AC/DC-Rocknacht mit Dr.Kinski, BON
und Lapá am 21.12.2008 in Berlin




Bericht: Gundolf Zimmermann
Fotos: Gundolf Zimmermann




Zwei Ereignisse werfen ihre Schatten derzeit voraus. Da wäre zum einen das bevorstehende Weihnachtsfest und zum anderen die im nächsten Jahr in Deutschland anstehende AC/DC-Tour. Seit dem Jahr 2003, im Vorprogramm der Rolling Stones in Leipzig und am Hockenheimring, waren die Australier nicht mehr live in Deutschland zu erleben. Schon beim Kartenvorverkauf für die "Black Ice"-Tour von Angus Young & Co. überschlugen sich die Fans und die Tickets für die Hallenkonzerte waren binnen Minuten ausverkauft. Letzte Woche startete der Verkauf der Tickets für die Open Air-Shows. Auch hier gingen wieder viele Fans leer aus. Der Berliner Fritzclub hielt gestern als Trostpflaster oder Vorgeschmack ein Schmeckerchen für die Liebhaber von AC/DC bereit: eine AC/DC-Rocknacht, bei der die Bands BON und Dr. Kinski den Australiern ihren musikalischen Tribut zollten. Diese Veranstaltung wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.
Also machten wir uns zu dritt auf den Weg nach Berlin. Am Fritzclub im Postbahnhof kamen uns hunderte Menschen in Trikots und mit Schal der Berliner Eisbären entgegen, die aus der O2 World-Arena strömten. Berlins Eishockey-Club hatte gerade sein Spiel gegen die Adler Mannheim nach Penalty-Schießen mit 2:3 vergeigt. Der Einlass am Fritzclub verzögerte sich und wir wurden langsam ungeduldig. Dann ging es endlich rein und man löhnte für eine Karte 25 Euro an der Abendkasse. Meiner Meinung nach war dieser Preis ganz schön heftig. Aber was solls, ist ja bald Weihnachten und man gönnt sich ja sonst nichts ;-).
Gegen 19.00 Uhr eröffnete die Band Lapá aus Zeuthen (http://www.lapa-rockt.de) den Abend. Die drei Männer und die Frau am Bass/Gesang machten ihre Sache richtig gut. Mit eigenen englischsprachigen Songs und ein paar internationalen Liedern rockten sie den Fritzclub ordentlich warm. Bassistin Dominique Bredow und Gitarrist Eric Bredow teilten sich die Gesangsparts, was zur Folge hat, dass Lapá sehr interessant und abwechslungsreich klingt. Die vier Musiker spielten rockig und frei geradeaus. Spätestens bei Billy Idols "Rebel Yell" hatten sie das Publikum auch auf ihrer Seite gebracht, und das will bei einem Publikum, dass eigentlich Dr.Kinski und Bon hören wollte, schon mal was heißen. Beim Refrain von "Sex, Drugs, Rock'n Roll" brachten sie die Leute vor der Bühne auch ordentlich zum mitsingen. Lapá war wirklich eine tolle Vorband.
Nach einer kurzen Umbaupause kam dann BON auf die Bühne. Wie der Name schon vermuten lässt, konzentrierten sich die fünf Musiker auf die Bon Scott-Ära von AC/DC, die bekanntlich im Februar 1980 durch den Tod des charismatischen Sängers endete. Musikalisch und optisch lehnt sich die Show von BON sehr am Original an, und das noch ausgesprochen gut. Insbesondere der Gitarrist, der Angus Young nachspielt, hat da einen Riesenanteil dran. In Schuluniform und unermüdlich über die Bühne rockend kommt er dem Original sehr nahe. Natürlich fehlten auch die entsprechende Striptease-Einlage und die auf dem Bühnenboden liegend gespielten Gitarrensolis nicht. Der Frontmann war auch ständig auf Achse und oft am Bühnenrand zu finden. Ich muß schon sagen, der Mann hat auch eine tolle Rockröhre. Bei so einer packenden Show kam auch sehr schnell Stimmung im Saal auf. Die Setlist war vom Allerfeinsten. Es gab die schönsten Klassiker wie "Live Wire", "Riff Raff", "Shot down in flames" und "Rock 'n' Roll Damnation" zu hören. Ich habe mich besonders über "Sin City", "Night Prowler" und "High Voltage" gefreut. Allein wegen dieser Band hätte sich unsere Reise schon gelohnt, aber es gab ja noch etwas obendrauf.
Nach BON enterten Dr.Kinski die Bühne. Dr.Kinski, der Typ mit dem irren Blick und seine Gehilfen behandelten das Publikum mit ihrer berühmt-berüchtigten Schocktherapie und mit einer fesselnden Rockshow. Michael Linke (spielt bekanntlich auch bei MONOKEL) und Stefan Schirrmacher (u.a. früher bei Neumis Rockcirkus und Datzu) duellierten sich ganz hervorragend mit ihren 6-saitigen Waffen. Die beiden ergänzten sich auf der Bühne perfekt. Bei den Männern von Dr.Kinski paarten sich gestern mal wieder Musikalität und Spielfreude. Dazu kam mit dem Doktor ein außergewöhnlicher Frontmann, der auf der Bühne den blanken Wahnsinn verkörperte, und dem das Publikum während der gesamten Mugge sprichwörtlich aus der Hand fraß. "Hells Bells", "You shock me all night long" und "Have a drink on me" hießen die ersten Stationen. Dann gab es für mich eine kleine Überraschung, denn mit "Rock'n Roll train" hatten die Kinski's auch schon einen Titel vom aktuellen AC/DC-Album "Black Ice" im Programm. Im Gegensatz zu BON hat Dr.Kinski jede Menge Songs von den 80er Jahren bis jetzt im Programm. Von "Back in Black" über "Thunderstruck" bis hin zu "Stiff upper Lip" blieben kaum Wünsche offen. Die Bühnenshow der Band ist auch absolut sehenswert. So spielt Schlagzeuger Dicki Grimm anfangs mit Schutzmaske und trommelt später auch mal mit brennenden Sticks. Diese kleinen Einlagen sorgen für Spannung, denn man weiß vorher nie, was neben der Musik noch auf der Bühne passiert. So steht der Doktor zum Beispiel auf einmal mit einer Art Panzerfaust am Bühnenrand und verschießt damit Konfetti bzw. bunte Papierschnipsel in den Raum. Zeitweise steht als 6. Mann auch ein Feuerschlucker auf der Bühne. Zum Finale gab es dann unter anderem "Whole Lotta Rosie" und die grandiose Hymne "For Those About To Rock" (We salute you).
Auch wenn der Abend noch so schön war, irgendwann war dann trotzdem Feierabend. Nach dem obligatorischen Schwätzchen mit den Musikern machten wir uns dann aber bald auf den Rückweg nach Sachsen.




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