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Bericht: Hanni Möller Fotos: Hanni Möller, off. Pressematerial
Es gibt diese Tage, diese Momente, wo plötzlich eine neue Dimension aufgeht: in der Welt oder nur in einem selbst. Manchmal dauern sie einige Sekunden, manchmal mehr. Dieses Mal dauerte solch ein Moment knapp 3 Stunden, wobei: die ersten Sekunden genügten eigentlich auch für das, was einen traf und nicht mehr los ließ. Und so wollte man sie mitnehmen: Gitarren wie vom anderen Stern. Gitarren, die einen ganz oben in die Kiste greifen lassen im Vergleichesuchen, wo man mehr an Clapton oder Gilmour denkt als an alte Zeiten, die in liebenswerten aber weit entfernten BAP-Spuren hätten daher kommen können. Denn die
BAP-Verbindung war noch in mir aus Kölner Zeiten, nur wusste und spürte ich, daß da eine weite Schere aufgegangen sein muß zwischen dem, was ein überall daher plappernder Möchtegern-Dylan und einen dann doch musikalisch tiefer fühlenden Hut-Träger mittlerweile ausmacht.
Um den Abend dann noch etwas konkreter zu beschreiben, statt nur in begeisterten Worten ein subjektives Gefühl nieder zu schreiben, hier noch einige „Eckdaten“: die Location im Duisburger “Hundertmeister“ ist ein wirklich warmherziges Plätzchen für einen musikalischen Abend mit Nähe zum Publikum und dem ein oder anderen gesprochenen Austausch zwischen „oben und unten“. Leider war es das letzte Konzert dort wegen des Insolvenzverfahrens des Clubs – plus einer noch stattfindenden Disco für den Abend im gleichen Raum, was sehr irrwitzig anmutete und dem Ganzen auch den zeitlichen Rahmen gab, bis 23:00 Uhr die komplette Musik-Bühne wieder eingepackt zu haben. So begann das Konzert pünktlichst um 20:00 Uhr vor gefüllten Stuhlreihen, die ca. 80 Plätze hergaben, plus vielen Stehtisch- und Barplätzchen... Kaum einer im Raum mag unter 30 gewesen sein, was wohl auch dazu beitrug, daß das Publikum für sich im Kontext mit der Musik ein angenehmes Drumherum bot, wo der letzte Gitarrenzupfer eines Stücks zu hören war und man sich nicht unnötig von Feuerzeuglichtern oder nervigem Rumgequatsche während der Songs gestört fühlen musste. Die Begrüßung durch Richard Bargel begann mit einem netten und einfachen „Schön, daß Ihr so zahlreich erschienen seid.“ Wonach sich dann zunächst einige kleinere Geschichten zu den Umständen des Tages anschlossen, die die Band zuvor erlebt hatte (u.a. Polizei im Haus & eine Anzeige wegen Körperverletzung, was aber eigentlich mehr als abwegig war ...und auch ein Verstärker gab bereits den Geist auf). Irgendwie setzte sich der kleine Wurm im Laufe des Konzerts fort, wo nach dem dritten Stück ein weiterer neuer Verstärker hergeholt werden musste, das aber dazu führte, daß Richard Bargel kurzzeitig allein die Bühne füllte und er das liebenswert ruhig mit einem Versuch eines Gedichts ansetzte, das er stückchenweise über eine lahme Taube erzählte... Auch im gesprochenen Wort glänzte seine tiefe bassige Stimme mit all den Details, die man so in eine Stimme legen kann, und dann natürlich in den Liedern und deren Zeilen wie „Baby I would die for you“, „Me and the devil Blues“ oder „Bad bad Whiskey“. Das allein zieht einen schon mächtig in den Bann. Und so wurde auch der sprachliche Rahmen um jeden Song kurzweilig, der aus netten, aufgeweckten, humorvollen, kurzen Einlagen von Heuser & Bargel gebildet wurden, denen man sehr, sehr gerne zuhörte. Da wurde von Displays für Ältere (dem Modell „Korg Ü60“) erzählt, womit sie ein wenig mit ihrem Alter um die 60 kokettierten; Kritik geübt am OB Sauerland; oder etwas länger über ihr Konzert im letzten Jahr im Bochumer Gefängnis erzählt. Dabei bekam man eine gute Vorstellung davon, daß auch solche ehrenvollen Auftritte wohl nicht mehr das sind, was sie in Johnny-Cash-Zeiten mal waren, und Knackis in modern herunterhängenden Hosen mehr gelangweilt in Konzert-Stuhlreihen sitzen, so daß der Verdacht aufkommt, daß die Sehnsucht nach RTL2 bei ihnen größer ist als jeder Gitarren-Riff live vorort.
Ich war sehr beseelt auf dem Heimweg, neue CD unterm Arm und freute mich über diese neue Dimension, die mich hier also erreicht hatte: ein Leben ohne Musik von Bargel-Heuser gibt es nun nicht mehr, und die kommenden Konzerte werden mir bestimmt noch mal eine Gelegenheit zu einem weiteren Besuch geben. Wie ich es auch sonst allen nur empfehlen möchte: geht hin!!!! Und vielleicht ein Hinweis auf die zurzeit aktuelle Live-CD der Band: das klingt schon gut darauf, aber in dem Jahr, was zwischen Aufnahme und Konzert hier und heute liegt, tat sich noch einmal ein Sprung, und direkt live dabei war dann nochmals um x-Längen besser. Also: nicht verpassen. Viele Live-Termine gibt es bereits bis 2012.
Fotoimpressionen:
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