Gold-Verleihung für die DVD "Ostrock in
Klassik" am 25. Februar 2010 in Berlin



Bericht: Andreas Hähle
Fotos: Patricia Heidrich





OST ROCK-KLASSIK - GOLD-DVD FÜR 2007 UND VORSCHAU AUF 2010
Wir, Patti und ich, sind ja gerne mal unterwegs und wollen alles wissen. Aus diesem Grunde gehen wir manchmal auch sehr gern dorthin, wo sich - wenn schon nicht alle -, ganz viele Menschen treffen. Wenn wir dorthin eingeladen werden. Da sind uns solche Gelegenheiten wie die Verleihung einer DVD in Gold für das mitgeschnittene Konzert-Projekt "Ost-Rock in Klassik 2007" gerade recht. Vor allem auch dann, wenn damit auch gleich klugerweise die Werbetrommel für die nächste anstehende Ost-Rock-Klassik-Tour 2010 gerührt wird.

Wir fanden uns in einem recht gut organisierten Rahmen ein und uns damit zurecht. Man hatte die Möglichkeit, sich bei drei verschiedenen Stellen anzumelden. Bei dem Stand "Künstler/Komponisten + Texter" - das waren wir nicht -, bei dem Stand "Gäste + Künstlerbetreuung" (früher hieß das, glaube ich, Hostessen) - das waren wir nicht -, bei dem Stand "Presse" - das waren wir. Das Foyer füllte sich, Foto- und Fernsehkameras kreisten und ich versuchte mir die Zeit bis zum offiziellen Beginn der Veranstaltung mit dem lustig-bunten Gesellschaftsspiel "who is who" zu vertreiben. Manche der Defilierenden erkannte ich, manche kannte ich gar nicht, manche erkannte ich nicht, aber wir trafen Uti Saxo. Die kriegt sie nicht nur alle vor die Linse, die Uti erkennt sie auch alle. Andererseits glaube ich, die meisten der Anwesenden waren gar keine "Ostrocker". Ostrocker sind ein eigenes Völkchen. Sie kennen sich alle unter einander und mögen sich - zumindest bei solchen Anlässen - alle ganz ganz dolle. Und die Herzlichkeit der Begrüßungen ist nicht einmal gespielt, das Lächeln nicht aufgesetzt, sondern aus tiefer Seele kommend. Anna Loos kam ja auch erst später. Das traurige Damoklesschwert dabei sind wohl auch die sich jüngst leider mehrenden Todesnachrichten aus den Ostrock-Reihen und die wohl in allen Herzen rumorende Frage, ob man sich denn überhaupt noch einmal wieder trifft. Natürlich spricht darüber niemand, aber es geht doch sehr an die Nieren und es tut auch sehr weh, jeder einzelne Verlust. Die Ostrocker, zumindest die originalen, die aus DDR-Zeiten, sind in der Tat eine aussterbende Spezies. Aber auch das macht sie - neben all den großartigen und im gesamtdeutschen Raum immer noch viel zu wenig beachteten musikalischen Leistungen - zu etwas ganz Besonderem. Dies und ein Teil der genannten musikalischen Leistungen sollten an diesem Abend gefeiert und gewürdigt werden.

Innen, im Saal des Kinos "International", wo der offizielle Teil des Abends stattfand, war das Equipment des Filmorchesters Babelsberg aufgebaut. Vor einer großen Kinoleinwand, auf der das Motto des Abends prangte: "Ost-Rock Klassik". Das Publikum wurde vom Moderator Jürgen Karney begrüßt, der durch diesen Abend souverän, aufgeräumt und locker führte. Nach der Begrüßung sahen wir Ausschnitte aus der nun vergoldeten DVD: das Filmorchester Babelsberg, Karat, Interviewausschnitte mit Mitgliedern des Orchesters, Veronika Fischer (mit der "Schneeflocke" von Franz Bartzsch), Werther Lohse, ein Interviewausschnitt mit dem Produzenten und Arrangeur Rainer Oleak (vom Publikum beklatscht), Aufnahmen von den Studioaufnahmen, Silly (wonach Jan Josef Liefers seine Frau lobte), Ute Freudenberg (auf der Bühne und im Interview), Dirk Michaelis (der frenetisch im Saal beklatscht wurde), Dieter Birr im Interview und die "Puhdys" beim Konzert (auch mit starkem Beifall bedacht), Ed Swillms, Carmen Hatschi und Jäcky Rezniczek in vereinfachter Konzertstimmungsbeschreibung ("Wahnsinn, nee, Wahnsinn"), das Finale mit allen Teilnehmern 2007. Eine lockere Zusammenstellung aus DVD und Bonus-DVD.

Nach dieser Vorführung benannte Jürgen Karney die am Gold-Produkt beteiligten Texter und Komponisten, die da z.B. waren: Helmut Richter (Text "Über sieben Brücken"), Norbert Kaiser (etliche Texte für "Karat"), Gisela Steineckert (Text "Als ich fortging"), Burkhard Lasch (etliche Texte für Ute Freudenberg), die "Puhdys" als Autoren sowie einzeln Dieter Birr als Texter ("Eisbären", "Das Buch"), Ulrich "Ed" Swillms als Komponist vieler "Karat"-Titel, "Silly" als Komponisten-Team ihrer eigenen Titel, einzeln Uwe Haßbecker und Tamara Danz ("S.O.S.", "Asyl im Paradies"), Dirk Michaelis als Komponist von "Als ich fortging", Bernd Henning als Komponist von "Jugendliebe", Peter Gotthardt als Komponist von "Wenn ein Mensch lebt", der VEB "Puhdys" als Komponisten weiterer Songs aus ihrem Repertoire.
Es folgte das Gedenken an die Verstorbenen. Bilder von Franz Bartzsch, Peter "Cäsar" Gläser, Kurt Demmler, Ulrich Plenzdorf, Gerhard Gundermann, Henry Pacholski, Tamara Danz - unterlegt von "Asyl im Paradies", allerdings mit einem schrecklichen Gesang, der nicht von Tamara Danz stammte. Zudem fehlten mir in dieser Auflistung viel zu viele wichtige Menschen, die von uns gingen und ich weiss nicht, nach welchen Kriterien diese Auswahl getroffen worden ist, die mir - gerade bei solch einem Anlass des Gedenkens - viel zu lieblos vorkam.

Nach diesem dennoch sehr wichtigen Teil wurde das Filmorchester Babelsberg auf die Bühne gerufen sowie zum Interview der "Buschfunk"-Geschäftsführer Klaus Koch, der sich darüber freute, zum 20jährigen Jubiläum die erste "Goldene DVD" (25.000 verkaufte Exemplare) feiern zu können und somit vor allem die Künstler, deren Verdienst dies ist.
Der nächste Interviewpartner war der Intendant des Filmorchesters Babelsberg Klaus Peter Beyer, der noch einmal betonte, wie toll dies ist - trotz aller Erfolge, welche dieses Filmorchester bereits vorweisen kann -, solch eine Auszeichnung mal für eine Arbeit zu Hause errungen zu haben.
Und nun kam der große Überreichungsparcour: die "Puhdys", die drei Herren von "Silly", "Karat" (leider ohne den für diese nun schon 35 Jahre alte Band so unglaublich wichtigen Claudius Dreilich, ohne den, wie Bernd Römer es ausdrückte, diese Band nicht mehr existieren würde, aber mit Ed Swillms), Dirk Michaelis und Werther Lohse. Veronika Fischer und Ute Freudenberg waren aus terminlichen Gründen ebenfalls nicht anwesend. Weiterhin wurden goldene Scheiben an die Mitmacher der DVD überreicht, wie an den Regisseur Ulli Meißner, aber auch an den Grafiker Jan Hülpusch (der nicht nur die DVD gestaltete, sondern auch die Auszeichnung selbst und somit auch mit seiner eigenen Arbeit geehrt wurde). Natürlich auch, und das frenetisch gefeiert, wurden der Produzent Rainer Oleak und der "Erfinder" des Projekts, Rolf Henning, auf die Bühne gebeten. Letzterer bedankte sich auch bei den Technikern sowie beim Veranstalter der Wuhlheide, wo die DVD aufgezeichnet wurde. Der Dirigent Bernd Wefelmeyer erhielt den Preis stellvertretend für das Filmorchester Babelsberg.

Und schon dirigierte er dieses Orchester livehaftig. Die Ouvertüre des Projekts, welche auch auf der DVD zu erleben ist. Werther Lohse sang danach "Wasser und Wein" (der Käßmann-Song, wie einer der Anwesenden murmelte), mit Fingerschnipsen vom Publikum und Kastagnetten. Thomas "Monster" Schoppe zelebrierte die DDR-Volkshymne "Wer die Rose ehrt". Mike Kilian und Herr Petereit von "Rockhaus" traten auf mit "I.L.D." und dem aufgrund nicht vorhandener Textsicherheit leider verhunzten für mich schönsten Ost-Rock-Klassiker aller Zeiten "Apfeltraum" in einer wunderschönen Orchesterfassung, die mir den hilflos schwimmenden Kilian aus dem Sinn blies. Ich hoffe dennoch sehr, dass bei der "Ost Rock Klassik 2010"-Tour Marcus Schloussen diesen Titel singen wird. Mal schauen … Der Wahl-Ire Günter Fischer saxophonierte den legendären Film-Song "Solo Sunny". Gesungen wurde er von seiner Tochter Laura und das richtig unter die Haut gehend. Dies alles wird vielleicht ebenso auf der Tour "Ost Rock Klassik 2010" zu erleben sein wie "City", für die an diesem Abend Toni Krahl alleine mit Gitarre die orchestrale Version von "Casablanca" vorstellte. Das Duo "Maschine & Quaster" erinnerte an die "Lebenszeit" und somit auch an das mittlerweile 41. Jahr der "Puhdys". Dirk Michaelis wagte das Meiste und wohl auch Größte an diesem Abend. Er offerierte, sicher nicht nur für mich völlig überraschend, den Titel "Wie ein Fischlein unterm Eis" und zwar: a capella. Mir selbst war danach nach Standing Ovations. Aber ich konnte mich gar nicht erheben, auch wenn ich wollte, ich war baff und platt und überaus beeindruckt. Ebenso von der unglaublich dynamisch arrangierten sinfonisch zu nennenden Aufführung von "Wo bist Du" der Gruppe "Silly", woran vielleicht gar auch Ravel seine helle Freude gehabt hätte. Mit "Wind trägt alle Worte fort", einem Franz-Bartzsch-Klassiker in einer All-Stars-Fassung von der goldenen DVD wurden die Namen aller an der Produktion dieser DVD Beteiligten auf der Kinoleinwand eingeblendet und der offizielle Teil endete.

Viele nutzten die Zeit danach, wieder im Foyer, für Gespräche. Patti und ich weniger. Das heißt, wir unterhielten uns mit André Gensicke, der uns von seiner neuen Produktion mit Katrin Lindner erzählte, aber davon... erfahrt Ihr zu gegebener Zeit ausführlicher. Erst einmal freuen wir uns auf die nächste Tournee mit Ostrock Klassik und wünschen dieser und allen daraus entstehenden Produktionen einen verdienten großen Erfolg.




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