Peter Heppner live am
06. Februar 2009 in Berlin

(Support: "Moonrise" aus Hamburg)

Bericht: André Serfas
Fotos: André Serfas





Peter Heppner live in Berlin - oder wie unterscheidet man Spatzen von Nachtigallen?
Das ist schon wieder 10 Jahre her. Kinder wie die Zeit vergeht. Damals war ich noch in der Lehre. Es war, wie es so jede Zeit an sich hat, eine Zeit mit Höhen und Tiefen. Das Spectators Album von Wolfsheim lief bei mir im Player rauf und runter. Besonders über die Tiefen half es mir oft hinweg. So hatte ich meine ganz persönliche Beziehung zu den elektronisch, melancholischen Klängen von Wolfsheim und natürlich zur unverwechselbaren Stimme von Peter Heppner. Live sah ich Markus Reinhardt und Peter Heppner dann in der Arena in Berlin. Das war 1999.
Seither hat sich einiges getan. Neue Musik fütterte meinen Player und war fortan für Höhen und Tiefen zuständig. Um Wolfsheim wurde es ruhig. Nur Peter erschien mit einer gewissen Regelmäßigkeit und unterschiedlichsten Projekten in den Charts. An "Die Flut" mit Joachim Witt erinnert ihr euch sicher. Die Jungs von Schiller stellten mit ihm "I feel you" und "Dream of you" auf die Beine. "Wir sind wir" mit Paul van Dyk erschien 2004. Wenn ich meinen Recherchen im Internet glauben schenken darf, war wohl Peters aktuelles Soloalbum, welches auch "Solo" heißt, der Anlass für die Trennung von Wolfsheim.
Letzten Freitag war ich nun zu Gast bei Peter Heppner Solo Tour. Ich freute mich riesig darauf und war entsprechend viel zu früh da. Das Konzert wurde aus mir nicht bekannten Gründen von der Columbiahalle in das Kesselhaus verlegt. Na gut, da kann ich entspannt hin laufen und muss nicht durch die ganze Stadt. Wegen der handvoll Leute, die vor dem Eingang warteten spekulierte ich, daß eventuell die Columbiahalle nicht voll geworden wäre, oder aber es musste eine Ausweichlocation her, da sich im Vorfeld einige Tourdaten verschoben hatten. Ganz offenbar war dann letzteres der Fall, denn das Kesselhaus platzte zum Konzertbeginn aus allen Nähten.
Die Fans waren bunt gemischt und die Stimmung äußerst gut. Das Setup auf der Bühne mit Schlagzeug und Gitarren ließ vermuten, dass Peter doch nicht so Solo unterwegs ist, wie es der Tourname glauben lässt. Ich war also gespannt darauf, was sich soundtechnisch über die Jahre getan hat.
Pünktlich ging es los mit Moonrise. Die Jungs aus Hamburg um Frontmann Timo fahren einen breiten Sound in Richtung Gothic/Rock mit einer Mischung aus englischen und deutschen Texten. Nach ihren Angaben begleiten sie Peter nicht auf der ganzen Tour, sondern ausschließlich auf dem Konzert in Berlin. Dass sie überhaupt mit dabei sind ist nicht ganz zufällig. Zu Heppners Solo Album erschien eine limitierte Fanedition, auf der der Song "Vorbei" als Remix mit Moonrise zu finden ist. Auf jeden Fall sollte man die Jungs im Auge behalten.
Eine Dreiviertelstunde später hieß es dann "Hallo, ich bin Peter und das ist meine Band". Die Band sind zwei Keyboards und zwei Labtops bedient durch Lothar Manteufel und Dirk Riegner. An den Drums sitzt Achim Färber und die E-Gitarre spielt Carsten Klatte, der auch schon für Goethes Erben und Project Pitchfork die Gitarre in die Hand nahm. Wahrscheinlich ist es diese Zusammenstellung, die die Songs etwas dynamischer und rockiger klingen lassen. Viel hat sich sonst nicht verändert. Die Textmappe ist wieder mit dabei, das Notenpult, eine Hand am Ohr, die andere am Mikro. Peter wirkt professionell aber auch ein bisschen schüchtern. Dabei müsste er das gar nicht. Immerhin hat er in seiner Karriere so ziemlich alles an deutschen Musikpreisen abgeräumt, was es abzuräumen gibt. Wahrscheinlich lieben ihn seine Fans aber genau deswegen. Er ist authentisch. Keine Show, keine Schnörkel. Nur Musik. Es ist dabei immer wieder spannend, wie Fans mit ihrer Begeisterung in der Lage sind dem Akteur auf der Bühne die Anspannung zu nehmen und ihn Gefühle zeigen lassen, die zu noch größeren Begeisterungsstürmen führen.
Peter lässt sich auf seine Fans ein und das macht seine Konzerte so besonders. Gespielt werden natürlich Songs von der neuen Scheibe aber auch die alten Stücke kommen nicht zu kurz. "Die Flut", "Once in a lifetime", "I feel you", "Dream of you"... es ist alles dabei. Eine Art "Best of" aus den letzten Jahren und... ich kann die Texte immer noch mitsingen! Ok, hin und wieder hat es schon arg geklemmt, aber mir war es egal, und den Leuten um mich herum offenbar auch.
Die Band spielt zwei Zugaben. Welche Titel da noch so kommen sei an dieser Stelle nicht verraten. Noch ist die Tour ja nicht zu Ende und noch gibt es Gelegenheit einen der verbleibenden Termine wahr zu nehmen. Vielleicht klärt sich ja dann auch Eingangs gestellte Frage. Ornithologe muss man dazu ganz sicher nicht sein.




Foto Impressionen:



Vorband: "Moonrise"








Der Haupt-Act des Abends: Peter Heppner