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Marillion live am 12.02.2009 in Berlin und am 14.02.2009 in Hamburg Bericht: Petra Heinzel (Berlin), Holger Stürenburg (Hamburg) Fotos: Rüdiger Lübeck, Petra Heinzel
Als ich hörte, dass Marillion im Februar auf "Happiness is the road"-Tour geht und zwei Konzerte in Deutschland geben würde, war mein erster Gedanke "Was, die gibt's noch?" Deutsche Mugge war beide Termine eingeladen, und daher hieß es wieder einmal für mich "Auf ins Kesselhaus!" Meine inzwischen gewohnte Donnerstagzeremonie konnte beginnen: ganz pünktlich Feierabend machen und direkt zum Kesselhaus in den Prenzlauer Berg fahren. Als ich gegen 18:40 Uhr vor Ort eintraf gewährte man mir sofort Einlass. Leider war der Soundcheck bereits beendet, nur noch am Keyboard wurden kleine Einstellungen vorgenommen. Die Zeit bis zum offiziellen Einlass verging relativ schnell. Ich nahm den Merchandisingstand in Augenschein und integrierte mich in den Gesprächskreis einer Damenclique. Sie erzählten mir, dass sie innerhalb des letzten halben Jahres bereits sechs Konzerte von MARILLION besuchten. Ich hatte es also mit echten Groupies zu tun, die durch Europa reisen, und ich äußerte doch tatsächlich, dass ich mich noch sehr gut an "Kayleigh" aus den 80ern erinnern kann. Die Damen grinsten mir freundlich entgegen, und ich wusste sofort: da stimmt was nicht. Auf diesen Titel könnte ich wohl lange warten, meinten sie. Worauf mir dann einfiel, dass das ein Top Ten Hit der Band, gemeinsam mit ihrem ehemaligen Sänger Fish war. Der "Neue" singt also NUR die in seiner Zeit entstandenen Lieder. Wieder lächelten die Mädels mich an und äußerten: "Ja, der Neue ist inzwischen seit zwanzig Jahren dabei". In dem Moment wurde mir wieder einmal bewusst, wie schnell die Zeit vergeht, denn "Kayleigh" stammt ja aus dem Jahr 1985. Kurz vor Einlass schlenderte Steve Hogarth (voc) durch die Halle. Ich freute mich mit ihm noch ein paar Worte wechseln zu können. Er wollte sich ins Hotel begeben, um noch ein wenig auszuruhen und sagte schließlich: "Nice to meet you... see you later". Kurzerhand sicherte ich noch schnell zwei gute Plätze an der vordersten Front, und um 19:15 Uhr begann der offizielle Einlass. Die Halle füllte sich allmählich und wurde circa eine halbe Stunde vor Konzertbeginn knacke voll. Man konnte kaum durch die Massen dringen um für Getränkevorrat zu sorgen. Ich schob mich durch jüngere und ältere Fans, beinahe jede Altersklasse war vertreten (viele auch zwischen 30 und 35). Um 20:25 Uhr betraten fünf gestandene Musiker im Alter zwischen 47 und 55 Jahre die Bretter der riesigen Bühne und legten sofort los. Steve Hogwarth hatte das Publikum sofort gefangen, die Stimmung brodelte im Kesselhaus. Auf einer riesigen Leinwand im Bühnenhintergrund wurden Bilder gezeigt. An der rechten Seite der Leinwand glänzte Mark Kelly mit seinen Keyboards. Warum glänzte eigentlich Herr Kelly? Der Name Kelly dürfte jedem ein Begriff sein, im Zusammenhang mit ganz viel Haar. Was erstaunlich war, hier stand ein Kelly ganz ohne Haar, sehr gepflegt... glänzend eben. Ich finde sogar, dass ihm seine "Frisur" hervorragend steht und ihn außerdem jünger aussehen lässt. Er passte perfekt vor diese Videowand, Haare hätten eindeutig gestört. Rechts neben ihm, im vorderen Bühnenteil, hatte Steve Rothery seinen Gitarrenbereich. Der kräftige Musiker versteht sein Fach, sehr filigran behandelt er seine Saiten und entlockt ihnen dabei wunderbare Klänge. Die linke Bühnenfront hatte Pete Trewavas im Griff. Er zauberte in seinem gemusterten Hemd die richtigen Basstöne hervor. Ich hätte eigentlich gedacht, nachdem ich die beiden Musiker gesehen hatte, dass Steve der Bassist und Pete der Gitarrist ist. Aber genau das machte alles noch viel interessanter. Von Ian Mosley war nur Gutes zu hören, aber sehen konnte man ihn nur hin und wieder beim Wirbeln seiner Drumsticks. Er versteckte sich auf der linken hinteren Bühnenhälfte. Da sich sein "Werkzeug" auf einem Podest befand, konnte man ihn nur selten zwischen den Becken entdecken. Wie sich später herausstellte scheint er nicht gerne im Mittelpunkt zu stehen, aber dazu später. Nach einem musikalischen Einstieg begrüßte Steve Hogarth alle anwesenden Fans im deutlichen Deutsch: "Guten Abend Berlin, wie geht's, meiner kleinen Freundin?" Als erstes sah ich natürlich auf seine Füße, und... er war tatsächlich barfuss, gepflegte Füße und die Fußnägel mit metallicblauem Nagellack lackiert. Zwischen seinem schwarzen mittellangem Haar und den nackten Füßen trug er einen hellen Mantel mit goldfarbener Verzierung. Bereits zu Beginn gefiel mir der Titel "This train is my life", eine sehr schöne Gesangsstimme. Anschließend nahm er seine Percussioninstrumente, wovon reichlich Auswahl an seinem Mikrofonständer vorhanden war, zur Hand und segnete damit jeden einzelnen Musiker und sogar das Publikum, bis dann auch noch zur Krönung weiße Papierschnipsel herabregneten. Wenige Titel später zog er seinen Mantel aus, legte ihn lässig über seinen linken Arm und warf ihn kurz darauf nach hinten. In diesem Moment griff er zu einem hölzernen Instrument namens "Cricket Bat". Welche Töne er damit erzeugte, konnte ich leider nicht so genau feststellen. Das Steve Hogarth der Frontmann ist, zeigte er in vielen Situationen sehr deutlich. Er lebte auf der Bühne und war ständig in Bewegung. Er hatte die weißen Papierschnipsel nicht nur an den Füßen kleben, sondern auch an seinen Händen und natürlich auch im Gesicht. Er klebte sich, wie ein Inder, ein rotes Teilchen (sah aus wie ein Plektrum) auf die Stirn oder breitete die Arme zum Flug aus, drehte sich dabei, oder riss die Arme hoch. In anderen Momenten saß er dann wieder an seinem Keyboard, das genau vor mir stand. "Berlin is a fine city", sagte Steve Hogarth. Er nahm das Mikrofon aus der Halterung und sang für alle Berliner "Berlin". Und dann kam es: ein typisches, langes Marillion-Lied "The great escape". Am Ende klatschten und jubelten die Fans und Steve Hogarth konnte seine Freude mit seinem Schellenkranz zelebrieren. Bei "Asylum Satellite" verließ er die Bühne und Synthies und Saiten übernahmen das Kommando. Für "Neverland" hatte sich Hogarth umgezogen, er sang jetzt im schwarzen Jacket, welches nicht lange an seinem Körper blieb. Dann wagte doch tatsächlich die Band den Abgang von der Bühne. Das Kesselhaus kochte und forderte lautstark nach Zugaben. Steve Hogarth brachte seine Mannschaft in einem Nadelstreifen mit Krawatte (und schwarzen Schuhen) und Krückstock auf die Bühne zurück. Den Stock warf er im hohen Bogen von sich (mitten auf die Bühne krachend), zog später das Jacket aus und spielte dann auf einer Akustikgitarre. Und eines war klar: Ohne weitere Zugaben hätte niemand den Saal verlassen. Hogarth schnappte sich noch einmal die E-Gitarre und am Ende erklang "Happiness is the road". Zwischendurch sorgte er für Platz und beförderte einen Hocker von der Bühne. Klatschgeräusche hallten im großen Schwall durch die Halle und alle sangen mit "Happiness is the road". Dann hieß es wirklich Abschied nehmen, nacheinander verließen die Bandmitglieder die Bühne und Steve Hogarth war dann um 22:35 Uhr der Letzte. Der endgültige Abschied war es dann aber doch nicht. Ich staunte nicht schlecht als sich die Musiker nach und nach unter's Publikum mischten. Der Erste, der sich sehen ließ, war Steve Rothery. Der Mann, der an diesem Abend bewies, dass er auch eine Doppelhalsgitarre beherrscht. Als nächstes kam die gelegentliche Zweitstimme, der Bassist Pete. Gefolgt von Mark, der das richtige Feingefühl für seine Tasten hat. Kurz darauf sah ich wie Ian eine andere Richtung einschlug. Da ich mich im Kesselhaus sehr gut auskenne, wusste ich wo ich ihn treffen könnte. Ich wollte doch unseren Lesern eine komplett signierte Setliste liefern. So bekam ich also mein Autogramm und natürlich auch ein Foto. Dann zeigte sich schließlich auch Steve Hogarth. Frisch geduscht und gut gelaunt erfüllte er gerne sämtliche Autogramm- und Fotowünsche. Vielen Dank an die Band, den Veranstalter und das gesamte Team! Es war rundum ein wunderbarer Abend. Ich habe viel erlebt, gesehen und auch genossen. Holger Stürenburg zu "Marillion live in Hamburg am 14.02.2009": Es ist genau 20 Jahre her, daß STEVE HOGARTH, vorheriger Frontmann der so ewig unterschätzten, wie gleichfalls chronisch erfolglosen New-Wave-Combo "The Europeans", die Nachfolge von Derek William Dick alias "Fish" als Lead-Vocalist bei der legendären Artrock-Band "MARILLION" antrat. Unter der gesanglichen Führung von "Fish", hatten Mark Kelly (key), Ian Mosley (dr, perc), Steve Rothery (git) und Pete Trewavas (b, voc) ihre größten kommerziellen Erfolge erzielen können. So z.B. die unvergesslichen Welthits "Kayleigh" (aus der Sicht des Verfassers dieser Zeilen eines der schönsten, romantischsten und authentischsten englisch gesungenen Liebeslieder der 80er Jahre), "Lavender", "Heart of Lothian" (alle 1985) oder "Incommunicado" (1987). Doch 1988 begann es zwischen "Fish" und dem Rest der Truppe enorm zu kriseln. Unterschiedliche musikalische Standpunkte (und sicherlich auch finanzielle Aspekte), sorgten dafür, daß "Fish" Marillion verließ und sich die verbliebenen Vier einen neuen Sänger suchen mußten, der bald in der Person Steve Hogarths gefunden war. Nach dem endgültigen Ausstieg von "Fish" und dem Eintreten von Steve bei "Marillion", waren zwar keine Toppositionen in den internationalen Hitparaden mehr möglich - trotz weiterhin phantastischer Alben a la "Season's End" (1989), "Holidays in Eden" (1992) oder "Brave" (1994) -, aber, "Marillion" entwickelten sich seitdem zu einer klassischen Live-Institution, deren Konzerte rund um den Globus regelmäßig zu real existierenden Kultereignissen avancierten. Ganz genauso präsentierte sich das schottische Quintett am vergangenen Samstag (14.02.2009) vor einem frenetisch begeisterten Publikum in der ausverkauften (!) "Markthalle" nahe des Hamburger Hauptbahnhofs. Viele - sogar junge, nachgeborene, aber offenbar mit ordentlichem Musikgeschmack jenseits von Hip Hop, Tekkno und Dancefloor-Müll ausgestattete Musikfreunde - feierten eine in Würde gealterte Band, die übrigens ausschließlich Titel der Nach-"Fish"-Ära aufführte, die eingangs erwähnten Megahits aus den 80ern also gänzlich weg ließ. "MARILLION" 2009 brillieren mit epischen, vertrackten, perfektest arrangierten, überwiegend auf Keyboardbasis gehaltenen, tönenden Melodramen - durchwegs komplex inszeniert, im ruhigen bis mittleren Tempo angesiedelt - Sänger und Texter Steve Hogarth interpretiert diese drastischen Klangorgien nicht nur; er IST in jedem Song, den er vorträgt, genau jene Figur, die er gerade darstellt. Er lebt seine Songs schlichtweg bis zum Exzess aus, er singt nicht nur; er schreit, leidet, jubiliert - je nach Stimmung des einzelnen Titels. Immer wieder bearbeitete er während dessen Akustik- oder E-Gitarre, nicht selten sogar ein extra für ihn konzipiertes Instrument namens "Cricket Bat", welches auf den Betrachter wie eine Art Kombination aus Baß und Keyboard wirkt. Gut, zugegebenermaßen klingen die neueren Lieder von "MARILLION" alle recht ähnlich - trotzdem ist und bleibt natürlich auch 2009 ein Konzert der angeblichen "Genesis"-Epigonen ein schier wunderbares Erlebnis. Mit einiger Verspätung betraten der knapp 50jährige, scheinbar immerjunge Steve Hogarth mit seinen wesentlich reiferen Begleitern die Bühne der übervollen "Markthalle" und startete, in einem avantgardistischen Glitzeranzug bekleidet, die knapp zweistündige Show mit dem programmatischen Artrock-Drama "This Train is my Life", wobei der überaus sympathische Spitzensänger Blumen ins Publikum warf. Es folgten weitere klangliche Hochgenüsse, meist in epischer Form zelebriert, wie z.B. "Out of this World", "Asylum Satellite", "Essence", "The other Half" oder "Real Tears for Sale" - ein Titel, den ich bislang noch nicht kannte, in den ich mich aber umgehend nach dem ersten Hören geradezu "verliebt" habe, weshalb ich mir das aktuelle Album "Hapiness is the Road", auf dem sich jener Traumsong befindet und das zugleich das Motto der Tournee darstellt, stehenden Fußes zwecks Rezension zulegen werde : )) 1994 legten "Marillion" das phänomenale Konzeptalbum "Brave" vor, das später auch verfilmt werden sollte und in der Presse als "erste große Rockoper der 90er" ("Düsseldorfer Express") gefeiert wurde. Steve hatte einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1988 entdeckt, der über eine junge Frau berichtete, die seitens der Behörden in vermutlich psychotischem Zustand aufgegriffen wurde und die sich, obwohl weder stumm, noch taub, beharrlich weigerte, der Polizei oder Ärzten gegenüber irgendwelche Auskünfte über sich, ihre Identität und ihre Vorgeschichte zu geben. Daraufhin ersann der hochtalentierte Texter Steve Hogarth einen Plot, der auf der Basis dichterischer Freiheit versuchte, das Vorleben ebenjener Frau nachzuzeichnen. Am vergangenen Samstag in Hamburg präsentierten "Marillion" aus diesem Meisterwerk einige Fragmente, die in der brodelnden, ellenlangen Klangorgie "The Great Escape" gipfelten. Ob ihrer ausufernden Komplexität sind die vertrackten Klangkaskaden von "Marillion" sicherlich nicht jedermanns Sache. Ich kenne in meinem Freundeskreis nicht wenige Leute, die mit diesem so herrlich altmodischen, aber niemals auch nur in Nuancen angestaubten Artrock/Progrock, wie ihm "Marillion" inzwischen seit über einem Vierteljahrhundert huldigen, auch rein gar nichts anfangen können. Musikfreunde, die gerne aber ab und an mal gleichfalls über den Tellerrand blicken und denen dümmlicher Mainstream eh auf die Nerven geht, sind herzlich dazu eingeladen, sich näher und intensiver mit "Marillion" zu beschäftigen. Die vielen jungen Leute im Publikum machen zumindest dem Rezensenten Hoffnung, daß es selbst unter Teenagern und Twens noch solche Menschen gibt, die sich nicht von billigstem Dancefloor, brutalstem Hip Hop und komischen amerikanischen Krachrockbands ihr Hirn vermüllen lassen. Einziges Manko - rein subjektiv aus der Sicht des Verfassers dieser Zeilen - an der derzeitigen "Marillion"-Tournee: Daß die fünf Artrock-Heroen seit Jahren auf Klassiker der "Fish"-Phase verzichten, ist nachvollziehbar. Schade ist es jedoch, daß "Marillion" nicht einmal mehr so wunderschöne Lieder aus den ausgehenden 80ern und beginnenden 90ern, als Steve längst hinter dem Mikrophon stand, - etwa "Hooks in you", "Easter", "Cover my Eyes (Pain and Heaven)", "Dry Land" oder "No one can" - in ihr Liverepertoire integriert haben; genialische, wenn auch eher radiotaugliche Kompositionen, an denen für uns 80er-Kinder viele Erinnerungen an unsere Jugend hängen. Davon abgesehen aber, bleiben "Marillion" auch 2009 ein opulenter Klanggenuß per Excellanze! Bitte beachtet auch www.marillion.com Foto Impressionen:
Fotos von Rüdiger:
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![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Fotos von Petra: ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]()
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