![]() Mit Patti Heidrich, Andreas Hähle, Frank Rofall, Felix Rofall und Cat
Bericht: Mona Krassu Fotos: Susanne Schwencke
"Lesung mit Musik", so stand es an der Tafel des Clubs in Gera, ich würde es als Theatralische Lesung mit "Unter-die-Haut-Geh-Mugge" bezeichnen. Dabei hatte sich die Gruppe mit Künstlern aus den verschiedensten Genren eher zufällig und spontan zu diesem Auftritt zusammengefunden. Den Kern des Programms "Feuervogel & Nachtvögelin" bildete der Hähle mit seinen anrührenden, teils anrüchigen, aber auch humorvollen Kurzgeschichten, und Patti, die Sängerin von UNBEKANNT VERZOGEN, die auch ohne ihre Band den Raum und unser Innerstes zum Klingen brachte, einfach mit ihrer kraftvollen, markanten Stimme.
Ganz am Rande bemerkt: auch einem solchen Meister kann es passieren, dass er seinen Geigenbogen vergisst. Cat packte die Geige aus, zupfte ein wenig, bis Patti fragte, ob er heute nur zupfen will :-) Aber kein Problem, man war ja in Gera, Cats Wohnort, und der Geigenbogen wurde herbeigeholt. Nur: die Geschichte wird ihm jetzt ewig anhaften. Zum Inhalt: Hähle entführte uns in eine Berliner Welt des Saufens, der Liebe, der Einsamkeit und der Erotik (seinem Spezialgebiet). Gleich zu Beginn lernen wir Hotte kennen, er sitzt auf einer Bank am Landwehrkanal, trinkt sein Bier und ganz nebenher erfahren wir, wie Hotte über das Leben, seine Stadt, die Ehe und die Frauen denkt. Dabei entsteht das Bild eines nur scheinbar teilnahmslosen Säufers, denn Hotte macht sich zu viele Gedanken, die er manchmal nicht mehr ertragen kann, und eben deshalb beschließt er dann, "Ich sauf mich tot" - und Hähle, der stimmlich von lautstark brutal bis brav und niedlich alles drauf hat, läßt uns mittendrin sein und bietet eine fast schauspielerische Darstellung. Besonders gefallen hat mir der nahtlose Übergang von "Hotte und Lotte" zu "Ich sauf mich tot" und dann Pattis Stimme mit dem Song "Noch isses nicht so", begleitet von Cat, der das Thema bringt, als hätte er den Song schon oft gehört. Ja der Hähle und die Patti kennen sich aus, wenn's um verlorene Seelen, verlorenes Leben und gleiche Gesichter geht. Doch soll hier nicht der Eindruck entstehen, als wäre es ein trister melancholischer Abend gewesen. Nein, die Geschichten sind dennoch vollgepackt mit Humor, zum Beispiel wenn man sich über Filme unterhält, und die Songs lassen hoffen, "noch isses nicht so". Und dann spielt auch Patti Gitarre, und sie macht das sehr gut obwohl sie meint, sie könne es nicht. Dass sie viel zu bescheiden ist, erfahren wir spätestens, als wir um den Song "Nachtvögelin" (komponiert von Christian Haase / Text Andreas Hähle) bitten, der offiziell nicht auf dem Programm steht. Sie singt ihn, begleitet von Frank an der Cajon. Nein, sie singt ihn nicht nur, sie zelebriert ihn! Ihre Stimme spinnt den ganzen Raum in ein Netz aus Klang. Patti befreit sich selbst während des Singens von allen Zwängen und Zweifeln und läßt die Nachtvögelin für immer in uns weiter schwingen. Fazit: Kunst kommt von Können und Improvisationstalent, ein Abend voll ehrlicher, handgemachter, unter Haut und Hirn gehender Geschichten in Text und Lied. Mehr davon!!!!
Fotoimpressionen:
![]() Andreas Hähle und Felix Rofall ![]() Andreas Hähle ![]() Patti Heidrich, Frank Rofall und Cat ![]() Felix Rofall ![]() Andreas Hähle ![]() Patti Heidrich und Frank Rofall ![]() ![]() Patti Heidrich und Andreas Hähle ![]() UNBEKANNT VERZOGEN in der 1-Frau-Besetzung |