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Scarlett O' und Jürgen Ehle live in der "Arche" zu Neuenhagen am 28. Mai 2010 Bericht: Dietmar Meixner Fotos: Dietmar Meixner
Über den Veranstaltungsort habe ich hier schon mehrfach ausführlich in verschiedenen Konzertberichten erzählt, deshalb möchte ich diesmal nur ein paar Worte zum Konzert verlieren. Das Treffen mit Scarlett OŽ und Jürgen war wie ein Wiedersehen unter Freunden, und so wurde die Zeit bis zum Konzertbeginn auch nicht lang. Dass dies' ein Programm zur Lebensmitte, und konkret über die zweite Hälfte des Lebens ist, merkte man dem Durchschnittsalter der Zuschauer nicht an. Vielleicht wollten einige auch wissen, was einen persönlich in der zweiten Lebenshälfte erwartet... Man weiß es nicht. Jedenfalls ließen sich das auch jüngere Zuschauer nicht nehmen, die Songs aus dem "Fifty - Fifty"-Programm live zu hören. Geschichten über diesen Lebensabschnitt wurden in Songs zwischen Poesie und Realität, zum Träumen und Erwachen, humorvoll und auch ernst dargeboten. Scarlett OŽ vergaß natürlich am Anfang nicht zu erwähnen, dass die Zahl 50 in ihrem Leben nur eine untergeordnete Rolle spielt, da sie ja auch "noch mit 120 Jahren auf der Bühne stehen" möchte. Zu wünschen wäre es den beiden, doch da bin schon wieder bei dem Träumen... Mit dem Lied "Proviant für meine Seele" eröffneten sie den Abend, um dann mit "Sex Sekunden" und "Im Mai" Alltagsgeschichten in berührender Art und Weise den Ohren der Anwesenden musikalisch zugänglich zu machen. Scarlett OŽ beherrscht nicht nur mehrere Instrumente und ist dazu eine begnadete Sängerin... Nein, sie ist auch eine gute Erzählerin, und so werden Sprüche der eigenen Kinder oder von Freunden mit ins Programm eingebaut, wie bei dem Lied "Alte Liebe", bei dem Skarlett OŽ Bezug auf ihre Tochter nimmt: "Nach dem Vorlesen mehrerer Gute Nacht-Geschichten, mit Licht an und Licht aus im Kinderzimmer und im Flur, dann nochmal zur Toilette und noch einmal... ja, hat man danach dann endlich die Zeit zum Kuscheln gefunden, steht auf einmal ein kleines Gespenst im Nachthemd in der Tür und fragt ganz laut: '...turnt ihr schon wieder?'..." Aber auch die beste Freundin von Scarlett OŽ hat sich schon was von ihrer Tochter anhören müssen: "Mama, du bist jetzt schon über 30 und hast immer noch SEX. Weißt Du wie peinlich das ist?" Scarlett wußte viele Anekdoten zu erzählen... Danach kam dann der harte Übergang zu den Musikern, die uns leider viel zu früh und vor ihrer Bestimmung verlassen haben. So kam Scarlett OŽ auch auf Reinhard Bucholz von der Pension Volkmann, der 2007 verstarb. Scarlett OŽ erzählte, wie sie nach der Nachricht über den Tod von Buchholz direkt auf die Internetseite von Pension Volksmann surfte, und da eine Textzeile von Werner Karma über den Bildschirm lief: "...der Clown geht nicht tot", hieß es da, und diese Textzeile hatte sich Scarlett OŽ mit Jürgen Ehle zusammen vorgenommen, um daraus ein eigenes Lied zu machen: "Das Orchester wird leise", in Gedenken an alle Musiker die irgendwo da oben jetzt auf einer Wolke musizieren. Scarlett OŽ merkte an: "Hoffentlich haben sie bis wir mal dran sind bei der Orchesterleitung durchgesetzt, dass wir nicht alle Harfe spielen müssen". Im Anschluss folgte der Titel "Gerade Heut". Das ist für mich einer ihrer stärksten Songs, und das nicht nur weil da auch mal Jürgen einige Textpassagen ganz allein singt. Jürgen, der immer zwischen seinen vier Gitarren wählt, zeigte auch an diesen Abend wieder, dass er zu den Ausnahmegitarristen im Lande zählt. Nach weiteren Liedern wie z.B. "Herz aus" oder "Gemein" gab's unmittelbar vor der Pause noch die "Schlachthofkapelle", ein Stück mit einen sehr provokanten Text von Werner Karma. Immer wieder ein Höhepunkt, nicht nur für Vegetarier. Nach einer kurzen Pause von 15 Minuten standen beide wieder vor dem dankbaren Publikum. Von "Erwin", dem Liebeslied der besonderen Art, bis zu "Doo bee Doo" (wo natürlich wieder Mitsingen angesagt war) zog sich der Bogen in der zweiten Hälfte. Dabei ist für mich immer wieder das "Berlin"-Lied der Höhepunkt, wenn Scarlett O' die vertonten Cartoons eines Berliner Zeichners singt. Der tolle Refrain und die lustigen Texte dazu lassen wie immer kein Auge trocken. Auf keinen Fall möchte ich vergessen zu erwähnen, dass die kleine Vorlesung aus dem Aufklärungsbuch für Kinder, "Wo komm ich eigentlich her?" von Dr. Thaddäus Troll, ein weiterer Programmpunkt war. Auch hier waren die Lachmuskeln stark gefordert, und das nicht nur wegen dem Text sondern auch der Art des Vortrages von Scarlett OŽ. Neben all den lustigen Anekdoten und Texten fielen aber auch wieder sehr kritische Worte zu Politik und über unverbesserliche Zeitgenossen. Momente und Themen, die die Zuhörer im Saal doch zum Nachdenken anregten. An 20 tollen Songs (incl. der drei Zugaben) konnten sich die Fans an diesen Abend erfreuen. Ein musikalischer Abend, den ich mit einem guten Gefühl im Bauch und in musikalischer Vorfreude schon auf neue musikalische Projekte der beiden im Herbst 2010 verließ. Aber dazu dann an geeigneter Stelle mehr...
Fotoimpressionen:
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Setlist:
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