Paulsrekorder live am
10. März 2009 in Hamburg



Bericht: Holger Stürenburg
Foto: PR




Wenn Bruce Springsteen Punkrocker wäre… dann klänge er mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht anders, als "PAULSREKORDER", eine junge, höchst talentierte Band aus Bremen, die sich derzeit auf Deutschlandtournee befindet und am vergangenen Dienstag, dem 10. März 2009, im gemütlichen Hamburger Club "LOGO" an der Grindelallee gastierte. Der heißblütige Frontmann David Jürgens und seine Begleiter - 2 x git, b, dr - vermögen es auf schier kongeniale Art und Weise, die legendären Sounds der coolen 80er, ohne jegliche Verschleißerscheinungen, ins Hier und Jetzt zu transferieren - und dies, obwohl die meisten Musiker von "PAULSREKORDER" in der kühlen Dekade wahrscheinlich kaum geboren waren, und wenn, dann höchstens als Kleinkinder durch die neonhelle Welt jener unvergleichlichen Tage hüpften.
"Hier und Oben" (Ferryhouse/Vertrieb: WMG) nennt sich das phänomenale Debütalbum des Quintetts von der Weser, das uns 80er-Kinder, die wir NDW, Nena, Nato-Doppelbeschluß ‚live' und hautnah miterlebt haben, genauso in seinen Bann ziehen dürfte, wie diejenigen Vertreter der (laut HR Kunze) "erbärmlichen Jugend von heute", die sich erfolgreich dagegen sträuben, als "erbärmlich" verschrienen zu sein, sondern statt dessen vielmehr Geschmack, Stil und Vielseitigkeit aufzuweisen in der Lage sind.
Nach einer Tournee mit der Neo-Deutschrock-Band "MIA" 2008/2009, wagten "PAULSREKORDER" es nun, sich ohne prominente Unterstützung durch dieses, unser Land zu bewegen - mit einer rund eineinhalbstündigen Show der Extraklasse, welche musikgeschichtlich die 80er Jahre innerhalb von Sekunden im krisengeschüttelten Jahr 2009 neu aufleben lässt. So auch am vergangenen Dienstag im "LOGO".
Zunächst zelebrierte eine weitere, nicht unbegabte Nachwuchsband namens "TANNER" ein paar Songs, angesiedelt irgendwo zwischen knallhartem Gitarrenrock und bläserbetontem Jazz - wobei dem Kundigen nicht ganz klar wurde, in welche Richtung sich "Tanner" entwickeln wollen. Mögen sie sich eher in jazzigen Gefilden einfinden, oder mehr im Rockgenre reüssieren. Kreatives Potential besitzt die Truppe, keine Frage. Derzeit aber wirken ihre vertrackten, deutschgesungenen Kompositionen noch recht unausgegoren und provinziell - was sich jedoch natürlich jederzeit ändern kann.
Ja, und dann betraten "PAULSREKORDER" die Bühne des "LOGO" nahe der Hamburger Uni. Rund 100 Zuschauer, darunter viele schnieke junge Damen der 90er-Jahre-Generation, feierten mehr als eine Stunde lang 17 Titel der NDW-Heroen des neuen Jahrtausends. Alleine das treffliche Synthi-Intro, die grün und rosa erstrahlenden Neonröhren und Davids klassischer "Popperschnitt", gemahnten umgehend an diejenigen Tage, in denen einfach alles nur BESSER war.
Mit dem drallen Titelsong ihres grandiosen CD-Debüts, "Hier und Oben", starteten die fünf Bremer ihre mitreißende Zeitreise, mittenmang in die Untiefen unserer Jugend. Es folgten - sogar noch weitaus druckvoller, drastischer, monumentaler inszeniert, als auf besagter Silberscheibe - rockig-punkige Hymnen der Sorte "Hol mich hier raus", "Captain Future" oder "Kühl".
Ob es die "spätgeborenen" Mitglieder von "PAULSREKORDER" überhaupt wissen, weiß ich nicht… aber in all diesen powervollen Ohrwürmern erkenne ich ein ums andere Mal eine nicht weg zu diskutierende Prise "Boss" - die Herrschaften scheinen das sprichwörtliche Adrenalin jener "Glory Days" offenkundig mit der Muttermilch aufgesogen zu haben.
Baßlastig, treibend, zeigte sich die brandneue, bislang unveröffentlichte Nummer "321", während der bereits auf "Hier und Oben" berücksichtigte Brachial-Rocker "Jetzt" unverblümt positiven Hedonismus an den Tag legt und die recht düster gehaltene Ballade "Begraben" absolut gekonnt mit Elementen aus dem 1989er-"The Cure"-Tophit "Lullaby" experimentiert - und trotzdem erneut Springsteen'eske Fragmente in sich trägt. Daraufhin erklangen wiederum zwei bislang auf keinem Tonträger erhältliche Titel: So der zickig-zackige, an "Ideal" oder "Extrabreit" erinnernde Ska/Reggae-Verschnitt "Sushi Bar" und die knallharte Wave/Rock-Melange "Okay", die insbesondere durch ihren intimen, enorm atmosphärischen, authentischen Text besticht.
Kräftigen, deftigen Synthipop a la Carte vernahmen wir nun Dank "Verschwende meine Zeit", klassischen Mitt-80er-Deutschrock dagegen in "Lauf". Nach der - bis dato ebenfalls noch nicht erschienenen - ultraschnellen Synthiode "Vergessen", hörten die hingerissenen ZuhörerInnen im "LOGO" lyrisch so bissige, wie liebenswerte/augenzwinkernde "Anmachen", etwa zugunsten eines sehr sexy, aber extremst berechnenden Mädels, welches die Herren von "PAULSREKORDER" irgendwann mal im sagenumwobenen Bremer Discoschuppen "Stubo" kennen gelernt hatten ("Rhythmus-Videoclip"), oder an das so wilde und coole, wie gleichsam oberflächliche und naive "Discomädchen".
Die kryptische Liebeserklärung an "Anna", mit der "PAULSREKORDER" vor einem Jahr bei Stefan Raabs "Bundesvision Contest" für ihren Heimat-Stadtstaat Bremen angetreten sind (und somit erste Aufmerksamkeit auf ihre knackigen, fetzigen, temporeichen Punk/Wave-Oden lenkten), sowie die strahlende, mitreißende NDW-Reminiszenz "An, mach mich aus", beendeten gegen 23.30 Uhr eine musikgeschichtlich äußerst relevante Tour de Force durch das Lebens-, Liebens- und Leidensgefühl der anbrechenden 80er Jahre, präsentiert von einer überaus gekonnt und energetisch agierenden Band, deren einzelne Mitglieder zwar betreffs des Denkens und Fühlens der Ära von "Friedensbewegung", "Geistig-Moralischer Wende" und "Summer of Pop" die "(Un)Gnade der Späten Geburt" erfahren mußten, aber in tatsächlich nur als brillant zu bezeichnender Manier alles dafür tut, daß eben jenes Leben, Denken, Fühlen, Lieben und Leiden der "Eighties" auch und gerade der nachgeborenen Generation auf ehrliche, originäre und überzeugende Weise nahe gebracht wird.
"PAULSREKORDER" - die im Konzertgewand übrigens noch wesentlich kräftiger, (positiv) radikaler, gitarrenlastiger und schwitziger ertönen, als auf erwähntem Silberling "Hier und Oben" - haben ohne jegliche Zweifel eine große Zukunft vor sich. Den fünf Bremern gelingt es auf zauberhafte Weise, 1982 mit 2009 ohne Divergenzen und stilistische Brüche, musikhistorisch einwandfrei, miteinander zu verbinden, vielleicht gar zu versöhnen. Eine liebe Freundin und ich bewerben gerade ein - fraglos außergewöhnliches - Konzert am 08.04.09 in Hamburg unter dem Motto "Ian Cussick meets Edo Zanki". Bald mehr dazu von mir. "PAULSREKORDER" besitzen die einmalige Fähigkeit zu "1982 meets 2009" - keine Sorge, liebe Leserinnen und Leser, ich werde die Karriere dieser super Band auf jeden Fall mit größtem Interesse weiterverfolgen!

Bitte beachtet auch: www.paulsrekorder.de