Hans die Geige live in
Ottendorf Okrilla am 28.11.2008




Bericht: Petra Meißner
Fotos: Matthias Meißner




Wenn man 13 Jahre oft und regelmäßig zu Hans die Geige geht, kann einen nichts mehr wesentlich überraschen... hab ich gedacht. Und wieder mal kam Alles anders, aber das ist ja das Spannende am Ostrockbesuch, keine Stars und Sternchen, die sich in Selbstdarstellung üben sondern solide Handwerker mit immer neuen Baustellen.
Die Baustelle in Ottendorf Okrilla im alten Teichhaus war sehr klein und überschaubar, aber das machte auch den Reiz aus. Der Herr Rockgeiger hatte ganz neue Seiten (oder Saiten?) aufgezogen, absolute Spielfreude und ein überaus trickreiches Geigenspiel. Dinge wie den Bogen zwischen den Zähen, Geige als Gitarre umfunktionieren und andere Spielchen, das macht eben in der Perfektion nur der Hans, und ich glaube es ist sein Verdienst, dass die an sich rockuntypische Geige auch für ein klassikfernes Publikum interessant gemacht wird. Diese Schiene hat er seit dem Sommer 2007 auch noch wesentlich ausgebaut. Und ob da 30 oder 300 im Saal sind: er gibt alles. Ich glaube, das hat auch was mit Respekt vor dem Publikum bei ihm zu tun.
Als erstes fiel mir die neue Bühnendeko auf, es passte in das Alte Teichhaus wie dafür maßgeschneidert. Aber ich denke mal, große Ereignisse in Berlin werfen ihre Schatten voraus und wir durften die Premiere des neuen Outfits erleben. Steht ihm aber wirklich gut. Aber auch Hans selbst erschien in feinem Zwirn, dem festlichen Rahmen angepasst, der Veranstalter hatte sich was Weihnachtliches gewünscht. Und dann lagen da noch Noten, völlig ungewöhnlich, aber des Rätsels Lösung: es war ein neuer Instrumentaltitel, den er in Ottendorf ausprobierte. Hans hat ja gerade seine "Best Of"-CD zum 35.Geburtstag rausgebracht und schreibt schon wieder für einen neuen Silberling.
Von vielen Bands hört man immer: "Neue Scheiben? Das wird nichts, das geht nicht, das bringt nichts, das will keiner", usw. Aber Hans die Geige macht eben einfach.
Er brachte einen Querschnitt durch das Rockgeigerschaffen, ich glaube es war für Jeden was dabei. Die Fans freuen sich immer, wenn er als singender Geiger brilliert. Mit dem Lied "Unsere Zeit" hat er dem Ostrock ein Denkmal gesetzt.
Der Mike Oldfield-mäßige Titel "Nacht" hatte es mir diesmal angetan. Aber auch der Humor kommt bei ihm nicht zu kurz, denn er versteht es, kurzweilig mit dem Publikum zu plaudern. Seine Ansagen sind immer etwas anders, vorgefertigte Statements gibt es bei ihm nicht, so wird es Viel-Konzertgängern nicht langweilig.
Viel zu schnell war das Konzert vorbei, ohne reichliche Zugaben kam Hans nicht von der Bühne. Wie oft bei seinen Auftritten verabschiedet er sich mit Handschlag von den Zuschauern. Er zeigt auch immer wieder mal, dass er auch ohne aufwändige Technik spielen kann und das sind dann für mich die Highlights, wenn er einfach so zur Geige greift, und - wie eben diesmal - weihnachtliches improvisiert.
Am 29.12.08 feiert Hans Wintoch sein 35. Bühnenjubiläum mit einem Konzert im Kesselhaus in Berlin. Eingeladen dazu hat er IC Falkenberg, Tino Eisbrenner, Thomas Schmidt von MTS, Dirk Zöllner, Stamping Feet, Bernd Römer, Stefan Trepte und viele andere Ostkünstler. Eine derartige Ostrockdichte wird man selten finden, und ich freue mich schon sehr darauf, da diese Gäste sicher auch das eine oder andere Ständchen bringen werden.




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