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Kittchen Grooves live am 26. März 2009 in Potsdam Bericht: Rüdiger Lübeck Fotos: Rüdiger Lübeck
"Kitchen Grooves", was frei übersetzt wohl "die Küche grooved" heißen muss (für "grooves" scheint es keinen entsprechenden deutschen Begriff zu geben, aber jeder weiß, was gemeint ist), spielten denn in ihrer Potsdamer Heimatstadt, welche zufällig auch die meine ist, und zwar im Club Charlotte (ehem. Cafe Koschuweit), direkt über dem hiesigen Kabarett "Obelisk" gelegen. Dank massivster Werbung in der Lokalpresse bestand auch keine Gefahr, dass mir die Sache entgehen würde. Um noch einmal kurz auf das bereits erwähnte Gespräch in Leipzig zurückzukommen: als "Jazz", wenn auch im weitesten Sinne, charakterisierte Große die Stilrichtung des Ganzen. Nun denn, man, d.h. in diesem Falle primär ich, durfte gespannt sein. Kurz vor 21 Uhr eingetrudelt, zeigte sich mir der recht kleine (und sogar um die Ecke gehende) Saal des "Charlotte" noch lediglich dünn besiedelt. Klar, Donnerstagabend, dazu in Potsdam, was soll da schon groß gehen? Doch ich sollte mich - zum Glück - täuschen. Bereits zehn Minuten später, als die Musiker die Bühne betraten, füllte sich das Lokal zusehends. Die Band war im Gegensatz zu mir höflich und stellte sich sogleich dem Publikum vor. Als da wären: Patricia Schwab am Mikrofon & diversen Percussionen, gebürtige Frankfurt-am-Mainerin und seit neun Jahren in Potsdam lebend, Olaf Mücke an der Gitarre und Volkmar Große am (Kontra-) Bass, beide von jeher heimische Gewächse. Wobei gleichfalls die Herren gelegentlich - wenn auch nur dezent im Hintergrund - mit ihren Sangeskünsten überzeugen dürfen. Seit vielen Jahren schon gemeinsam musikalisch unterwegs und dabei insbesondere auf Hochzeiten, Firmenfeiern, Geburtstagen u. dgl. anzutreffen. Welch' Vergeudung künstlerischer Ressourcen! Tja, und recht schnell war klar, dass die Schublade "Jazz" wohl nicht recht das trifft, was nun über mehr als 120 Minuten zelebriert werden würde. Es sei denn, man betrachtet diese Rubrik als allem Oberbegriff. Ich vergaß zu erwähnen, dass das Konzert im Rahmen der (von der Band mit initiierten) Veranstaltungsreihe "Thursday Night Soul Club" lief, und dieses Motto trifft es dann wohl doch eher. Und damit ist nicht der Donnerstagabend gemeint. Will heißen: es darf getanzt werden, bis die Fetzen fliegen! Und selbst mir als chronischem Parkett-Verweigerer zuckten den ganzen Abend über die Füße. Völlig unwillkürlich. Und das will was heißen! Da konnte man Swing, Blues, deutsche Filmschlager vergangener Tage, Bossa Nova, Rumba, Samba, Cha Cha Cha bis hin zu Soul und Latino-Pop vernehmen. Angesichts der (bewußt?) sparsamen Instrumentierung selbstverständlich auf's wesentliche reduziert. Kleine Auswahl gefällig? Bitte sehr: "Bei mir bist du schön" (Andrew-Sisters 1937), "Love is in the Air" (John Paul Young 1978), "I just wanna make love to you" (Willie Dixon 1954, bekannter in der Version der Stones von 1962), "Half a Minute" (Matt Bianco 1985), "Sweet Georgia Brown" (Ben Bernie 1926), "I'm a Believer" (Neil Daimond bzw. The Monkees 1966), "These Boots are made for walking" (Nancy Sinatra 1966), "I will survive" (Gloria Gaynor 1978), "Everywhere" (Fleetwood Mac 1988), "Sir Duke" (Stevie Wonder 1976), "Puttin' on the Ritz" (Harry Richman 1929), "Mr. Sandman" (The Chordettes 1954), "Moon over Bourbon Street" (Sting 1985), "Rout 66" (Nat King Cole 1946), "Nah Neh Nah" (Vaja Con Dios 1990),... quer Beet also. Es war im übrigen tatsächlich nur eine Frage der Zeit, bis sich 1.) der Saal rammelvoll füllte und 2.) eben diese Füllung sich rhythmisch zu bewegen begann. Patricias diesbezüglich zu Beginn der Veranstaltung angetragene Aufforderung trug demnach alsbald Früchte. Das Programm ist zuvorderst einfach nur eine Einladung zum Tanzen, der man sich schwerlich entziehen kann. Apropos Patricia: diese Frau ist schlicht eine Wucht! Im originalgetreuen Stewardess-Kostüm aus Zeiten, als die Flugzeuge noch Propeller hatten, verlangt das Zentrum dieser Kapelle für meinen Geschmack händeringend schlicht nach einem Pendant, der es ihr ebenbürtig gleichtut. Von genau eben diesem Kaliber. Nach dem Motto: Wir nehmen uns gegenseitig die Butter vom Brot. Ja, ich meine, dass die zweifelsohne mehr als gelungene Interpretation gerade eines solchen Repertoires geradezu danach lechzt, perfektioniert zu werden, und damit möglicherweise auch überregional zu punkten. Und das gelänge wohl am besten auf eben diese Weise. Wobei anzumerken gilt, dass es nach Auskunft der Band schon eine zweite Frau gibt, die gelegentlich die Trommelstöcke wirbelt, aber wohl von einem ganz anderen Schlage (blond!) wäre... Naja. Eines wollte ich nicht vergessen: Die Tüte! Eine schlichte grüne Plastiktüte, wie man sie an jedem Obst- und Gemüsestand gereicht bekommt. Eine eben solche lässt sich wirklich vortrefflich als Instrument einsetzen, um des Raschelns wegen! Hab' ich bislang noch nicht gesehen, hat mich aber restlos überzeugt! Denn wie meinte Patricia doch so trefflich? "Alles ist nichts wert, wenn der gewisse "UFF" nicht da ist!" Jenau so isset! Foto Impressionen: |