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Ich erfuhr zwei Tage vorher, dass ich zu den glücklichen Gewinnern gehöre. Nur das hätte mir nichts genützt, für das Verkehrschaos von Berlin reichen meine Fahrtkünste nicht. Aber schon wieder war mir Fortuna hold, ich fand eine nette Mitfahrgelegenheit, die Erzgebirgische Jugendbrigade des Puhdysforums hatte einen Platz im Auto frei. Polkaholix ist eine Band, da kann man einfach nicht "Nein" sagen, wenn man nach Berlin gerufen wird. So viel Action erlebt man ganz selten. Die legten in Bigband-Besetzung los, um ihre Mission zu erfüllen, die da ganz einfach heißt: No Polka! No Fun! Es gibt so gut wie nichts, aus dem es ihnen nicht gelingen würde, eine Polka zu zaubern und die dann auch noch hinreißend zu Gehör zu bringen. Polkaholix wildert in vielen Wäldern - nur bis zum Absägen eines alten Baums haben sie es noch nicht gebracht. Ob Rio Reiser, Gundermann, oder die Roten Gitarren - alles wird gecovert und "verpolkat". Auch tolle eigene Lieder wurden gespielt, von der neuen CD gefällt mir besonders "S.C.H.E.I.D.U.N.G.", absolut witzig gemacht. Aber auch die klassischen Polka-Sachen werden aufgegriffen: so wird aus dem Gassenhauer "Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen" die Hypothekenpolka. Einer der ersten Titel war "VIPs", sie sagen dazu: "Das Schöne bei uns ist, ganz egal was du auch bist, völlig ohne Theorie wirst du VIP". Die Stimmung war super, sicher war das Berliner Fanpublikum angereist und die ließen es richtig krachen. Es wurde auch nicht davor zurück geschreckt, Dessous auf die Bühne zu werfen, die dann einen Ehrenplatz auf dem Mikrophonständer bekamen. Selten hat man bei einer Band das Gefühl, die spielen nur aus Spaß! Bei Polkaholix war das von der ersten Minute an so. Der Andy Wieczorek am Mikro versteht es, die Massen mitzureißen. Sehr gesprächig war er diesmal allerdings nicht. Sie hatten auch keine Zeit zum Quatschen, es musste gespielt werden. Denn Schlag 12 war Schluss mit Lustig. Sofort nach Ende des Konzerts waren alle meine Altersgenossen verschwunden und ich fand mich mitten in einer Disco mit verschiedenen Dancefloors wieder, die sich um diese Zeit zusehens mit den jungen, schönen und erfolgreichen Berlinern füllten. Meine jungen Mitgeher und Mitgeherinnen hatten Mitleid mit mir und wir machten uns dann rasch auf den Heimweg. Kaum im Auto, wurde die neue CD aufgerissen und in den Player geschoben. Für mich ist es die beste Scheibe der Polkafraktion. Sie ist gut gemischt, vom Gassenhauer über Covernummern bis zu eigenen Kreationen. Das beliebte "Spareribs" ist auch mit drauf. Mit Spannung wartete ich auf das Kentern des "Weißen Bootes" der Roten Gitarren. Na ja, das hätte ich mir eigentlich witziger vorgestellt, ist mir zu brav. Aber alle anderen Sachen bekommen meinen uneingeschränkten Beifall und werden sofort meine Laune steigen lassen, wenn es früh gen Arbeit geht.
Fotoimpressionen:
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