Dirk Michaelis live am 05. September 2009
im Hof der Arche Neuenhagen



Bericht: Dietmar Meixner
Fotos: Dietmar Meixner





Es gibt gewisse persönliche Zwänge, die einen einfach nicht loslassen. Ein gewisser musikalischer Zwang, der in mir rumorte, war Dir Michaelis. Ein Sänger der im Bereich "Ostrock" Musikgeschichte geschrieben, und auch einige der eindrucksvollsten Songs dieser Periode geschrieben hat. Es gibt einfach Lieder, die aus diesem Themenbereich nicht wegzudenken sind. Die Klassiker "Fischlein unter'm Eis", "Als ich fortging" und "Schattenkreuze" sind konkrete Beispiele dafür, um wie viel ärmer der Ostrock ohne diese Lieder wäre.
Im Jahre 2008 hatte ich ihn mit seinem Auftritt in der Arche verpasst, obwohl er - glaube ich mich zu erinnern - die zugkräftigste Nummer im Konzertsommer war. Nicht umsonst bemühte sich Judith Mantzke (Leiterin der Arche) um einen weiteren Termin im Jahre 2009. Dieses Mal war ich natürlich dabei.
Bei meinen fast 1000 Meter langen Fußmarsch von zu Hause bis zur Arche, schossen mir wilde Gedanken die Karussell Konzerte 1988/1989 betreffend durch den Kopf. Dirk überzeugte in dieser Zeit nicht nur als Frontmann in Gestik und Gesang, nein... er sagte auch Sachen auf der Bühne, bei denen ich mich unwillkürlich nach allen Seiten umsah. Er trat bis an den vorderen Rand der Bühne (wie z.B. 1989 in der Messehalle 1 in Leipzig) und haute Sprüche raus, dass ich dachte er wird gleich von der Bühne weg verhaftet. Dies geschah aber zum Glück nicht. Seit 1990 hatte ich Dirk immer nur zu bestimmten Anlässen als Gast gesehen. Ich freute mich deshalb natürlich besonders auf ein intensives Wiedersehen und -hören... neugierig war ich auch, wie sich die Gedanken aus der Vergangenheit mit den neuen Eindrücken decken würden. Ich nehme es vornweg: seine Sprüche heute sind nicht politisch aber genauso frech wie damals!
Um 21:04 Uhr betrat Dirk vor 300 Fans die Bühne der Arche und sang A capella das Lied "Wintermärchen". Nach ein paar Solo-Titeln gesellten sich dann Sören Birke (Harp) und Thomas Maser (Git) dazu. Anfängliche technische Schwierigkeiten waren bald überwunden. Dirk sagte diesbezüglich zu den Fans, "Scheiße, das klingt ja alles wie Mittelwelle... ich habe bisher ja noch nicht mal guten Abend gesagt, aber mit einer Panne kommt man immer gut an". Ein Blick in den Abendhimmel mit der Bemerkung von Dirk, "an einen alten Song von Kati Kovacs will ich heute Abend nicht denken... Wind bring den Regen her..." Mit Blick zu mir merkte er an, "Hinweise an die Presse: jetzt Fotos von rechts, dann kommt das Gewitter auch von rechts". Aber zum Glück kam weder Regen noch ein Gewitter in die unmittelbare Nähe, nur sehr kalt war es. Nachdem Dirk in den Bereich des Blues kam, war auch der letzte in der Runde überzeugt, und die Stimmung war nicht zu toppen.
Es erklangen seine Songs wie z.B. "Seelenverwandt", "Alle meine Lieder", "Du hast 'nen Mann", "Stilles Dorf", "Klang der Stille", "Felsenfest", "Am Ende der Schlacht", oder "Champagner"... aber auch Höhepunkte aus der Karussell-Zeit wie "Schattenkreuze" und "Als ich fortging" durften natürlich nicht fehlen.
Etwas zwiespältig war das Echo bei den Fans, als er zwischen den Songs etwas ironisch anmerkte: "Mein Lieblingsgitarrist ist Harry Jeske von den Puhdys... und die sind ja auch wieder auf Tour mit dem Programm 'Körperwelten live'. Mann, das ist doch aber ein toller Gag, oder??" Es nahm ihm aber keiner krumm, und der Scherz wurde auch als solcher aufgefasst. Dann folgten die Songs "Der Dich liebt" und "Eigentlich geht es uns gut". Nach vielen Zugaben stand Dirk schließlich wieder allein auf der Bühne, seine Gitarre legte er weg und sang in die andächtige Stille des Abends "Fischlein unter'm Eis"... Wahnsinn! Gänsehaut pur, und gesanglich ist das von keinem zu toppen.
Nach seinem Auftritt war noch viel Zeit für einen netten Plausch, und ich konnte Grüße übermitteln. Natürlich durfte auch der Gang durch die immer noch aktuelle Fotoausstellung in der Arche nicht fehlen. Dabei traf ich nun widerum andere nette Freunde, was einen sehr langen Abend versprach. Dirk kommt nächstes Jahr wieder in die Arche, der Wunsch der Fans wurde von Judith erhört... Ich glaube, dem ist nichts hinzuzufügen. Seine großartige Stimme, die noch lange nach dem Konzert in meinen Ohren klang, hätte ich fast vergessen zu erwähnen. Auch nicht vergessen darf ich, alle Leser von Deutsche-Mugge, "dieser unschlagbaren Seite", von Dirk herzlich zu grüßen. Das tu' ich hiermit!




Foto Impressionen: