HELGE SCHNEIDER live im "Admirals-
palast" zu Berlin am 21. April 2011



Bericht:
Hans-Jürgen Maas

Fotos:
www.helge-schneider.de





Im Dezember rief der große Meister bereits zu einer "Fressekompetenz", um sein neues Programm "Buxe voll" und die damit einhergehende Tournee, vielmehr sein mehrtägiges Gastspiel im Berliner Admiralspalast zwischen dem 31. März und dem 24. April 2011, näher vorzustellen. Helge Schneider, der Mann für den "diffizilen" Humor und seine Umsetzung auf der Bühne, im Film und auf Schallplatte, rief, und die interessierte Presse eilte heran. Als Präsident mit Cowboyhut und Lederjacke (und mit "JeansBUXE") erschien er zu seiner selbstinszenierten Werbeveranstaltung im Admiralspalast, wo das Programm ein gutes Vierteljahr später erst zur Aufführung gebracht werden sollte. Sein Rednerpult war von einer "Osterhasen-Flagge", einer deutschen, zwei amerikanischen und einer türkischen (!) Flagge umstellt. Dass es letztlich bei dieser "Fressekompetenz" überhaupt nicht um sein neues Bühnenprogramm ging, störte am Ende niemanden. Es gab trotzdem viel zu Sehen, zu Lachen und zu Staunen. Die Veranstaltung erfüllte trotzdem ihren Zweck, denn die Tour und die Daten notierte man sich fett in seinem Kalender...

Nun war es also soweit. Am Donnerstag den 21. April tat ich mir freiwillig das neue Programm des Meisters an und war mir auch ohne vorherige Konsultierung eines Facharztes oder Pharmazeuten sämtlicher Risiken und Nebenwirkungen durchaus bewusst. Wenn ein 55-jähriger Mann am Vibraphon das Kinderlied "Alle meine Entchen" spielt und das Publikum damit auch noch in Verzückung versetzt, dann weiß man: das kann nur ein Helge Schneider-Auftritt sein! Das ist schon erstaunlich wenn man überlegt, dass das Publikum für so einen "großen" Moment Geld gezahlt hat, und es ihnen nicht einmal leid tut. Ein gut aufgelegter Musiker, verstärkt durch seine Mitarbeiter Sandro Giampietro an der Gitarre, Willi Ketzer am Schlagzeug und den 76-jährigen (!) Rudi Contra am Bass, betrat die Bühne des ehrwürdigen Admiralspalastes. Aber er hatte auch wieder Sergej Gleithman, der ein ums andere Mal mit lustigen Tanzeinlagen für Kurzweil sorgte, und seinen Tee-servierenden Assistenten Bodo mit dabei.
Der Multiinstrumentalist Helge Schneider konnte im Verlauf des Abends ein ums andere Mal mehr als eindrucksvoll unter Beweis stellen, wieviele Musikinstrumente er beherrscht und was er auf ihnen im Stande ist zu Zaubern... Im Vordergrund standen natürlich die Musik und Helges typischer Humor, mit dem er ohne Probleme einen ganzen Abend bestreiten kann und dies auch tat. Es ist immer schwer, bei Helge vom Programmnamen auf den sich dahinter verbergenden Inhalt zu schließen. Schließlich ahnt ja auch niemand, dass hinter dem Titel "Bonbons aus Wurst" eine Biographie stecken könnte (Kiepenheuer & Witsch Verlag, 2009). Seine Programmnamen und Titel seiner Publikationen (egal ob als Buch, auf CD oder Video) haben selten bis gar nichts mit dem zu tun, was man letztlich zu sehen, lesen oder hören bekommt. Aber das ist stets auch die große Überraschung und der Reiz, den allein schon die Ankündigungen eines neuen Tonträgers oder Konzertreise ausstrahlen.

Manche Songs und Stellen im aktuellen Programm sind doch etwas zu lang geraten. "Hätten wir wieder etwas Zeit überbrückt", sagt er schon nach dem Eröffnungstitel, doch das passiert im Verlauf des Abends leider noch öfter. Aber diese kleinen Makel an einem ansonsten sehr lustigen Abend verzeiht man Helge doch gerne. Er entschädigt das mit anderen Dingen. Seine Witze sind anders, sein Humor speziell und die Umsetzung stellenweise unerwartet, und das gibt's eben NUR bei Helge Schneider. Seine Definition von Humor teilen offenbar sehr viele Menschen - wie auch an diesem Donnerstag im Admiralspalast anhand der gut besuchten Veranstaltung zu sehen war. Über eben diesen Humor verkauft Helge Schneider seinem Publikum ganz nebenbei eine Musikart, die vielleicht "pur" nicht ganz so viele Konzertbesucher anlocken würde, nämlich den Jazz. Die Musik nimmt im aktuellen Programm (aber auch in anderen, bisher gesehenen Programmen von Helge Schneider) - wie schon erwähnt - einen sehr großen Teil ein, und dass Jazz auch einem "genrefremden" Publikum Spaß machen kann, kriegt Schneider spielendleicht hin.
Man merkt es an der Begeisterung der Sitznachbarn neben sich und in den Reihen davor. Es beweist aber auch, dass die Musik ganz sicher auch ohne den Klamauk und die Albernheiten eines Helge Schneider prima funktionieren würde, ließe man sich nur einfach mal darauf ein. Aber Jazz muss nicht immer ernsthaft sein - das lehrt uns der Hauptdarsteller von "Buxe voll" mit seinem Programm aber nur im Nebensatz. Was aber offenkundig ist, ist die Tatsache, dass Helge Schneider richtig viel Spaß an dem hat, was er da auf der Bühne präsentiert. Er ist ein großartiger Musiker und Faxenmacher, ein Virtuose an den von ihm bearbeiteten Instrumenten. Das in Verbindung mit seinem Repertoire an Witzen, Stimmen, Mimik und spontanen Ideen ist das Gesamtpaket das man bekommt, wenn man sich ein Ticket für Herrn Schneiders Konzertabend kauft. Das ist große Kunst und absolut beeindruckend, was da von der Bühne in den Zuschauerraum transportiert wird. Aber das ist für Kenner nicht wirklich eine Neuigkeit, oder? Der vergangene Donnerstagabend war insgesamt eine bunte und abwechslungsreiche Mischung aus altbekannten und neuen Liedern, gewürzt mit lachmuskelstrapazierenden Einlagen á la Helge Schneider. Fan-Herz, was willst Du mehr?

Nach etwa 2 Stunden - gefühlt waren es 4 - und der letzten vorgetragenen Nummer, steht das Publikum auf den Beinen und spendet dem Künstler und seinen Begleitern Standig Ovations. "Zugabe"-Rufe sind zu hören. Wieder einmal zeigte uns Helge, dass er ein vielseitig begabter Künstler ist, der Musik nahezu perfekt mit Humor verbinden kann. Wer Helge Schneider heute noch immer nur auf "Katzenklo" oder den Film "Texas" reduziert, tut dem Mann Unrecht. Das von uns besuchte Event war ein tolles Erlebnis mit einem der besten Komödianten unseres Landes.