Sachsendreier live am 29.08.2008
auf der Festung Königstein




Bericht: Hartmut Helms, Bernd Teichert
Fotos: Hartmut Helms, Bernd Teichert




Bericht Hartmut Helms:
Als sich der Horizont öffnet, erhebt sich die Festung Königstein mit ihrem markanten Profil wie ein Scherenschnitt aus der welligen Ebene. Geballte Historie und Sagenhaftes ranken sich um einen Ort, der an diesem frischen Spätsommerabend die Fans dreier Sachsenlegenden dorthin pilgern läßt. Während ich mich nach einem langen Arbeitstag am Fuße der Festung auf den 700 Meter langen Weg nach oben machen will, überlege ich, wann ich das letzte Mal an dieser Stelle war. Es könnte im Jugendalter gewesen sein. Welch Glück, daß zwei gute Seelen aus Köthen mir Jahrzehnte später den Fußweg nach oben ersparen.
Es war gar nicht so sehr der SACHSENDREIER, der mich in diese luftige Höhe über der Elbe gelockt hatte. Nach den vielen Diskussionen und Beiträgen zur STERN COMBO MEISSEN hatte ich einfach nur Lust auf einen persönlichen Schlussstrich, entweder - oder!
Um es kurz zu machen: Wer kam, um eine Fißler-IC-Entscheidung treffen zu können, sah sich überrumpelt, denn der neue Frontmann ließ diese Entscheidung nicht zu. Weitab von irgendwelchen Parallelen zur Vergangenheit drückte Larry B. den Songs von Beginn an seinen ganz individuelle Charakter auf, ließ die Songs wieder klingen. Es war schon mutig (oder gar frech ?) zu nennen, den Abend mit "Der weite Weg" und der "Sage" zu beginnen, zwei wunderschöne Stücke, die symbolisch für die viel gepriesene "klassische" Ära der Band stehen, die ich so liebe. Mit Thomas Kurzhals stand endlich wieder einer an den Tasten, der seine eigene Vorstellungen hat, wie seine Stücke zu klingen haben. Endlich wieder Keyboardperlen, endlich wieder Klang und endlich wieder Druck von der Bühne! Da freut sich der alte Fan, wenn er plötzlich wieder merkt, daß ein Synthesizer schreien, jaulen, fauchen oder auch mystisch spuken kann. Es macht Spaß, wenn sich die beiden Männer an den Tasten die Einsätze zuwerfen. So hatte ich die Einmaligkeit der Band in meiner Erinnerung. Die STERN COMBO MEISSEN pulsiert und stampft wieder und ist dabei, das neu gewonnen Profil zu schärfen. Denen da oben war die Freude ins Gesicht gemalt, und denen unten war die Überraschung anzumerken. Ich glaubte, für einen Moment ein Raunen zu spüren, das durch Massen ging.
Es mag allerdings auch der einmaligen Kulisse im Innenhof der Festung geschuldet sein, dass die drei Sächsischen Rock-Dinos zu Höchstform aufliefen. Es gab nur ganz wenige Passagen, wo die STERNE, LIFT oder ELECTRA tatsächlich ohne Gäste auskamen. LIFT spielte an diesem Abend zeitweise sogar mit Keyboardunterstützung. Das wünschte ich mir öfter.
Traditionell enden die Konzerte des SACHSENDREIERs mit dem "Kampf um den Südpol", dem "Dom" und natürlich der "Tagesreise". Auch diesmal zelebrierten die drei Bands diese Stücke, dem besonderen Augenblick angemessen, in deutlich spürbarer Gemeinsamkeit. Dennoch kann ich den Gedanken nicht verdrängen, dass der "alte Hase" Martin Schreier aus dramaturgischen (und vielleicht auch anderen?) Gründen diesmal "Wir sind die Sonne" als Schlußpunkt setzte.
Wer nach diesen über zwei Stunden noch meinte, ein wenig den 80er Jahren nachtrauern zu müssen, wurde mit einem abschließenden Paukenschlag in die Gegenwart zurückgeholt. Dieser Larry B. sang eine "Sonne", eine Hymne, deren Interpretation einen IC Falkenberg stolz und die Zweifler betreten nach unten schauen lassen muß - dieser Urschrei des Larry wird die Burg noch im Winter beben lassen!
Ein Journalist (oder einer, der sich dafür hält) darf sich schon mal irren oder völlig daneben sein, ist nicht weiter schlimm. An einen kollektiven Massenirrtum indes mag ich nicht glauben... seit gestern Abend. Wie sagte Bernd Aust denen, die mit ihren Digitalkameras einen "letzten" Augenblick erhaschen wollten: "Wir sind noch lange nicht am Ende!" Den gestrigen Abend kann man getrost auch als Startsignal interpretieren.

Bericht Bernd Teichert:
Zurück vom Konzert und... die erste Frage zur Stern Combo Meißen gleich vorweg beantwortet: Ja, wir sind beeindruckt! Die neue Besetzung hat gepunktet, und zwar richtig.
Was uns an diesem Abend auch besonders positiv beeindruckte, der "Sachsendreier" war über das gesamte Konzert hinweg integriert. Nicht, daß jeder "sein Ding" machte und von der Bühne ging. Nein: es wurde auch oft gemeinsam Musik gemacht. Und wie! Wir waren hin und weg vom gesamten Abend. Neben guten Freunden machte die Mugge natürlich doppelt soviel Spaß. Das Wetter hat gehalten, der Hof der Festung war gut gefüllt. Die Stimmung ausgezeichnet. Larry B. als neuer Sänger der SCM hat einen super Auftritt hingelegt. Auch Thomas Kurzhals am Keyb./Synth. - Klasse! Wir warteten mit unserer Meinung bis zum Titel "Wir sind die Sonne", der "Schlüsselsong" - und auch diesen hatte er perfekt gemeistert. Nun wird dick und fett ein reines SCM-Konzert geplant. LIFT und ELECTRA haben ebenso eine erstklassige Mugge hingelegt, wir waren fassungslos vor Freude. Und eben dieses integrative Auftreten aller Beteiligten. Eine Wucht, dieses Konzert. Werther Lohse, Gisbert Koreng, Mampe Ludewig, Bernd Aust, Stefan Trepte, alle konnten sie uns am Mikrofon überzeugen. Nur gut, daß Ian Andersson von Jethro Tull nicht da war, denn Bernd Aust hätte ihm wieder die "Flötentöne" beigebracht.
Nach dem Konzert konnten wir noch einige Worte mit Larry B. und Martin Schreier wechseln und uns zum Foto stellen. Es war einfach nur gigantisch.

Kommentar:
... Haben wir Reinhard Fißler singen gehört? Haben wir IC Falkenberg (Ralf Schmidt) singen gehört? Ich kann beide Fragen verneinen. Der neue Sänger Larry B. ist ein eigenständiger Sänger, welcher es auf seine Art und Weise zu uns rüberbringt. Keine Kopie, sondern ein Original. Und das ist auch gut so! Er "lebt" sichtlich für die Musik, das merkt man ihm sofort an. Und nach einigen Auftritten (Larry B. sagte uns nach dem Konzert, es war das 5. in dieser Besetzung) ist die neue Stern Combo Meißen ein Team geworden. Harte Arbeit, welche sich gelohnt hat. Man darf gespannt auf Neues sein. Im kommenden Jahr zum 45. wird es auch eine neue CD geben.
Der musikalische Richtungs-Wechsel der SCM ist nicht von der Hand zu weisen. Thomas Kurzhals hat sich unüberhörbar an seinen Instrumenten eingebracht. Das macht Lust auf noch mehr. Selbstverständlich hoffen wir auch auf gute Momente des neuen Akustik-Projektes der nun ehemaligen Bandmitglieder um IC. Auch dieses werden wir in unsere Konzert-Planungen unbedingt mit einbeziehen. Und nach einem Bericht u.a. von der Stern Combo Meissen darf auch hier nicht fehlen: ALLES GUTE FÜR REINHARD FISSLER!

Alle Fotos von Bernd Teichert findet Ihr in seinem Fotoalbum HIER...

Liebe Grüße an die Macher und Leser von www.deutsche-mugge.de !





Foto Impressionen: