|
Queen & Paul Rogers live im Berliner Veledrom am 21.09.2008 Bericht: Hartmut Helms Fotos: off. PR-Foto Queen / Fotokollage Hartmut Helms ![]()
Doch dann die Überraschung: Brian May und Roger Taylor gingen auf Tour und der Mann am Mikrofon war Paul Rodgers, die Stimme von FREE und BAD COMPANY. Was ich damals empfand, kann ich nicht beschreiben, denn der Mann hatte sich mit "All Right Now" schon 1970 in den Rockanalen verewigt und mit dem Riff in mein Herz eingegraben. Die DVD von der "Return Of The Champions"-Tour habe ich mir gekauft, das Konzert damals in Leipzig verpaßt. Gestern war es endlich an der Zeit: 20:00 Uhr, Veledrom, Berlin: QUEEN & Rodgers. Der Opener der Show brach mit Blitz und Donner aus dem neuesten Werk der Herren über den Innenraum des Veledroms herein. "The Cosmos Rocks" ließ erahnen, welche neue Melange aus Heavy- und Blues Erfahrung eines Paul Rodgers gepaart mit der Perfektion und Finesse der beiden originalen Queen Akteure Taylor & May der Hörer ab heute zu erwarten hat. Danach eröffnete die Band mit "Tie Your Mother Down" den Zugang zum musikalischen Queen-Universum und ließen Klassiker wie "I Want To Break Free", "Fat Bottom Girls" oder "Another One Bites The Dust" folgen. Die rauchige, vom Blues gefärbte Stimme des Paul Rodgers machte sich die Songs liebevoll und vor Begeisterung strotzend zu eigen und versetzte so im Einklang mit den Gitarrenzaubereien des Brian May die Massen in wahre Begeisterungsstürme. Es wurde leise im Rund, als May sich an das Ende des Laufsteges begab und dort auf einem Hockers sitzend und mit seiner Akustikgitarre in der Hand "An old German folk song" ankündigte. Für den Bruchteil eines Wimpernschlages war die Stille mit Händen zu fassen und das Intro zu "Alt wie ein Baum" im Raum zu hören, ehe daraus Brian May schnell und zielsicher die Akkorde zu "39" werden ließ. Die Anspannung löste sich in Lachen, Staunen und Begeisterung auf, das Auditorium tobte. Dramaturgisch äußerst geschickt ließ er "Love Of My Life" aus seiner Gitarre perlen und die Massen dazu singen. Spätestens hier hatten wir die Wahl zwischen Taschentuch oder Kloß verschlucken. Aber nichts, von wegen Melancholie! Roger Taylor baute im wahrsten Sinne des Wortes am Ende des Stegs sein Drum-Solo auf. Mit den Stöcken auf den Saiten eines Basses beginnend trommelte er sich Stück für Stück die Teile eines Schlagzeugs zusammen, das die Roadies während des Spiels komplettierten, so daß aus dem leisen Trommelspielen am Ende ein gewaltiger Donner und Orkan wurde - ein Solo, das dieser Bezeichnung auch tatsächlich gerecht wurde und das Roger Taylor singend mit "I'm In Love With My Car" zu einem furiosen Höhepunkt peitschte. Apropos Solo: Was Brian May einem zur Gitarre gewordenen Kaminholz entlockte und über Minuten in allen nur denkbaren Klangfarben durch den Raum schreien, wimmern, singen und krachen ließ, hat möglicherweise gestern Abend so manchen Gitarristen ins Grübeln gebracht. Nicht nur bei seinen der vielen Soli wurde deutlich, dass dort unten ein Ausnahmegitarrist in die Saiten griff und so manchen seiner internationalen Kollegen steinalt aussehen ließ. Mehrmals im Laufe des Abends bekam Paul Rodgers Gelegenheit, seine eigene rockmusikalische Laufbahn zu zitieren. Ob nun allein nur mit Akustikgitarre oder mit Band am Piano bei "Bad Company", der Mann ist ein Ereignis und seine Stimme wie die Gewalt eines brüllenden Wasserfalls oder wahlweise wie der morgendliche Raureif auf den Blättern. Rodgers lebt den Blues und ist ein Rocker! Der Höhepunkte gab es massenweise in diesen 150 Konzertminuten. Es fehlten auch nicht die großen Gesten ("Bohemian Rhapsody") und Hymnen ("We Are The Champions" & "Show Must Go On") sowie das Rauschen und Klatschen tausender Hände ("Radio Ga Ga" & "We Will Rock You"). Ich selbst hab' außerdem das vom Blues durchtränkten Riff und die Melodie von "All Right Now" in mich aufgesogen während meine Knochen zum Rhythmus mitschlotterten - das hätte ich liebend gern auch schon vor 35 Jahren erlebt! Was mir bleiben wird, ist ein Abend voller Emotionen, Harmonie und erinnerter Jugend, und ein wenig auch die Erkenntnis und Genugtuung, noch immer den Rock'nRoll im Blut und diese Band im Veledrom live erlebt zu haben, so wie 1994 eine andere Legende auf dem Berliner Maifeld. Ich habe zwar nicht die Zukunft des Rock'n'Roll gesehen, wie ein amerikanischer Journalist einst nach dem Besuch eines frühen Springsteen-Konzertes schrieb, aber lebendige Rock-Urgesteine in Höchstform und bester Spiellaune in der Erinnerung zu behalten, ist auch nicht zu verachten. Manchmal werden Träume eben doch noch wahr! God Save The Queen |