Die Toten Hosen live in der
Arena Chemnitz am 22.11.2008





Bericht: Stephanie Althaus
Fotos: ./.




Die Anreise zum Konzert in Chemnitz war nicht einfach, es war sogar eher, als wenn mich Petrus unbedingt daran hindern wollte, das Konzert zu besuchen. Doch die 250 Kilometer Anreise von Nürnberg nach Chemnitz (durch Schneechaos, bei schlechter Sicht) sowie das Anstehen vor der Halle in der Kälte haben sich gelohnt.
Vom Einlass um kurz vor 19:00 Uhr bis zum Beginn des Konzerts um 20:00 Uhr haben mein Bruder und ich uns am Rand sitzend angesehen, wie die Halle langsam voller wurde. Das haben wir jedoch gar nicht mal so dramatisch eingeschätzt, denn auch noch um kurz vor 20:00 Uhr konnten wir einen guten Stehplatz ergattern.
Pünktlich um 20:00 Uhr hat Breiti dann die Vorband angekündigt: eine norwegische Hardrockband namens Bloodlights. Die waren nicht weiter besonders, weder besonders gut, noch besonders schlecht, und meines Erachtens hat die Musikrichtung einfach nicht zu den Hosen gepasst, weshalb auch nicht wirklich Stimmung aufkam. Eher haben alle darauf gewartet, dass die Hosen anfangen. Bezeichnend dafür war auch, dass der größte Jubel ausbrach, als "Überraschung" Vom Ritchie auf die Bühne kam und einen Song der Vorband am Schlagzeug begleitet hat.
Nach einer halben Stunde hat die Vorband dann auch aufgehört, und nach einer weiteren halben Stunde Bühnenumbau kamen dann um 21:00 Uhr endlich die Toten Hosen auf die Bühne und begannen mit dem ersten Song ihres neuen Albums, "Strom". Und unter Strom stand auch gleich die gesamte Halle, so sehr, dass man aufpassen musste, dass man von wild umherhüpfenden Menschen nicht umgehauen wurde, ...so sehr, dass man die Arme nah am Körper halten musste, um Ellenbogen in Magen und Lunge zu vermeiden. So ging es dann die ersten drei Lieder lang, bis Campino seine erste "Ansprache" hielt. Dort sprach er davon, dass die Fans sich gegenseitig aufhelfen sollen, wenn jemand hinfällt, und daraufhin wurde es bei den nächsten Songs auch zunächst etwas ruhiger, nur noch vereinzelt wurde man geschubst.
Da wir sehr weit vorne standen, war der Blick auf die Bühne gut, und die Leinwände, auf denen die Bühnensicht teilweise bereits bearbeitet (schwarz-weiß, Perspektivenwechsel etc.) übertragen wurde, waren nicht unbedingt notwendig. Die Stimmung war wirklich klasse und eigentlich konnte man das gesamte Konzert mitsingen. Was mir gut gefiel, war die Mischung aus neuen und älteren Liedern, die wirklich sehr ausgewogen war.
Nach etwa einer Stunde kam dann "Freunde", ein eigentlich typisches Schlusslied, welches auch entsprechend zelebriert wurde. In Wirklichkeit nahm die Band das jedoch nur zum Anlass um sich umzuziehen; die Bühne wurde etwas umgebaut und dann kam Campino wieder heraus und verkündete, dass er angesichts der Tatsache, dass ja Samstag Abend sei, genau so gut noch etwas bleiben könne (trotz des schlechten Biers, vor dem er gewarnt hatte, gerade, als wir uns zum Getränkestand durchgekämpft hatten; nur gut, dass wir eh Zitronenlimonade trinken wollten...). Wenn "wir nichts dagegen hätten", sei nun Halbzeit. Wir hatten natürlich nichts dagegen.
Zu Beginn dieser zweiten Halbzeit kamen dann auch Esther Kim und Raphael Zweifel auf die Bühne, welche bereits vom Unplugged-Konzert im Wiener Burgtheater bekannt sind. So wurden auch entsprechend ruhigere Stücke gespielt; mit Esther am Piano, Raphael am Cello und akkustischen Gitarren. Berührend war "Tauschen gegen dich", das vorletzte Lied vom neuen Album, zuvor noch nie live gespielt. Hier kam, wie zuvor schon bei "Steh auf wenn du am Boden bist", richtig Gänsehautstimmung auf. Direkt danach kam der Klassiker aller Hosen-Trinklieder, "Eisgekühlter Bommerlunder" mit Campino an der Trompete. Danach verschwanden Esther, Raphael und die akkustischen Gitarren wieder und es ging weiter mit einem Medley aus Klassikern wie "Schwarzwaldklinik", "Opelgang" oder "Liebesspieler". Hier passierte es mir auch das erste Mal, dass ich ein Lied nicht mitsingen konnte. Anschließend dann das "Bayern"-Lied, wo Campino dann ins Publikum sprang und etwa 5 Minuten lang stage-divend weitersang.
Und dann neigte sich mit dem Schlusslied aller Schlusslieder "Schönen Gruß und auf Wiedersehn" das Konzert endgültig dem Ende zu, und die Zugaben wurden eingeleitet, und zwar von Vom als Sänger, während Kuddel für ihn am Schlagzeug übernahm, mit seinem Worm Song. Danach (wieder in gewohnter Formation) kamen dann noch "Schön sein", "Bis zum bitteren Ende", "Zehn kleine Jägermeister" und "You'll never walk alone". Anschließend war das Konzert dann unter großem Jubel nach einer Gesamtlänge von 134:16 Minuten (ohne Vorband) endgültig zu Ende.
Und im Vergleich zum Stau beim Einlass und dem teilweise irrationalem Gedränge während des Konzerts kam man erstaunlich leicht und flüssig zum Auto, und da mein Auto als erstes vom Schnee freigekratzt war, kamen wir dann auch (im Schneckentempo), relativ schnell zum Hotel. Alles in allem also ein gelungener Konzertabend mit einer guten Mischung aus altem (Bayern) und neuem (Tauschen gegen dich), Quatschliedern (Bofrost-Mann), rockigen Songs (Hier kommt Alex) und nachdenklichen Liedern (Nur zu Besuch), wo keiner enttäuscht wurde.

Abschließend noch die gesamte Setlist:
Strom
Du lebst nur einmal
All die ganzen Jahre
Innen alles neu
Auswärtsspiel
Disco
Madelaine aus Lüdenscheid
Liebeslied
Alles aus Liebe
Wünsch dir was
Wir bleiben stumm
Bofrost-Mann
Cokane in my brain
Niemals einer Meinung
Alles was war
Nur zu Besuch
Steh auf, wenn du am Boden bist
Teil von mir
Pushed again
Hier kommt Alex
Freunde
The Guns of Brixton
Hand in Hand
Tauschen gegen Dich
Eisgekühlter Bommerlunder
Ertrinken
Medley
Bayern
Schoenen Gruss, auf Wiederseh'n
Worm Song
Schön sein
Bis zum bitteren Ende
Zehn kleine Jägermeister
You'll never walk alone