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Bericht: Thorsten Murr, Grit Bugasch Fotos: Thorsten Murr Bericht von Thorsten Murr: BERLIN - DER MOLOCH ROCKT! MONOKEL-KRAFTBLUES zelebrieren im legendären Frannz-Club eine mitreißende "Nachbrenner-Party" zum 35-jährigen Bandjubiläum Nach und nach füllt sich der Saal an diesem besonderen Freitag, der zudem auch noch das irgendwie vertraute Datum des 7. Oktobers aufzuweisen hat. Weil aber alles, was vor neun Uhr abends beginnt, für Berliner Publikum einfach zu früh ist, bleibt den Überpünktlichen noch Zeit, sich umzuschauen. Dass es heute eine volle Packung auf die Ohren geben wird, kündigt schon das auf der Bühne aufgebaute Instrumentarium an: Boddis Tastenregal auf der einen und ein ganzes Gitarrenlager auf der anderen Seite, hinten zwei Drumsets und vorn ein Wald aus Mikrofonständern. Jetzt geht's ab, jetzt platzt der ... Club!
Kurz nach acht begrüßt DR. KINSKI, im schillernd schrägen Elvis-Anzug, das Publikum und bittet den Kern der Kraftblues-Brigade auf die Bühne: Kuhle, Lefty, Pitti und Dicki eröffnen die Show, zur Feier des Tages von Beginn an begleitet von Boddi Bodags Keyboard- und Pianospiel.
Das Boogie-Mobil kommt auf Touren, straff und schnell geht es weiter. Dass australischer Hardrock vom rasanten Berliner Bluesrock nur eine Saitenlänge entfernt ist, wird mit LASS MICH GEHEN bewiesen, einem der Stücke aus der jüngeren Bandgeschichte, das, ebenso wie die darauf folgenden Songs KOMM ZU MIR, WAHRHEITEN und AN DICH ALLEIN, bisher noch nicht, aber in naher Zukunft auf einem Tonträger erscheinen soll. Namhafte Gäste aus Nah und Fern Von der Gegenwart geht es zurück in die Geschichte, und die wird ab jetzt von den vielen Geburtstagsgästen erzählt. Gitarrist Tobi Hillig aus dem thüringischen Schmölln macht den Anfang und verleiht der machtvollen Mitsing-Hymne KINDERTRAUM und dem darin besungenen Thema "Fliegen" eine zusätzliche sphärische Soundnote. Gleich darauf bekommt auch die SCHWARZE MARIE, dieser wirklich großartige Song, von Hilligs Gitarre ein frisches Lächeln ins Gesicht gezaubert.
Männlich wird es wieder im nächsten Part. Wie sollte man die Band-Story erzählen können, ohne auf Sebastian Baur zu verweisen? Als gefeierter KNORKATOR-Gitarrist ist er sicher einer der berühmtesten MONOKEL-Aussteiger aller Zeiten. In der Groove-Abteilung arbeiten jetzt Lello an den Drums und Ex-KRAFTBLUES- und Jetzt-POLKAHOLIX- und SEILSCHAFT-Bassist Christoph Frenz. EMIL ist der Song, den diese Combo vorträgt, und danach, irgendwie doch gut gewählt für "Buzz Dee", DAS LUMPENLIED! Was gute Klamotten ausmachen können, demonstriert auch Conferencier DR. KINSKI, der im Las-Vegas-Outfit und mit gekünsteltem amerikanischem Akzent erneut den Elvis gibt: JAILHOUSE ROCK - und alle haben ihren Spaß daran. Past meets Present meets Future Danach betritt jemand die Bühne, den man mit gutem Recht als Personifizierung einiger wesentlicher Kapitel der Ostrock-Geschichte bezeichnen kann: Drummer-Legende und amtierender Charlie Watts bei STARFUCKER, Bernd Haucke, Ex-SET, Ex-PRINZIP, Ex-NO55, Ex-MODERN-SOUL-BAND und selbstverständlich Ex-MONOKEL. Mit ihm kommt Mike Seeber, ein überaus bemerkenswerter Gitarrist, der unter Kennern schon lange als wichtiger Protagonist einer neuen deutschen Blues-Generation gehandelt wird. Seeber, erst Mitte Dreißig, begeht in wenigen Tagen sein bereits zwanzigjähriges Bühnenjubiläum. Er bezeichnet sich selbst gern als Ziehsohn der Kraftblues-Familie. Folgerichtig bringt er seine Version von NIE WIE VATER! - ein starkes Stück, das etwas verhalten beginnt und sich schließlich machtvoll entfaltet. Die Akteure vollziehen nahezu fliegende Wechsel. Viele der Bluessongs werden vom Harp-Virtuosen Matthias "Matze" Stolpe begleitet. Unmöglich, über die lange Zeit des Konzertes den protokollarischen Überblick zu behalten. Indes bleibt die Hoffnung, dass die Mitschnitte der Video-Kamera uns dieses Ereignis bald noch einmal vor Augen und Ohren führen werden. Allein die immer wieder überraschende und doch so perfekt ablaufende Dramaturgie verdient einen Extraapplaus. Jedes neue Line up liefert einen weiteren Glanzpunkt zu diesem ohnehin schon riesigen Highlight.
Nach SCHWEINE NACH VORN, AHAHA und DAS MONSTER VOM SCHILKINSEE, meldet sich Boddi Bodag zu Wort. Er erinnert sich an seine frühesten Anfangszeiten, noch vor ENGERLING, und an seine lange Freundschaft zu Bernd "Kuhle" Kühnert, um endlich nach all den Jahren dessen persönlichen Wunsch zu erfüllen und gemeinsam mit ihm A SALTY DOG von PROCOL HARUM zu intonieren, begleitet von Lello Lojewski und Bernd Haucke an den Drums und Pitti Pflüger am Bass. 35 Geburtstagsgurken aus Lübben City! Eine weitere Überraschung ist eine beherzte Gratulantin, die aus dem Publikum heraus die Bühne entert. Evi aus Lübben - der Stadt, der die Band MONOKEL ein musikalisches Denkmal gesetzt hat, in der sie aber, soweit bekannt, noch nie aufgetreten ist. Evi gratuliert der Band und überreicht dem sichtlich gerührten Lefty 35 original Spreewaldgurken.
Im Finale nimmt das Boogie-Mobil noch einmal volle Fahrt auf! Es dampft und klampft, dass die Fetzen fliegen. Bei PETER GUNN und, ja klar, zu BYE BYE LÜBBEN CITY sind alle fünf Gitarristen, Kuhle, Lefty, Basti, Mike und Tobi, gewaltig am Heizen. Angetrieben von Bernd Haucke und Dicki Grimm an den Trommeln und von Lello, wieder mit Waschbrettbauch. Leute, was für eine Kraft, was für ein Fest! Mit der stürmisch vom Publikum geforderten Zugabe GOING DOWN, auch von allen Beteiligten gespielt, findet dieses einzigartige Konzertereignis kurz vor 23:00 Uhr sein fulminantes Ende. Weitere Gäste und Momente:
MONOKEL KRAFTBLUES:
After Show News - was noch zu erfahren war ... Der bereits im September-Interview mit Lefty und Kuhle erwähnte Video-Mitschnitt des Spremberg-Konzertes wird um Sequenzen des Berliner Konzertes erweitert und soll im Frühjahr 2012 veröffentlicht werden. Zuvor erscheint das seit langem fällige neue Studio-Album - mit den Titeln, die zwar live schon oft gespielt wurden, bisher aber nicht auf einem Tonträger zu finden sind, ergänzt um einige völlig neue Songs! Bericht von Grit Bugasch: 35 Jahre Monokel - Nachbrenner-Party im Frannz
Aber dieses Konzert soll nicht irgendein Konzert werden, sondern die Nachbrenner-Party zum Bandjubiläum. Ein Konzert an einem historischen Ort - im Frannz-Club, dem einstigen Domizil der Ostberliner Blues-Szene. Noch dazu verspricht die Liste der angekündigten Gäste quasi ein Best-of-Best mit Monokel-Musikern aus verschiedenen Band-Epochen und diversen Freunden. Am Freitagabend sind wir also schwer gespannt auf das, was da kommen soll. Als wir im Frannz eintreffen, ist die Besucherzahl noch ziemlich übersichtlich. Trotzdem suchen wir uns vorsichtshalber gleich unsere Plätze direkt vor der Bühne. Ein erster neugieriger Blick auf die Setlist bestätigt unsere Vermutungen. Die Jungs haben große Pläne für heute Abend - insgesamt 28 Titel finden sich auf der Setlist und uns steht offensichtlich ein wahres Bluesfestival bevor.
Einer nach dem anderen kommen sie auf die Bühne und spielen in wechselnden Besetzungen die legendären Songs der Blueser- und Kundenszene. Das augenscheinlich informierte Publikum freut sich über jeden Einzelnen ganz besonders und begrüßt sie bzw. ihn entsprechend begeistert. Der einzige Angekündigte, der nicht auf der Bühne zum Einsatz kommt, ist Frank Gahler, was wir sehr schade finden. Aber Grund zum Jammern gibt es heute Abend keinesfalls. Auf der Bühne treffen ganz unterschiedliche Charaktere und Musiker aufeinander - jeder auf seine Art einmalig und im Zusammenspiel absolut genial.
Die Temperaturen und die Stimmung im Frannz steigen im Laufe des Abends unaufhörlich, wozu die super Songauswahl natürlich wesentlich beiträgt. Ob bei absoluten Klassikern wie "Schwarze Marie", "Das Lumpenlied", "Das Monster vom Schilkinsee" oder "Bye Bye, Lübben City" - auf der Bühne und davor rocken die Leute gleichermaßen. Aber auch ruhigere Songs wie "Wounded Heart", von Steffi Breiting und Boddi Bodag präsentiert, kommen nicht weniger kraftvoll rüber. Wir sind schwer beeindruckt von den Arrangements und der Umsetzung. Ich kann mich an kein anderes Konzert erinnern, bei dem so viele Gitarristen gleichzeitig auf der Bühne gewesen wären. Im besten Falle sind es heute fünf Gitarristen auf einmal und was die so alles mit ihren Instrumenten anstellen bzw. aus denselben herausholen, ist der Wahnsinn. Auch die stellenweise Besetzung mit zwei Drumsets ist einfach nur genial. Passender kann das Attribut Kraftblues wirklich kaum umgesetzt werden. Nicht zu vergessen natürlich die beiden Bassisten, die die tiefen Saiten mit voller Power vibrieren lassen, den Mann mit dem satten Sound an der Mundharmonika und Boddi am Keyboard, dessen zeitweises Spiel im Stehen offenbar die höchste Stufe der Verzückung signalisiert.
Das alles steigert sich bis zum großen Finale, bei dem man fast Angst haben muss, dass die Bühne wegen Überfüllung geschlossen werden könnte. Zum Abschluss präsentieren sie dem Publikum eine große Session, die begeistert gefeiert und aufgenommen wird. Danach enden Spaß und Genuss des heutigen Abends allerdings ziemlich abrupt, weil die Auflagen des Veranstalters offensichtlich keine Zugaben mehr erlauben. Da hilft auch der begeisterte Applaus der Besucher nichts. Aber alles in allem bleibt es dabei: Es war ein grandioses Konzert mit klasse Songs aus dem riesigen Monokel-Fundus, mit leidenschaftlichen Musikern und super Stimmung. Ein Genuss für Augen und Ohren der anwesenden Bluesfans - das muss man einfach erlebt haben, um die Begeisterung auch nur einigermaßen nachempfinden zu können.
Die nächsten MONOKEL Kraftblues-Termine: 14.10. - Gierstedt - Zum goldenen Lamm 15.10. - Halle - Altes Postamt 22.10. - Altdöbern - Schützenhaus 04.11. - Barby - Rautenkranz (mit Electra) 19.11. - Zossen - E–Werk (mit KIRSCHE & CO) 02.12. - Belzig -„Burgkeller“ unplugged 25.12. - Ebersbrunn - „Gasthaus zum Löwen“ Bitte beachtet auch: - off. Homepage von Monokel Kraftblues: www.monokel-kraftblues.de - Homepage des Frannz Clubs in Berlin: www.frannz.de - Portrait über Monokel: HIER - Interview mit Monokel aus Oktober 2011: HIER
Live-Impressionen:
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