Die "Große Schlager-Starparade" live
am 11.01.2009 in der TUI-Arena Hannover

(u.a. mit Nino de Angelo, Helene Fischer, Mary Roos, Bernhard Brink, Andrea Jürgens, u.v.m.)


Bericht: Holger Stürenburg
Fotos: -




Es herrschte klirrende Kälte - Straßen und Gehwege zeigten sich als aalglatt - doch dieser miesen Witterung zum Trotz, war es den beiden phänomenalen Schlager-Mogulen Manni Schulte und Karl-Heinz Schweter gelungen, am vergangenen Sonntag (11.01.09), die "TUI-Arena" zu Hannover mit einem feurigen Festival deutscher Schlager- und Popmusik zu beglücken. Ganze 15 Künstler aus diesem Genre gaben sich bei der "Großen Schlager-Starparade" auf dem einstigen EXPO-Gelände die Ehre und verzauberten 5.000 Fans mit ihren vielseitigen, vielfältigen Darbietungen, welche die von Anfang an fraglos mehr als nur hingerissenen Anwesenden Winter-Blues und Eiseskälte schnellst vergessen ließen.
Den Anfang machte, kurz nach 14.00 Uhr, DIE Schlagerkönigin des neuen Jahrtausends, HELENE FISCHER. Die knapp 25jährige Schönheit bringt einfach alles mit, was man in unserem Metier in der Westentasche haben sollte, um die Massen begeistern zu können: Sie ist bildhübsch, besitzt eine Riesenausstrahlung, verfügt über eine schier geniale, so eindringliche, wie einschmeichelnde Stimme und - dies darf man nicht vergessen - über tolle Songs, die kompositorisch ausnahmslos aus der Feder von Jean Frankfurter stammen, und von Kristina Bach, Irma Holder und Tobias Reitz betextet wurden.
Einen Tag zuvor war die im August 1984 in Sibirien geborene Schlagertraumfrau in Chemnitz mit der "Krone der Volksmusik" ausgezeichnet worden, gleichsam erhielt sie Platin für ihre letzte Longplay-CD "Zaubermond", Dreifach Gold für "So nah, wie Du" und zusätzlich Platin für ihre beiden DVDs "So nah, so fern" und "Mut zum Gefühl" - noch am selben Abend hatte sie einen Auftritt in Zwickau zu absolvieren, weshalb sie auch die erste auftretende Künstlerin auf der Hannoveraner "Schlager-Starparade" war. Helenchen zelebrierte mit ihrer unvergleichlichen Erotik all ihre großen Radiohits der letzten zwei, drei Jahre: "Du fängst mich auf und lässt mich fliegen" (2007), "Laß mich in dein Leben" (2008), "Und morgen früh küss ich Dich wach" (2006), "Mitten im Paradies" (2007) oder ihre aktuelle, äußerst gefragte Rundfunksingle "Mal ganz ehrlich" sorgten umgehend für enorme Begeisterung in der "TUI Arena". Helene ist, seitdem der Verfasser dieser Zeilen sie im Sommer 2007 erstmals ‚live' hatte erleben können, wesentlich professioneller geworden. Die junge Dame schafft es anstandslos, zigtausende Fans aller Altersgruppen innerhalb von nur wenigen Sekunden in ihren Bann zu ziehen. Ihr größtes Verdienst ist es jedoch, Dank ihrer kessen, sagen wir ruhig: sexy Auftrittsweise, auch sehr junge Menschen, Teenager, Schüler, die ansonsten nicht viel mit der Spezies Schlager am Hut haben, nach und nach an ebenjenes Genre heranzuführen, was dafür sorgt, daß gleichsam die nachwachsenden Generationen entdecken, der Schlager ist weitaus "cooler", weitaus besser, als sein Ruf!
Irgendwann im Sommer 1982 trat ein äußerst schüchterner, kaum 22jähriger Wiener Nachwuchssänger bei Dieter Thomas Heck in dessen legendärer "ZDF-Hitparade" auf und trug verschämt seinen Erstlingshit "Adios Amor" - immerhin rund einen Monat lang Nummer Eins in den deutschen Singlecharts - vor. Heutzutage ist ANDY BORG einer der erfolgreichsten und überzeugendsten Multitalente der deutschsprachigen Showszene, stilistisch angesiedelt zwischen fröhlichem, munter machendem Popschlager und latent volkstümlich Angehauchtem. Als Moderator des "Musikantenstadl" sorgt er - er trat hier die Nachfolge von Karl Moik an - seit Herbst 2006 regelmäßig für Spitzenquoten. In Hannover präsentierte sich der liebenswerte Vollblutmusiker wie gewohnt berstend selbstironisch, voller Kraft und Energie - "Die berühmten Drei Worte" (in dem Fall natürlich NICHT "Zwei Bier bitte" oder "Bloß nie SPD" ;), "Ich brauch ein bisschen Glück", "Die Fischer von San Juan" oder - natürlich - "Adios Amor"... im Grunde genommen hätte Andy gar nicht selbst singen zu brauchen: Die gesamte Arena sang Wort für Wort lauthals mit; der Künstler fungierte oft nur als Dirigent bzw. Chorleiter - einfach nur Klasse!
Als ich am vergangenen Sonntag MARY ROOS in Hannover wieder traf, mußte ich mir schon an den Kopf fassen... Diese jugendliche, spritzige Dame soll am Vortag 60 (!) Jahre alt geworden sein??? 60 Jahre??? Ich glaube, hier bestehen gewisse Missstände beim Hamburger Einwohnermeldeamt... Höchstens 40... wenn überhaupt... Aber nein, es stimmt: Die Große Dame des gehobenen Schlagers feierte am 09.01.2009 tatsächlich ihren 60. Geburtstag - ein Faktum, das man ihr zu keinem Zeitpunkt ansieht, geschweige denn anhört. Mit voller Wucht und Elan, intonierte Mary überwiegend ihre umwerfenden Radiohits aus den 80ern, die da z.B. hießen "Keine Träne tut mir leid", "Rücksicht", selbstverständlich des Verfassers "Allzeit-Favoriten" "Aufrecht geh'n", sowie eine prickelnde, deutsche Version von Frank Sinatras Monumental-Evergreen "My Way". Kurz darauf sprang Mary von der Bühne und begab sich auf eine kleine "Tour de Force" mitten durch die "TUI Arena", nahm Blumen, Küsse, Umarmungen in Empfang und sang dabei die von Dieter Bohlen verfassten Discoschlager "Ich bin stark, nur mit Dir" (im Original: "You're my Heart, You're my Soul") und "Bleib wie Du bist" ("Jump in my Car"). Was mich besonders freute - und mit dieser Einschätzung stand ich in Hannover sicherlich nicht allein da - war die faszinierende Darbietung eines Medleys, das Marys Gassenhauer aus den frühen 70er Jahren komprimierte; so etwa ihren 1972er-Grand-Prix-Beitrag "Nur die Liebe lässt uns leben" oder die kongeniale Giorgio-Moroder-Produktion "Arizona Man", immerhin einer der ersten deutschsprachigen Titel, bei dem seinerzeit ansonsten bislang nur im internationalen Bereich vorkommende Synthesizereffekte eingesetzt wurden.
Als weiterer Höhepunkt der Hannoveraner "Großen Schlager-Starparade" ist zweifelsohne die Aufwartung von DER Stimme überhaupt einzustufen: ANGELIKA MILSTER, unvergleichlicher Musicalstar aus Hamburg-Horn, brillierte mit z.B. einer kraftvollen Auslegung des 1979er-"ABBA"-Klassikers "The Winner takes it all", einer kurzen A-cappella-Darbietung von Percy Sledges heißem Soulreißer "When a Man loves a Woman", und - wie kann es anders sein? - mit ihrem bisher größten Hit "Erinnerung", entnommen dem längst Legendenstatus innehabenden Andrew-Lloyd-Webber-Musical "Cats". Mit der Puccini-Komposition "Nessun Dorma" verabschiedete sich die 57jährige Powerfrau von einem regelrecht hingerissenen Publikum. Frau Milster plant übrigens 2009 verschiedene Konzertreisen, u.a. eine Musical-Revue, die - so hofft der Rezensent inständig - bitte auch in dessen Heimatstadt Hamburg gastieren möge, um endlich mal einen vollen, mehrstündigen Abend mit DER Stimme der einheimischen Schlager/Chanson/Musical-Szene erleben zu dürfen!!!
Vom Leben gezeichnet, aber immer noch und weiterhin künstlerisch in Hochform, zeigte sich 80er-Jahre-Idol NINO DE ANGELO. Dieser startete sein ca. 25minütiges Gastspiel mit aufgedonnerten, rockigen Neuauslegungen zweier Italopop-Gassenhauer aus ebenjener Dekade: "Su Di Noi" (im Original von Pupo) und "Maledetta Primavera" (Loretta Goggi), leiteten gekonnt über in Ninos unverbrüchliche "Hit-Abteilung", bestehend aus "Ich sterbe nicht noch mal", - klar! - "Jenseits von Eden" und dem von Dieter Bohlen ersonnenen "Rivalen der Rennbahn"-Soundtrack "Samuraj".
Auch die quirlige Italienerin ROSANNA ROCCI, ihr Göttergatte MICHAEL MORGAN, der scheinbar "ewige Anton aus Tirol", DJ ÖTZI, oder die edle Schlagerlady NICOLE, beförderten die Anwesenden in der "TUI Arena" schnellst in hellste Verzückung. Das "Grande Finale" wurde von niemand geringerem bestritten, als von "Schlagerkanone" BERNHARD BRINK, dessen neues Album "Schlagertitan" Anfang Februar 2009 auf den Markt kommt. Der Ex-Jurastudent aus dem niedersächsischen Nordhorn heizte seinen Fans mit älteren - "Ich wär so gern, wie Du", "Blondes Wunder" - und aktuelleren Discofox-Hämmern (z.B. "Zeit heilt keine Wunden", "Supergeile Zeit") gehörig ein, bevor sich ein froh gestimmtes, vollkommen durchgeschwitztes Publikum erneut in die eisige Kälte begeben mußte.
Manni und Karl-Heinz sind in der einheimischen Schlagerszene wahrhaftig als einmalig anzusehen. Mehrfach pro Jahr gelingt es ihnen, tolle, mitreißende - stets über siebenstündige - Programme zusammenzustellen, die zwischen gehobenem Chanson, gemütlich Volkstümlichem, drallem Discofox, stillen Balladen, erheiterndem Jux und zig anderen, gemeinhin dem Genre "Deutscher Schlager" zuzurechnenden Stilformen alles umfassen, was den Anhänger der sprichwörtlichen "Leichten Muse" konsequent erfreut. Wie oft wurde der "Deutsche Schlager" von irgendwelchen Möchtegern-Intellektuellen und Besserwissern totgesagt, totgeschrieben?? Manni Schulte und Karl-Heinz Schweter haben einen nicht unerheblichen Anteil daran, daß unsere Lieblingsmusikrichtung - nach einer gewissen Flaute in den (musikalisch eh nicht gerade erbaulichen) 90er Jahren - im neuen Jahrtausend bunter und erfolgreicher blüht, als je zuvor!

Bitte beachtet auch: www.schlagerstarparade.de