Polkaholix beim Folklorefest am
26.09.2008 in der Wabe Berlin

(mit dabei: Ralf Kothe, Scarlett O' & Jürgen Ehle, sowie Schulle & Lemmer)


Bericht: Petra Heinzel
Fotos: Petra Heinzel




Am 21. Juni dieses Jahres war Deutsche Mugge beim Gundermann-Tribut-Konzert in der Columbiahalle. Dort erlebte ich u. a. eine Band, die ich vorher gar nicht kannte. Sie weckte auf Anhieb mein Interesse. Die anschließende Suche im Internet war erfolgreich, ich fand einen Berlin-Termin. Also hieß es nichts wie hin um diese lebhafte Band mit einer eigenen Bühnenshow erleben zu können.
Gegen 19:00 Uhr traf ich ein und wurde an der Tür zufällig sehr freundlich von Jürgen Ehle (u. a. Pankow) begrüßt, wunderte mich allerdings ein wenig, ihn gerade hier anzutreffen. Von ihm erfuhr ich schließlich, dass an diesem Abend ein Folklorefestival mit verschiedenen Künstlern stattfindet. Meine suchenden Blicke durchstreiften den Saal, ob denn auch jemand von Polkaholix in der Nähe ist?! Jürgen begleitete mich zum Trompeter Hille, bei dem ich mich vorstellte und mein erstes Polkaholix-Konzert gestand. Im Foyer begegnete mir Scarlett. Sie philosophierte in diesem Moment mit Andy über die dort aufgestellten Erinnerungstafeln. Andy erzählte mir hierzu mit großer Freude kleine Anekdoten. Es klang so, als wäre es erst gestern gewesen, dabei lagen diese Ereignisse bereits 26 bis 30 Jahre zurück. Er freute sich über die spektakulären Fotos, auf denen auch er zu entdecken war. Andy war von 1992 bis 1998 in Gundermanns Band und hat daher bei drei Gundermann-Alben mitgewirkt.
Anschließend hörte ich aus der Ferne schottische Töne. Schottenschulle durchstreifte die Wabe mit seinem Great Highland Bagpipe (Dudelsack). Das war eine schöne Einstimmung auf einen umfangreichen Abend. Nach dem dritten Klingelton betrat ich den Saal, in dem bereits ein Film in Form von Bildern über 30 Jahre Folklorefestival lief. Es wurden Bilder aus den Jahren 1978 bis 1982 gezeigt. Beispielweise traten bei dem Folklorefestival im Jahr 1981 ganze 21 Gruppen und Solisten auf. Es ging um die Revolution Folk, die eigene Aufmüpfigkeit konnte man dort präsentieren. Den musikalischen Abend eröffnete Ralf Kothe. Er ist ein Genie auf seinen Gitarren. In zwanzig Minuten hörte ich Dudelsackklänge, wohlgemerkt auf einer Gitarre, und auch Beatlessongs waren sehr leicht erkennbar. Er wechselte zwischendurch auf eine schmalere Gitarre und meinte hierzu: "Im Laufe der Zeit sind die Bäuche immer dicker geworden, aber die Gitarren immer schmaler". Dann wurde es spanisch, Titel von Carlos Santana erklangen. Man konnte bei seinen Gitarrenklängen in Gedanken über's weite Land bis zur Hazienda reiten.
Nun waren Schulle (Gesang und Bandoneon) und Lemmer (Geige) mit ihren Schauerballaden aus den 20er Jahren an der Reihe. In einem Lied wurde vom "angepissten Kuchen" gesungen. Nachdem der Kuchen heimlich vom Hund angep... wurde, wollte ihn keiner mehr essen. Der Vater sagte schließlich: Der Kuchen schmeckt ja nach Natron... und am Ende gibt er diesen dem Hund, der sich umdreht und diesen noch mal anp... Für den Song "Mord aus Geldgier" wurde Andys Hilfe benötigt. Er bekam einen Zeigestock und verfolgte hiermit auf einem Bild, das Manfred Butzmann gezeichnet hat, den Songtext von "Mord aus Geldgier". Das Duo präsentierte auch ein Stück von Otto Reuter und "Die Radpartie" von Kläre Walldorf aus dem Jahr 1922.
Als nächstes waren Scarlett O` und Jürgen Ehle mit einem Ausschnitt aus ihrem aktuellen Tourprogramm "Fifty - Fifty" am Start. Scarlett erklärte den Titel ihrer Tour mit ihrem und Jürgens eigentlichem Alter. In ihren Texten geht es um diese Lebenserfahrung, sowohl positive als auch negative Erlebnisse. Scarlett klatschte zwischendurch mal im Takt oder nahm auch ihre Tin Whistle, eine irre Flöte, d.h. ursprünglich aus Irland stammend, zur Hand, bzw. forderte sie das Publikum zum Mitsingen auf. Der ganze Saal sang: Dubidu ba yeah. Den ursprünglichen Song hörte Jürgen auf BBC und hat ihm einen deutschen Text verpasst. Das Duo verabschiedete sich mit dem "Berlin-Lied". Hierzu spielte Scarlett Akkordeon und Jürgen wechselte zu anderen Saiten, es könnte eine Art Mandoline gewesen sein. Auch hier hatte er die Saiten perfekt im Griff. Für diesen Song hatte Scarlett einen lustigen Comic von OL vertont. Folgende Textstellen habe ich noch im Kopf: "Es sind Zwillinge, Mädchen und Junge, ein oder zweieiig? Der Junge hat zwei" und "Orgasmusschule, und an der Tür steht: Komme gleich wieder".
Nach einer kurzen Umbauphase sollte die Gruppe "Aufwind" spielen. Ich begab mich in den Backstagebereich, da ich mit Jo von Polkaholix zum Interview verabredet war. Andy kam mir in einem knallgelben Hemd entgegen, was mich auf Anhieb in Erstaunen versetzte. Er sagte strahlend: "Mut zur Farbe". Nachdem ich das Interview im Kasten hatte war "Aufwind" leider schon mit ihrem Programm durch. Informationen über diese Band kann man auf www.aufwindmusik.de finden.
Und nun war es endlich so weit. Polkaholix wurde angekündigt. Eine Musikmischung aus Polka, Punk, Ska und Klesmer. Die Bühne wurde voll, acht Mann betraten die Bretter. Andy verkündete: "Wir waren damals auch dabei, beim Haus der jungen Talente und anderen Schweinereien". Sie eröffneten ihr Spektakel mit "Oostland". Schon beim zweiten Lied sang das Publikum freudig "ho..." mit. Das dritte Lied kündigte Andy mit Essen an: "Was ist wichtig im Leben? Frauen, Bier und Essen!". Bei der Dönerpolka wurde, wie auch bei allen anderen Titeln, ordentlich über die Bühne gerockt. Es war mir eine Freude so eine gut gelaunte Band mit unwahrscheinlich großer Energie auf der Bühne zu erleben. Dem Publikum wurde zu verstehen gegeben, dass es inzwischen eine Tradition ist jedes Lied mit einem "Cha-Cha-Cha" zu beenden. Die Zuschauer waren mittendrin. Als die Band am Ende, natürlich absichtlich, dieses Cha-Cha-Cha vergaß, hallte es der Band aus dem Saal entgegen. Im Sitzen war diese Energie eigentlich kaum zu ertragen, ich zappelte ständig herum. Überrascht war ich als "Das Modell" erklang. Dieses Werk von Kraftwerk ist für mich ein absolutes Muss, genauso wie das von Rammstein. Nun habe ich ein drittes schönes Modell gefunden, das Polkahix`sche. In den Liedern ging es immer wieder um Essen und Trinken. Alte Berliner Originale, wie Bolle aus den 20er Jahren, wurden zur Bluespolka. Die Polkaholixer wagten es tatsächlich sich irgendwann zu verabschieden. Das ließ das Publikum nicht zu und daraufhin wurde die Pausenmusik abgewürgt! Polkaholix kam wieder auf die Bühne und verabschiedete sich mit "Rosamunde" auf Polkaart.
Kurz darauf eilte ich in den Backstagebereich und fragte nach einem Bandfoto. Worauf alle lustig erwiderten: "Von welcher Band denn?". Ich erwiderte: "Ihr ward so geil!" Sehr spontan entstand dann das hier im Text eingefügte Foto (bei den Fotos unten nochmal größer zu sehen). Thomas hielt sich noch schnell das Hemd vor seinen bereits freien Oberkörper, Jo setzte kurzerhand seine Sonnenbrille auf. Christoph erklärte ich, dass er Andys Saxophon auf dem Foto mitten im Gesicht hätte. Er lächelte darauf: "Hey, hab ich `ne goldene Nase".
Am Merchandisingstand kaufte ich mir das aktuelle Album "The Great Polka Swindle" und ließ es noch von allen Bandmitgliedern signieren. Beim Hören dieser Scheibe habe ich noch die wilden Live-Bilder vor Augen. Beim nächsten Berlin-Konzert werde ich auf jeden Fall wieder dabei sein.




Foto Impressionen: