"Die große Schlager-Starparade" am
08.03.2009 live im "AWD Dome" zu Bremen



Bericht: Holger Stürenburg
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Und wieder einmal war es Manni Schulte und seinem Kompagnon Karl-Heinz Schweter gelungen, eine famose "Große Schlager-Starparade" auf die Beine zu stellen. Sieben Stunden lang Schlagerpower in Reinkultur, 14 überwiegend absolut hinreißende Interpreten, die alle nur möglichen Facetten abdeckten, welche genanntes Genre hergibt.
Um Punkt 14.00 Uhr war es im "AWD Dome" unweit des Bremer Hauptbahnhofes soweit. Es ertönten die legendären Fanfaren des Klassikers von Dschinghis Khan "Rom" vom Band - und schon erschien der sympathische WDR-4-Moderator STEFAN VERHASSELT auf der Bühne der mit über 4.000 Zuschauern äußerst gut gefüllten Konzertarena und kündigte am vergangenen Sonntag (08.03.2009), an welchem immerhin der Anfang des 20. Jahrhunderts ausgerufene "Weltfrauentag" begangen wurde, den ersten Künstler des Schlagermarathons an: MATTHIAS SAGORSKI, ein junges, sympathisches Nachwuchstalent, das 2007 von Volksmusik-Guru Florian Silbereisen entdeckt wurde und ein Jahr darauf die Traumfrau aller Traumfrauen, Helene Fischer, auf deren erster Solotournee als "Special Guest" begleitete, versetzte die in Bremen anwesenden Fans mit so sanften, wie feurigen Balladen a la "Mi Canto De Amore" bzw. "No Tengo Dinero" oder fetzigem Discofox ("Ich brauch Dich zum Glücklichsein") von einer Minute auf die andere umgehend in hellste Verzückung. Obwohl Matthias in erster Linie Roland Kaiser, Nino de Angelo oder G.G. Anderson als seine Vorbilder bezeichnet, ist er gleichsam ein großer Anhänger der schwäbischen Deutschpop-Band "PUR". So präsentierte er zum Schluß seines Auftritts (den er übrigens mit eigener Band, inkl. zweier süßer Chorsängerinnen, absolvierte) ein knalliges Hit-Medley, das die geläufigsten Titel - mehrheitlich aus den späten 80ern bis mittleren 90ern stammend - von Hartmut Engler und den Seinen in aufgepepptem Tanzsaal-Arrangement beinhaltete. Dazu zählten selbstverständlich allseits beliebte "PUR"-Oden, wie "Freunde", "Ich lieb' Dich", oder "Lena". Rein subjektiv fand ich es klanglich nicht allzu passend, daß ursprünglich als Balladen ausgestaltete "PUR"-Titel (etwa "Hab mich wieder mal an Dir betrunken" oder "Funkelperlenaugen") unnötig im Tempo angezogen bzw. mit allzu drastischer Rhythmisierung versehen wurden - aber gut, die Geschmäcker sind nun mal verschieden; davon abgesehen aber, erkenne ich in Matthias Sagorski zweifelsfrei einen sehr begabten Künstler, dem ich in unserem Genre eine gute Zukunft prophezeien möchte!
Daran anschließend betrat ein unverbrüchlicher Teil der Jugend von uns 80er-Jahre-Kindern die Bühne des "AWD Dome": ANDREA JÜRGENS - eine wundervolle Künstlerin, die an Silvester 1977, im Alter von gerade mal zehn Jahren, ihre Karriere mittels des längst Legendenstatus innehabenden "Problemschlagers" (so nannte man Derartiges damals!) "Und dabei liebe ich Euch beide" startete und - man mag es kaum glauben - 32 (!) Jahre später immer noch so flink, fesch und überzeugend rüberkommt, wie anno dazumal. Die gebürtige Wanne-Eickelerin trug mehrheitlich "neuere" Lieder vor. So etwa den energetischen Radiohit "Verbotene Träume" (2008), wie gleichfalls prickelnde, kesse Disco-Fox-Arien aus den letzten zwei, drei Jahren ("Dieses Parfüm auf Deiner Haut", "Komm laß uns reden"). Die "ältesten" Titel, die Andrea am vergangenen Sonntag in Bremen darbot, hießen "Ich hab Dir nie den Himmel versprochen" (1990, im Original 1971 ein typisches "Ein-Hit-Wunder" für eine darüber hinaus kaum bekannt gewordene Sängerin namens Tanja Berg), sowie "Eleni hieß das Mädchen" (1993), eine muttersprachliche Auslegung des "Tol & Tol"-Schleichers "Eleni". Andrea interpretierte all diese liebenswerten Lieder mit voller Wucht - ein wenig schade (und ich rede nun mal wieder völlig subjektiv), ist es allerdings, daß die ewigjunge Vollblutmusikerin ihre (auch in kommerzieller Hinsicht) größten Erfolge aus den 80ern (z.B. "Manuel Goodbye", "Japanese Boy", "Mama Lorraine" oder "Shy Shy Sugarman") offenbar auf Ewig aus ihrem Liverepertoire verbannt hat, was nicht wenige Altersgenossen des Verfassers dieser Zeilen, die wir mit Andrea letztlich gemeinsam aufgewachsen sind, durchaus etwas traurig stimmt.
Mit dabei: Andrea Jürgens
Kurz darauf kehrte der "Wilde, Wilde Westen" in den "AWD Dome" zu Bremen ein. "TRUCK STOP", die großen alten Herren des deutschsprachigen Country-Schlagers, gaben sich nun die Ehre an der Weser. Die ehrwürdigen Altmeister hatten nicht wenige derjenigen Klassiker im Programm, die sie einst "in einem Studio in Maschen / gleich bei der Autobahn" (Textzitat) einspielten. Da Gründungsmitglied und Lead-Sänger Lucius Reichling am 8. März seinen (hier schweigt des Ritters Höflichkeit…) Geburtstag feierte, geriet die Aufwartung von "Truck Stop" zu einer wahrhaft ausgelassenen Geburtstagsparty. "Take it easy, altes Haus", "Ich möchte' so gern Dave Dudley hören", "Hillbilly Country Lilly" kamen genauso zum Zuge, wie aktuellere Titel der Sorte "Die Damenwahl" oder - ganz neu - "Der Sheriff hat Geburtstag" (was am Ehrentag von Lucius klarerweise den Nagel auf den Kopf traf). "Truck Stop" haben es im Zuge ihrer über 30jährigen Bühnentätigkeit vermocht, originäre Country-Klänge ‚Made in the USA' mit der "Leichten Muse" deutscher Herkunft kongenial zu verbinden. Dafür (Cowboy-)Hut ab vor dem immerjungen Sextett aus des Rezensenten Heimatstadt - wir werden sicherlich auch in Futuro noch eine Menge von Lucius, Cisco und Co. hören, zumal die plietsche Combo soeben erst einen neuen Vertrag mit Jack Whites Plattenlabel "GLORIELLA" abgeschlossen hat.
MICHAEL MORGAN war nun an der Reihe. Der knapp 41jährige Saarländer (dem man seine 41 Jahre übrigens zu keinem Zeitpunkt ansieht) begann seinen Auftritt mit einem Potpourri, bestehend aus seinen bekanntesten Titeln ("Mal angenommen", "Zuerst kam die Sonne", "Beautiful Sunday" etc.), welches überleitete zu seinen aktuellen, ebenfalls bei "GLORIELLA" veröffentlichten, recht *disco-foxigen" Aufnahmen, wie z.B. "Die Frau in meinen Träumen" oder "Träumen von Liebe". Schlußendlich glänzte Michael mit einem knackigen, drallen Medley aus traditionellen Rock'n'Roll-Standards von Elvis bzw. Little Richard - "Heartbreak Hotel", "Hound Dog", "Jailhouse Rock" (Gruß an L.B.) und "Tutti Frutti" bewiesen einmal mehr meine These, daß nicht wenige "Schlager"sänger mit ihrem konventionellen Repertoire gnadenlos unterfordert sind. Michael - prägnant mit Lederjacke bekleidet - hat GARANTIERT mehr drauf, als eine unselige "Ballermann-Fassung" des Bernd-Schütz-"Ein-Hit-Wunders" "Komm, geh mit mir nach Kanada" darzulegen...
Ja, und dann kam (bzw. erschien) SIE: HELENE FISCHER - der "German Popstar", wie Stefan Verhasselt die gebürtig aus Sibirien stammende Traumfrau in Anspielung auf die fragwürdige RTL-Casting-Show "Germanys Top Model" vorstellte.
Eine weitere Hauptattraktion des Tages: Helene Fischer
Helenchen - das vermutlich traumhafteste Wesen, das der Deutsche Schlager jemals hervorgebracht hat -versetzte mit ihren ohrwurmträchtigen Dauerbrennern "Du fängst mich auf und lässt mich fliegen", "Laß mich in Dein Leben", "Und morgen früh küß ich Dich wach", ihrer aktuellen Radiosingle "Mal ganz ehrlich", der grazilen Ballade "Du hast mein Herz berührt" (Ja, Helene, das hast Du - mal schauen, ob der Deutsche Kardiologenverband diesen wunderbaren Titel bald bei Dir anlizenziert) und "Mitten im Paradies" die in Bremen anwesenden, aus ganz Norddeutschland angereisten Schlagerfreaks in brennende Begeisterung. Diese Frau ist ein schieres Phänomen. Kaum 25 Jahre alt, bereits mit zwei "ECHOS" und soundsovielen Goldenen und Platin Schallplatten ausgezeichnet. Die personifizierte Erotik, Schönheit, Anmut; gesanglich und schauspielerisch extremst talentiert - ich beobachte das einheimische Schlagerleben nun schon seit knapp 30 Jahren - so etwas, wie Helene, habe ich in all diesen 30 Jahren noch nicht erlebt.
Nach einer ca. dreiviertelstündigen Pause, legten "ATLANTIS", eine Art männliche Antwort auf den "Fernando Express", mit fröhlichen Romantikschlagern los, gefolgt vom italienischen Energiebündel ROSANNA ROCCI und dem scheinbar "unkaputtbaren" BATA ILLIC, einem absolut liebenswerten und umgänglichen Menschen, ohne jegliche "Starallüren", dafür aber mit viiiieeeel "Michaela".
Die frischgebackene Landtagsabgeordnete CLAUDIA JUNG, die im vergangenen Herbst auf der Liste der "Freien Wähler" in das Bayerische Landesparlament gewählt wurde, setzte daraufhin auf augenzwinkernde Popschlager gehobener Machart. In ihrem Stimmkreis Pfaffenhofen an der Ilm/Schrobenhausen erzielte sie unglaubliche 19.4 Prozent der Stimmen, lag damit zwar hinter der CSU-Kandidatin (43.6 Prozent), aber weit vor dem Wahlvorschlag der SPD (12.8 Prozent).
Die liebenswürdige Mittvierzigerin hatte auf der Bremer "Großen Schlager-Starparade" sensible Balladen, wie ihren 1994er-Charthit "Je T'aime Mon Amour" im Gepäck, stellte aber auch rasante, durchaus ironische Up-Tempo-Hymnen vor. So z.B. ihre aktuelle Radiosingle "Tausend Frauen", Dank derer Frau MdL Jung mit einiger Wahrscheinlichkeit in Bälde diverse Rundfunkhitparaden überall in der Republik erschüttern dürfte!
Nach einem - vor allem von der holden Weiblichkeit heiß ersehnten - Auftritt des in Österreich lebenden Argentiniers SEMINO ROSSI, konnten sich die Fans erneut 45 Minuten lang Bier, Würstchen und anderen Leckereien im Foyer des "AWD Dome" hingeben, bevor der Shooting Star des Jahres 1997 NIK P. mittels seiner unvergleichlichen, harschen, heftig-deftigen Rockschlager bester Güteklasse die Stimmung in der Halle in Richtung Siedepunkt trieb.
Sorgte für reichlich Stimmung: Nik P.
Schon 1998 hatte der gut aussehende Kärntner einen eingängigen Hymnus namens "Ein Stern, der Deinen Namen trägt" geschrieben, zunächst allerdings ohne nennenswerte Resonanz. Heutzutage ist der "Stern" längst Allgemeingut teutonischen Liedguts. Der gutgelaunte Österreicher erzählte, erstmals, wie er auf Idee gekommen war, genau jenen Gassenhauer zu verfassen: Er war 25 Jahre alt und hatte eine liebe Freundin. Eines Tages feierte sein Mädel Geburtstag - aber, ihm fiel kein passendes Geschenk für sie ein. Nach einem gemeinsamen Essen, schlichen die beiden um den nächtlichen Wörthersee - und Nick sah plötzlich einen Stern am Firmament und wusste sofort: EIN STERN, der den NAMEN seiner Liebsten trüge, wäre vermutlich das intimste und liebevollste Präsent, was man seiner Angebeteten überhaupt nur machen könne.
Nik begann sein Set mit der dampfenden Rockelegie "Gloria" und setzte darüber hinaus zumeist auf Titel neueren Datums, ergo aus 2007/08 ("Lebe Deinen Traum", "Hundertmal", "Der Sonne entgegen") - ja, und dann trug der "Stern" Helenes (meinetwegen auch Tinas oder Edithas) Namen - die Halle bebte, sang jede Textzeile Wort für Wort lautstark mit - dem Künstler stiegen ob dieses exzessiven Abfeierns seines unübertrefflichen Dauerbrenners beinahe die Tränen in die Augen.
Weltstar ANGELIKA MILSTER zog daraufhin mit ihrer Wahnsinnsstimme das zunehmend ausgelassener reagierende Publikum in ihren Bann. Sie startete mit zwei (etwas zu) rhythmischen Beiträgen aus ihrer aktuellen Silberscheibe "Ich sag ja" ihren Auftritt. Dabei handelte es sich um den temporeichen Titelsong, sowie um die aufmunternde, mutmachende Hymne "Wer, wenn nicht wir", woraufhin "DIE STIMME", geboren in Neustrelitz/Mecklenburg, aufgewachsen in Hamburg, eine höllisch heiße Version des 1979er-"ABBA"-Hits "The Winner takes it all" anstimmte. Angelikas 1984er-Kulthit aus dem Andrew-Lloyd-Webber-Musical "Cats", "Erinnerung", durfte verständlicherweise genauso wenig fehlen, wie ein kleiner, aber feiner Ausflug in die Gefilde der Klassik. Ein perfekter Auftritt einer graziösen Grande Dame, deren kraftvolles Organ hierzulande fraglos als einzigartig bezeichnet werden kann.
Der Berliner Gentleman-Entertainer ROLAND KAISER hatte für seine halbstündige Aufwartung gleich seine gesamte Live-Band mit nach Bremen gebracht. Dieses Procedere war übrigens ein Novum im Rahmen der "Großen Schlager-Starparaden". Bislang sangen alle Künstler ‚live' zu eingespielten Instrumentalen im sog. Halbplayback-Verfahren. Für Roland Kaiser, immerhin einen der beständigsten, langlebigsten und sich stets künstlerisch weiterentwickelnden Musiker dieses unseren Landes, haben Manni Schulte und Karl-Heinz Schwedter hier jedoch eine Ausnahme gemacht, so daß der 56jährige Sänger, Texter, Produzent, Hörspiel- und Buchautor, gemeinsam mit Schlagerzeuger, Bassist, Gitarrist, Keyboarder und zwei Chordamen, die Bühne des "AWD Dome" betreten durfte.
Wie immer, von betörender Contenance, Stil und Charme beseelt, intonierte der sprichwörtliche "Pop-Kaiser" seine unvergesslichen Ewigkeitsreißer "Ich glaub, es geht schon wieder los" (1988), "Lieb mich ein letztes Mal" (1981), "Santa Maria" (1980), "Extreme" (1998) - und natürlich DEN Schlagerfeten-Tanzflächenfüller schlechthin, "Joana" (1984). Mit dem Titelsong seiner aktuellen Produktion, "Wir sind Sehnsucht", verabschiedete sich Roland Kaiser unter tosendem Applaus von seinen Bremer Anhängern.
Die fesche Saarländerin NICOLE verzauberte nun mit einem bunten Melodienstrauß aus betagteren und jüngeren Schmankerl aus ihrer seit 1981 auf durchgehend hohem Niveau stattfindenden Karriere.
Derzeit mit aktuellem Album: Andreas Martin
Den Höhepunkt der über siebenstündigen Schlagershow stellte die konzertäre Darbietung von ANDREAS MARTIN dar, der vor einem Jahr mit dem profunden Discofox-Epos "Ich fang Dir den Mond" letztlich DEN Schlager 2008 vorgelegt hatte, und kürzlich mit dem phantastischen Remix-Album "Aufgemischt" an die Öffentlichkeit trat Das Neunkirchener Multitalent sang sich durch die trefflichsten Titel seiner knapp 30jährigen künstlerischen Laufbahn, darunter die phänomenalen Ohrwürmer "Nur mit Dir und immer wieder" und "1000 gute Gründe", der sacht gesellschaftskritische Boogierocker "Niemals zu alt", das unumgängliche 80er-Jahre-Hit-Medley, zusammen geschnitten aus "Amore Mio" (1982), "Du bist alles (Maria, Maria)" (1987) und "Das erste Mal im Leben" (1984), und - wie kann es anders sein??? - der Superkracher und Partyaufmischer per Excellanze "Ich fang Dir den Mond".
Auf Zuruf aus dem Zuschauerbereich, beendete Andreas Martin mit der von ihm noch nie zuvor ‚live' aufgeführten Mid-Tempo-Ballade "Sie sagte", aus seinem 2007er-Meisterwerk "100 Prozent Sehnsucht", einen schier faszinierenden Konzertnachmittag/-abend, der einmal wieder zweifelsfrei belegte, mit welch Können, Kompetenz, Feinfühligkeit und Fingerspitzengefühl Manni und Karl Heinz es vermögen, unterhaltsame, vielseitige, vielfältige, niemals auch nur in Nuancen langweilige oder gar ermüdende "Schlager-Starparaden" auszubaldowern. Spannender Nachwuchs traf auf "Alte Hasen" der Branche, sanfter Romantikpop auf "lautere" Rockschlager, altbekannte Evergreens trafen auf hochinteressante Evergreens in Spe.
Ich freue mich schon jetzt auf "Die Große NDR 90.3 Starparade" am 17. Mai 2009 in der "Color Line Arena" zu Hamburg-Stellingen, auf der ich - und hier kann ich nahezu einen Eid darauf schwören - wiederum so schöne, positive Stunden verleben werde, wie vor ein paar Tagen in Bremen!