Ich weiß eigentlich gar nicht so richtig, warum ich seit Jahren nicht mehr im Q 24 in Pirna war. Eigentlich ist das wirklich eine schöne Veranstaltungsstätte mit einem erlesenen Programm. Das letzte Mal war ich jedenfalls vor dem Elbehochwasser im Jahr 2002 dort. Die Jahrhundertflut hatte damals übrigens auch dem Q 24 mächtig zugesetzt. Das hatte natürlich imense Konsequenzen. Um diese einzigartige Lokalität nicht sterben zu lassen, gründeten engagierte Bürger im August 2002 den Verein Kleinkunstbühne Pirna Q24 e.V., der seither die Kleinkunstbühne betreibt.
Gestern hieß es aber in Pirna: "MONOKEL-Kraftblues is in town". Da konnten wir natürlich nicht widerstehen. Wir waren in diesem Fall gestern die verstärkte Jugendbrigade aus dem Erzgebirge, Bernd und Angela sowie meine Wenigkeit. Als ich am Q 24 ankam, waren die Musiker gerade beim Soundcheck, und der Saal war für die Konzertbesucher eigentlich noch gesperrt. Ich nahm mir aber gleich mal die Freiheit und schlich mich heimlich hinein, um die Band zu begrüßen und ein wenig ihrer Musik zu lauschen. Als ich den Saal wieder verlassen hatte, lief ich gleich Angela und Bernd in die Arme. Die beiden wollten sich MONOKEL erstmals live ansehen. Wenig später trafen auch Tina, Melli und Dietmar (aber nicht der "Mugge"-Dietmar, Anm. d. Red.) am Ort des Geschehens ein. Tina hatte auch die selbst entworfenen neuen MONOKEL-Shirts im Gepäck. So waren wir nun gut gerüstet für das Konzert.
Gegen 20.30 Uhr kamen die Musiker, begleitet von den ungewöhnlichen und schmissigen Blasmusiktönen der Paul Linke-Melodie "Das ist die Berliner Luft", auf die Bühne.
Wie immer bei MONOKEL standen wir natürlich in Reihe 1 und mit dem Opener "Kindertraum" legten Lefty, Kuhle, Dicki und Pitti gleich mit Volldampf los. Der Sound stimmte von Anfang an, und die Band war offensichtlich allerbestens gelaunt. Nach dem "Wolf" folgte mit "Das Monster vom Schilkinsee" wieder ein Evergreen von der ersten MONOKEL-LP, welche im Jahr 1986 bei AMIGA erschien. Es ist ja kein Geheimnis, dass MONOKEL mit ihrer musikalischen Mischung aus Blues und Rock, sowie dem unverkennbaren Saitenspiel der beiden Ausnahmegitarristen Bernd "Kuhle" Kühnert und Michael "Lefty" Linke, mittlerweile schon Generationen von Fans anzieht. Lefty und Kuhle zauberten auch gestern wieder knallharte Riffs, furiose Solos und spielerische Melodien aus ihren Handgelenken und ihren Instrumenten. Die Band MONOKEL ruht sich allerdings auch nicht auf ihren Lorbeeren aus vergangenen Zeiten aus. Die Kraftblues-Brigade trifft mit ihrer Musik und ihren Texten auch im Hier und Jetzt den Nerv des Publikums. Das liegt auch an den Texten, die nicht von Friede, Freude, Eierkuchen handeln, sondern durchaus sehr viele menschliche und gesellschaftliche Probleme beschreiben. Die besten aktuellen Beispiele dafür sind für mich die Lieder "Kein Engel" und "Schweine nach vorn", die auch gestern natürlich nicht fehlten. Michael "Pitti" Pflüger am Bass und Schlagzeuger Dicki Grimm machten mit ihrem präzisen und druckvollen Zusammenspiel den typischen MONOKEL-Sound auch gestern wieder in bewährter Art und Weise komplett.
Nach der Pause kamen die Männer mit "Nie wie Vater" auf die Bühne zurück. Dann traute ich meinen Ohren kaum, denn MONOKEL hatten einen neuen Titel im Repertoire. Der Song ist so brandneu, dass Lefty Linke noch nicht mal sagen konnte, wie der Titel denn heißt. Schlagzeuger Dicki Grimm hatte Lefty vorsichtshalber einen Zettel mit den Anfangszeilen vorbereitet, und nach dem Soundcheck durfte ich das Lied zum zweiten Mal erleben. Vom Text sind mir mit "manchmal fluchen wir auf den Scheiß, manchmal singen wir laut, manchmal sehen's wir nur schwarz und weiß" nur ein paar Brocken in Erinnerung. Aber das Lied geht wirklich richtig ab und reißt ordentlich mit. Als die ersten Gitarrentöne von "Schwarze Marie" erklangen, ging ein Jubelschrei durch den Saal. Nach dem Lied gab es erstmals an diesem Abend ausgiebig Standing Ovations für das MONOKEL-Quartett. Die begeisterten Fans durften dann bei "Ahaha" wechselseitig mit der Band ihre Sangeskünste unter Beweis stellen.
Natürlich kamen dann auch noch die MONOKEL-Alltime-Favoriten wie das "Boogie-Mobil" und "Bye,bye Lübben-City". Im Saal wurde mitgewippt, mitgesungen und getanzt. Da konnte sich die Kapelle natürlich nicht einfach so davonschleichen, und die Musiker kehrten für einige Zugaben auf die Bühne zurück. Das Konzert ging dann mit ein paar internationalen Blues-Klassikern zu Ende.
Bei ausgiebigen Gesprächen mit den Musikern über Vergangenes und Künftiges ließen wir dann den Abend ganz, ganz langsam ausklingen.
Foto Impressionen:
Fotos von Gundolf:
Fotos von Angela und Bernd: