichnen seine komisch-maskierten Lieder ein Befindlichkeitsbild des Landes und seiner Menschen. Für die perfekte Umsetzung sorgt das Orchester der Versöhnung mit illustrer Besetzung. "Ich will kein normales Orchester, wo ich vorne im Rampenlicht stehe und hinten dudelt die Belegschaft die Soße dazu. Jeder einzelne ist wichtig. Und unberechenbar. Der Bassist spielt auch Alphorn. Der Drummer rezitiert aus dem Alten Testament. Der DJ kann eh alle ersetzen, weil er das ganze Orchester im Laptop hat." Auf dem Weg nach oben angekommen, schaut RAINALD GREBE - der Mann, der alltägliche, volksnahe und immer auch aktuelle Themen auf seine bizarre und eigene Art und Weise zugänglich zu interpretieren vermag - zurück. Der Mann, der politisch wie menschlich genauso weit links wie unten zu verorten ist, muss sich so langsam mit den Sorgen des kleinen Mannes nicht mehr herum schlagen. Von Luxusproblemen geplagt - die sind schließlich besser als gar keine - isst er sogar von demselben Buffet wie die Kritisierten. Auch wenn die sich selbst wohl ein Stück weiter oben auf der Leiter sehen. Umso wohltuender und sympathischer ist es, dass dieser geniale Künstler gern auch in kleineren, wie er selbst sagt "merkwürdigen Butzen" spielt. Das ist mehr als gut so. Ach ja: Herzlichen Glückwunsch RAINALD GREBE. Der Herr, Gewinner vieler Preise wie des Prix Pantheon, des Deutschen Kleinkunstpreises sowie des Bayerischen Kabarettpreises, wird nämlich runde vierzig. Voll geballter Erwartung marschierte ich am Samstag zur Arena. Mit großer Zufriedenheit und Begeisterung verließ ich diese. Was für ein toller Abend! Ein Arenafest mit Kultcharakter. Ja, ein Großmeister war in der Arena. Das Orchester der Versöhnung sind: Rainald Grebe, Martin Brauer, Marcus Baumgart, Buddy Casino, Serge Radke, DJ Smoking Joe |