"Liaisong" von Dunja Averdung und Jörg Nassler
im "Zimmer 16" zu Berlin am 24. April 2010



Bericht: Andreas Hähle
Fotos: Patricia Heidrich, Bernd Enke






Jörg Nassler

Mexikanische Klänge und emotionsgeladener Gesang - Ein neues Duo erobert Berlin
Das "Zimmer 16" ist eine doch angesagte Adresse für alles, was man vielleicht unter dem Sammelbegriff "Kleinkunst" fassen kann. Die Veranstaltungsformen reichen von theatralischen Projekten über Kabarett und Liedprogramme hin zu unplugged-Versionen recht bekannter Künstler. Als ich das letzte Mal dort war, konnte ich auch ein Duo erleben, "Trixi G", das ebenfalls an diesem Wochenende in Berlin weilte. Doch dort erlebte ich sie nicht, denn mich zog es an diesem Tag zum "Haase & Band"-Konzert ins "Neuhelgoland", was ich auf gar keinen Fall bereute, denn dieses Konzert war ein Ereignis der absoluten Spitzenklasse. Doch darüber werde ich heute gar nicht berichten, auch nicht über "Trixi G." im "Zimmer 16", sondern über ein neues Duo, welches sich aufgemacht hat, die Bühnen dieses Landes zu erobern, was ihnen wahrlich nicht schwer fallen wird, denn Jörg Nassler und Dunja Averdung sind alles andere als Neulinge und erst recht keine Unbekannten. Doch in dieser Konstellation des gemeinsamen Auftretens des Lebens- und Liebespaares ist es doch eine Novität. Und eine lohnenswerte noch dazu.

Kennengelernt habe ich die beiden auf dem Gehöft von Thomas Putensen letztes Jahr im Sommer und abgesehen davon, dass ich sie überaus sympathisch fand, war ich damals schon recht beeindruckt von Dunja Averdungs Gesang, auch wenn sie diesen quasi als Beitrag zur Lagerfeuerstimmung beisteuerte. Im Laufe dieses Wochenendes im August 2009 heckten wir auch die Idee aus, miteinander vielleicht zu arbeiten. Was nun wiederum dazu führt, dass ich womöglich gar nicht die geeignete Person bin, einen Bericht über ein Konzert der beiden zu schreiben. Dieses eine Mal werde ich es aber tun und Berichte über weitere Konzerte des neuen Duos "Liaisong" überlasse ich gerne wie kommende Berichte über andere Musiker, mit denen ich zusammenarbeite den anderen wackeren Mitstreiterinnen und Mitstreitern auf diesem Portal, von denen es glücklicherweise recht viele und umtriebige und genau beobachtende und genau recherchierende und sich unglaublich auskennende gibt.
Ich erwähne heute mal die Berliner S-Bahn. Wegen dieser wäre ich an diesem ungewöhnlich heißen Frühlingssonntag beinahe zu spät gekommen. Es ist manchmal, die Berliner wissen das wohl, zumindest die unmotorisierten, gar nicht so einfach, von Spindlersfeld nach Pankow zu gelangen. Man kommt auf jeden Fall hin, aber es kann unter Umständen dauern. Ich habe es also wesentlich später als geplant aber rechtzeitig geschafft, zum Konzert zu kommen. Andere, weil mit Auto und da liegt gar keine Häme drin, wiederum nicht, weil sie zwar pünktlich waren, aber keine Parkplätze fanden. Berlin Berlin... Deshalb fingen die beiden auch rücksichtsvoll ein wenig später an.

Jörg Nassler stellte sich als Vorband vor, sozusagen als Warm-Upper, dessen Aufgabe es sei, das Duo "Liaisong" erst einmal vorzustellen. Der großartige weltenbummelnde schlanke Gitarrist mit den schönen wehenden graumeliert gelockten Haaren begann danach zu spielen, einstimmend auf den Abend nach diesem Sonnentag. Und so wunderschön klang auch die Weise, zu der sich Jörg Nassler selbst percussionierte und mit Vocalisen gesanglich begleitete. Und dann erzählte er, der Jörg Nassler. Dass er als Diplomgitarrist mittlerweile schon an die 30 Jahre die Welt bereist. Sieben Jahre hat er dafür studiert. Und wenn er dann ab und an mal mit anderen Menschen an einem Lagerfeuer sitzt, wird er genau aus diesem Grunde, so erzählte er, oft gebeten, etwas zum Besten zu geben. Und dann spielt er natürlich und gerne auf. Eine Bachfuge. Zum Beispiel. Und dann noch eine und noch eine und... dann ergibt es sich, dass die Zuhörerschaft sich nach und nach mehr dem Alkohol zuwendet oder gar einschläft. Bis ein - sagen wir mal: KFZ-Mechaniker - kommt, die Gitarre übernimmt und ein schönes Lied mit drei Akkorden spielt. Plötzlich hört ein Teil der Zuhörerschaft auf zu trinken und die anderen wachen wieder auf. Und aus diesem Grund, so kündigte er an, wird er jetzt einen Titel von einem Zimmermann spielen, Robert mit Vornamen.
Nach diesem wunderbaren Klassiker betrat Dunja Averdung die Bühne, füllte sie mit ihrer lebensfröhlichen Ausstrahlung und sollte diese und den ganzen Raum baldigst mit ihrer kräftigen und umarmenden Stimme überstrahlen. "Ein Winter ist mir widerfahren" zelebierte sie als ihren Einstieg in das gemeinsame Programm. Um auf großartige Weise den alten Franz-Bartzsch-Titel "Dass ich eine Schneeflocke wärī" folgen zu lassen. So bravourös und hymnisch, dass es nicht nur mir, sondern auch einem großen Teil des Publikums fast den Atem verschlug. Und so setzte es sich fort durch das ganze Programm mit vielen verschiedenen Liedern wie "Solo Sunny" von Günther Fischer, Stevie Wonders "You Are The Sunshine Of My Life" oder auch mal einem richtig alten Schlager. Dass Jörg Nassler ein unglaublich guter Virtuose auf seinen Instrumenten, hauptsächlich der Gitarre ist, ist ja den meisten sicherlich bekannt. Aber auch gesanglich überzeugt er sofort und begeistert. Meist im Duett mit Dunja Averdung, doch mitunter auch mal ganz alleine. Zur Pause wussten wir alle, dass wir es mit einem wunderbaren und musikalisch voll überzeugendem Duo zu tun hatten. Nach der Pause stieg Jörg Nassler mit einem Solostück ein und bezeichnete sich erneut als "Vorband" des Duos. Es war ein Stück aus eigener Feder, die Schönheit des südlichen Meeres beschreibend. Von einem, also Herrn Nassler, der sein Heim am deutschen nördlichen Meer errichtet hat, inklusive eines Unterwasserstudios. Das Schöne an instrumentalen Titeln ist, dass man sie nicht wirklich beschreiben kann. Ein Musikwissenschaftler kann das wohl, aber eben dann auch musikwissenschaftlich, die Gefühle sind eine ganz andere Angelegenheit und jeder hat, wenn die Phantasie in einem brodelt, seine eigenen und höchstwahrscheinlich auch ganz andere als der Sitznachbar. Um diese Phantasien, die Musik bewirken kann, selbst zu erfühlen, kann man auch nur selbst zu solchen Abenden hingehen oder sich diese mittels eines Tonträgers am Ort seiner Wahl zu Gemüte führen. Informationen zu beiden Möglichkeiten gibt es reichlich auf www.nassler.com. Musik kann man auch finden, auf www.myspace.com/joergnassler.


Dunja Averdung

Es folgte ein Liebeslied, welches die beiden Künstler von Miguel de Hoyos, einem mexikanischen Musiker lernten. Mit ihm waren Dunja Averdung und Jörg Nassler schon 3 Mal mit dem Programm Baja California meets Dresden Nord "...ein Hauch von Tequila" auf Deutschland Tour unterwegs (2005/2007/2009,) auch in Berlin. Wie der Titel des Stücks auf spanisch heißt, das habe ich vergessen, vermutlich weil ich kein Spanisch kann, da merkt sich das schlecht, wenn man auch nicht weiß, wie geschrieben wird was da gesprochen ist. Die Übersetzung ins Deutsche lautete ungefähr "Küss mich ganz viel".
Nicht fehlen durfte, diesmal wieder mit Dunja Averdung als Sängerin, das mexikanische Zauberstück "El Pastor" und ich hoffe, die Schreibweise ist richtig, das Googlen in solcherlei Zweifelssituationen half mir diesmal nicht wirklich. "Die Flöte des Hirten", ein Mariachi-Titel, ein sehr bekannter, ja berühmter, weil schwer zu singender. Die Mariachi-Bands spielen ihn meist bei Hochzeiten oder anderen festlichen Anlässen. Es gibt auch Gesangswettbewerbe in Mexiko, so erfuhr ich, bei dem alle Beteiligten immer nur dieses eine Lied singen. Und auch nach diesem Titel blieb es spanisch-feurig, dynamisch und mitreißend. Das Duo sang gemeinsam.

Das nächste Stück war wieder ein von Jörg Nassler geschaffenes intrumentales Solostück. "42 Grad". Das kann man auch auf Jörg Nasslers myspace-Seite hören, aber wie mein Freund Bernd meinte, wäre es live noch viel gewaltiger und das lasse ich einfach mal so stehen. Entstanden ist das Stück auf einer Reise in die Westsahara. Daher der Titel. Während Jörg Nassler spielte, nahm er sich selber auf, gab dann die Aufnahme wieder und spielte über diese. So kann man sich wohl theoretisch nach und nach auch ein ganzes Orchester auf die Kleinkunstbühne zaubern.
Ja, aber dann ging es wieder zurück nach Mexiko. Mit einem Stück des Texaners Jamey Taylor. Und auch der danach folgende Titel war mexikanisch klingend. Diesmal war es eine Komposition von Jörg Nassler.
Und dann wurde es wieder deutschsprachig, eine Weltpremiere. Jörg Nassler und Dunja Averdung als "Liaisong" werden in ihr Programm nach und nach neue eigene deutschsprachige Lieder integrieren. Zwei dieser Titel stellten sie erstmalig an diesem Abend vor, als Vorausschau auf das Kommende. "Dein Kuss" (Komposition: Jörg Nassler) und "Draussen auf dem Meer" (Komposition: Reinhard Fissler). Eine Einschätzung dieser und auch der kommenden eigenen Titel kann ich nicht geben, weil beide Texte aus meiner Feder flossen.
Nach einem harten Arbeitstag, wie Jörg Nassler sich ausdrückte, wieder mal eine spanischsprachige Coverversion eines sehr populären Titels, den man allerdings wohl nur englischsprachig kennt. Um das Ganze dann mit der Weise "Leise zieht durch mein Gemüt..." abzurunden.

Ja, und natürlich war der Wunsch nach Zugaben sehr groß. Und auch bei diesen wanderte das Duo zwischen Mexiko und Deutschland umher. Sehr zur Freude aller Anwesenden. Und das waren sehr viele an dem Abend dieses sonnigen Tages. Im "Zimmer 16". In Berlin. Bei einer unglaublich schönen "Liaisong".




Fotoimpressionen:


Fotos von Patricia Heidrich:





























Fotos von Bernd Enke: