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Bericht: Thorsten Murr Fotos: Thorsten Murr
Küssen kann man nicht alleine Ein Konzertabend mit Max Raabe und dem Palast Orchester am 20. August 2011 auf der Berliner Waldbühne Das Wetter meinte es gut an diesem Samstag. Die 22.000 Zuschauer fassende Waldbühne ist fast ausverkauft. Das Publikum besteht aus gut gelaunten, zum Teil sehr elegant und festlich gekleideten Menschen aller Altersgruppen, wobei die 50- bis 60-jährigen augenscheinlich in der Überzahl sind. Pünktlich, charmant und elegant - wie man ihn kennt und wie man ihn mag Kurz nach 20 Uhr, schreitet das Palast Orchester auf die große Bühne und begibt sich an seine Pulte. Gleich darauf erscheint auch der Star des Abends: Max Raabe, wie man ihn kennt, oder wie man ihn sich vorstellen möge, würde man nur seiner Musik lauschen.
Charmant führt Max Raabe durch das Programm, das neben ausgewählten Stücken des neuen Albums aus zahlreichen Perlen seines umfangreichen Repertoires besteht. Die Vorliebe des knapp fünfzigjährigen Künstlers ist die swingende Musik der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Manche der Stücke waren zu Zeiten der Naziherrschaft sogar verboten und sollten in Vergessenheit geraten. Mit Max Raabe leben sie wieder auf und erreichen weltweit ein breites Publikum. Aber auch eine Reihe modernerer Popnummer wurde von ihm und seinem Orchester schon im Stil und Sound dieser Zeit gekonnt interpretiert. Zeit für gute Gefühle - an einem solchen Abend Sind die Texte viele seiner eigenen und der von ihm gecoverten Lieder an sich schon humoristisch und selbstironisch, so liefert Raabe in seinen Ansagen und Überleitungen noch so manche gepflegte Pointe. Mit sorgfältig gewählten Worten werden die kleineren und größeren Missverständnisse und Peinlichkeiten kultiviert aufs Korn genommen. Immer geht es dabei um Zwischenmenschliches, um die Liebe, um schöne Frauen und Fräuleins, um die eine oder andere große Erwartung und so manche kleine Enttäuschung. Aber alles bleibt im Plus - und so vermittelt Max Raabe stets das gute Gefühl, dass das Leben im Ganzen ziemlich in Ordnung ist - zumindest an diesem milden Sommerabend auf der Berliner Waldbühne. Etwa in der Mitte des Konzertes gibt es eine halbstündige Pause. "Dabei haben Sie die Möglichkeit, die mitgebrachten Tonträger unseres Ensembles käuflich zu erwerben", sagt Raabe, um gleich im nächsten Satz freimütig zu erklären: "Der erzielte Erlös dient ausschließlich unserer persönlichen Bereicherung." Köstlich. Leider ist zwischen den Versorgungsständen kein CD- oder Merchandising-Shop zu finden, dafür gibt es aber reichlich Gelegenheit für einen Imbiss, ein Bier - oder, was weitaus besser zu diesem Abend passt, einen stilvollen Cocktail von der Bar.
Nach der Pause spielt zunächst das Palast Orchester ohne Gesang und demonstriert damit aufs Überzeugendste seine musikalische Qualität. Dann steht wieder der charismatische Sänger und großartige Entertainer Raabe am Mikrophon und im Mittelpunkt des Geschehens. Das Können der beteiligten Musiker blitzt aber immer wieder in gekonnt gesetzten Soli auf und heimst reichlich Extraapplaus ein. Mehrmals tritt Violinistin Cecilia Crisafulli nach vorn und verzaubert das Auditorium mit virtuos gespielten Melodien. Bei "Dream a little Dream" präsentieren sich Trompeter Michael Enders und Saxofonist Rainer Fox gar als sehr talentierte Sänger und begleiten den Star des Abends in perfekter Harmonie. Der Gentleman Raabe bedankt sich nach jedem Song artig für den Applaus, der jetzt, in der zweiten Hälfte des Konzertes, gelöster und lauter spendiert wird als zuvor. Bei den leisen Liedern wiederum ist es in der riesigen Arena so still wie in einem Konzerthaus für klassische Musik. Zum Ende des offiziellen Sets gibt es für "Kleines Fräulein, einen Augenblick" stürmischen Applaus, und selbstverständlich gibt es noch einige tolle Zugaben. Bei "Ich tanze mit Dir in den Himmel hinein" werden Feuerzeuge, Handydisplays und Taschenlampen hochgehalten, und schließlich beenden der Megahit "Mein kleiner grüner Kaktus" und selbstverständlich das "Schlaflied" - das mit dem Pinguin, dem Zebra und all den anderen Tieren - das Konzert. Am Schluss des Liedes heißt es: "Der Sandmann und die Sandfrau machen sich's noch nett und morgen wenn du wach wirst, bring ich Frühstück an dein Bett." Wer wünscht sich nicht so einen Sonntagmorgen nach einem solchen Samstagabend? Bitte beachtet auch: - off. Homepage von Max Raabe & dem Palast Orchester: www.max-raabe.de - Künstler-/Bandportrait: HIER klicken
Fotoimpressionen:
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