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Mykey Mynety am 05. Juni 2010 in St. Marien zu Berlin Spandau Bericht: Toralf Schneider Fotos: Catrin Herzfeld
Swing war für mich immer eine tote musikalische Stilrichtung, gestorben, lange bevor ich geboren wurde... Klar, sie hat ihren Platz in der Musikgeschichte, klar habe ich auch ne CD von Frankie Sinatra in der Sammlung, die gehört einfach dazu, gern benutzt als musikalisches Grundrauschen in der Badewanne. So hat es übrigens dem Vernehmen nach auch bei Mykey angefangen! Klar war das schon mal irgendwie cool... aber heute? Ich zu 'nem Swing Konzert? Nun ja, es war ein wunderschöner, sonniger Samstagnachmittag, die Zeichen standen also schon mal auf entspannt und relaxt sein, der Veranstaltungsort, St. Marien in Berlin-Spandau, im übrigen ein sehr sehenswertes Gotteshaus, machte mir zwar ein bisschen Sorgen. Kirchen sind von der Akustik her einfach nicht für „moderne“ Konzerte gebaut worden, denn wenn in der letzten Reihe auch nur getuschelt wird hört sich das an wie über 'nen Verstärker. Leider hat sich das auch hier wieder bestätigt, um mal gleich einen der wenigen Kritikpunkte an den Anfang zu stellen. Publikum strömte reichlich, das Gestühl war sehr gut gefüllt, etwas erstaunt war ich über den Altersdurchschnitt. Etwas salopp gesagt hätten 80% der Besucher auch schon der Taufe von Frank Sinatra beiwohnen können, man verzeihe mir diesen Affront, offenbar sind aber viele „jüngere“ Semester von dem gleichen Vorurteil wie ich befallen. Also zumindest befallen war... Denn damit wurde aufgeräumt... Mykey trat pünktlich an, versprach mit dem Koffer in der Hand eine Reise aus dem Alltag heraus und genau das wurde es dann auch... So ähnlich wie mit der Homöopathie und den übersinnlichen Fähigkeiten der Großmütter, keiner glaubt dran und trotzdem wirkt es. Abgegriffen aber wahr, Swing war ein Lebensgefühl, so eine Art Zeitgeist, Mykey hat es geschafft selbigen neu auferstehen zu lassen, zumindest für die Zeit des Konzertes, was schon sehr viel ist, dabei aber nicht zu kopieren sondern zu interpretieren. Sprich er hat nicht meine schon erwähnte Frankie-CD nachgesungen, sondern da war eigenes Herzblut am Werke, da hat jemand gesungen, der diese Stilrichtung leben kann. Hut ab, mit selbigen experimentiert er auch gern. Das bietet sich ja an, wiewohl der Strohhut aus der Sammlung gestrichen gehört. Reise aus dem Alltag: Die wurde es dann auch! Wie schon geschrieben: hätt' ich nicht für möglich gehalten, hab mich weggetragen gefühlt... Von „Sentimental Journey“, „The Lady Is A Tramp“, „Mr. Bojangles“, „Strangers in The Night“, um mal nur den Standard zu nennen. Standard, gutes Stichwort, das war Roland Hamann nicht, sondern weit, weit darüber, kongenialer Begleiter von Mykey am Bösendorfer... Na ja und wie so oft liegt das Besondere im Speziellen, der Song der mir am besten gefallen hat, war „Still Got The Blues“ von Gary Moore, stellt den Swing aber nicht in den Schatten, sondern heisst nur: Mykey kann auch Blues... auf zum nächsten Soloprogramm. Zeit fürs Fazit: Ganz einfach: Hingehen und sich mitnehmen lassen, und am besten, die Vorurteile, die ich noch hatte... gleich zuhause lassen...
Fotoimpressionen:
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