Bericht:
Reinhard Baer

Fotos:
Reinhard Baer





Rock'n Roll aus Bayern mitten in Brandenburg
Am letzten Samstag erlebten viele Fans im Stadttheater Luckenwalde fast zwei Stunden lang Rock'n Roll pur, dargeboten von einer Band, die Anfang der 80er Jahre mit Hits wie "Schickeria" und "Skandal im Sperrbezirk" ihre bisher größten Erfolge feierte. Man hat die Band seinerzeit gerne der Neuen Deutschen Welle zugeordnet, aber war es wirklich eine NDW- Band? Sie hätten Ihre Musik, so wie sie sie spielen, sicherlich auch ohne die Bewegung und das Etikett "Neue Deutsche Welle" gemacht und waren ja bekanntlich auch schon weit vor dem "Ausbruch" dieser, nämlich seit 1977, als Band aktiv. Das alles liegt jetzt etwa 30 Jahre zurück, aber dass die Musiker es immer noch drauf haben, bewiesen sie hier in Luckenwalde sehr eindrucksvoll.


Günther Sigl

Als ich gegen 18.45 Uhr am Stadttheater eintraf, reichte das Tageslicht gerade noch aus, um von der Spielstätte ein einigermaßen brauchbares Foto zu schießen. Im Schaukasten vor dem Haus hing ein Plakat der Spider Murphy Gang, welche am Samstag im Rahmen des Theaterfestes im Stadttheater Luckenwalde gastierte. Weiterhin erfuhr ich, dass demnächst Mathias Richling hier an gleicher Stelle auftreten soll. "Stadttheater Luckenwalde" bedeutet nämlich nicht, dass es hier ein Theater mit Intendanten und Schauspiel-Ensemble gibt. Luckenwalde hat dieses Haus als Spielstätte für die verschiedensten Live-Veranstaltungen umfunktioniert, und neben dem großen Theatersaal, in dem es am vergangenen Samstag mit der Spider Murphy Gang gut zur Sache ging, gibt es noch andere Räume für Veranstaltungen. Außerdem wird das Gebäude ebenfalls von der daneben liegende Schule genutzt (Infos zum Stadtheater unter www.Luckenwalde.de).

Kurz nach 19.30 Uhr wurden die Türen zum Theatersaal geöffnet und das Publikum nahm die Plätze ein. Der Saal, der mit Rang etwas über 700 Sitzplätze hat, war zwar nicht ausverkauft, aber fast voll. Auf der Bühne war das Bandequipment aufgebaut. Was mich etwas in Erstaunen versetzte war, dass vor der Bühne keine Absperrungen und keine breitschultrigen Security-Leute vorhanden waren, wie man es auf anderen Konzerten oft erleben kann und vielleicht auch schon erlebt hat. Schaute man sich das Publikum einmal an, so war doch der überwiegende Teil in einem Alter, der die Spider Murphy Gang noch aus den Anfangsjahren gut kannte. Die Haarfarbe grau dominierte, es sei denn sie waren gefärbt bzw. es waren keine Haare mehr vorhanden.


Im Vordergrund die beiden Gitarristen Willie
Duncan (li.) und Barney Murphy (re, in rot)

Gegen 20:00 Uhr, nachdem es wie bei einer Theatervorführung drei mal geklingelt hatte, betraten dann die Musiker die Buhne. Bassist und Sänger Günther Sigl rief dem Publikum Zu: "Seid Ihr bereit?" und "Wollt Ihr Rock'n Roll?". Als das Publikum auf die letztere Frage mit "Ja" antwortete, sagte Sigl: "Gott sei Dank, was anderes können wir auch gar nicht spielen". Los ging es mit dem Titel, mit dem die Band sich erst einmal richtig und standesgemäß vorstellte: "Mir sam a Bayrische Band". Weiter ging's im Anschluss mit "Rock'n Roll Schuah". Nachdem noch zwei oder drei weitere Titel gespielt waren, fragte Gunther Sigl das Publikum, ob sie noch Twist tanzen könnten. Er forderte die Leute auf, doch von den Sitzen aufzustehen und Twist zu tanzen. Dieser Aufforderung kamen viele Konzertbesucher auch nach. Ein Highlight des Konzertes war die Chuck Berry-Nummer "Little Queenie", die bei der Spider Murphy Gang auf deutsch vorgetragen wird und "Autostopp nach Schwabing" heißt. Hier konnte Gitarrist Barney Murphy (richtig heißt er Gerhard Gmell) mal richtig in Aktion treten. Er spielte ein langes Solo auf seiner Stratocaster, in welches er immer wieder Riffs von Chuck Berry eingebaut hatte. Günther Sigl forderte immer wieder das Publikum auf, mitzusingen: "Hey, hey, hey i muss nach Schwabing..." Nach "Mit'n Frosch im Hals und Schwammerl in de Knie", "Achterbahn" und einigen anderen flotten Klassikern aus ihrem reichhaltigen Repertoire, kam dann mit "Sommer in der Stadt" zur Abwechslung mal eine langsame Nummer. Keyboarder Ludwig Seuss spielte bei diesem Titel auf dem Akkordeon. Danach ging es aber wieder im Rock'n Roll-Tempo weiter.

Inzwischen hatten viele Leute schon ihre Klappsitze verlassen und standen auf den Seitengängen oder links und rechts vor der Bühne. Mit "Ich schau Dich an (Peep Peep)", "Pfuati Gott Elizabeth" und "Wo bist Du?" gab es weitere bekannte Titel, bis es dann mit "Schickeria" einen der ganz großen Hits zu hören gab (wovon die Band ja einige hat). Auch hier spielte Barney wieder ein langes Solo auf der Gitarre, bis dann der zweite Gitarrist Willie Duncan in die Saiten griff und zeigte, dass er nicht nur der Rhythmusgitarrist ist. Schließlich spielten dann Barney und Willie gemeinsam. Mit "Skandal im Sperrbezirk" war dann der absolute Höhepunkt des Konzerts erreicht, und es riss nun auch noch die letzten von den Plätzen.


Gute Stimmung auf der Bühne
und im Zuschauerraum...

Vielleicht noch ein paar Worte zu Willie Duncan: Er gehört seit 1988 zur Spider Murphy Gang (war also zur Zeit der ganz großen Hits noch nicht dabei) und ist das passende Gegenstück zu Barney Murphy. Außerdem ist er Linkshänder und spielt demzufolge eine Linkshänder-Gitarre. Er stammt aus Schottland und ist, wie Günther Sigl bei der Vorstellung der Bandmitglieder sagte, der einzige Schotte, der auch bayrisch singen kann. In diesem Zusammenhang möchte ich dann gleich zur Vorstellung der weiteren Bandmitglieder kommen. Neben Günter Sigl (voc, bass), Barney Murphy (git, voc), Ludwig Seuss (keyb, acc) und Willie Duncan (git, voc) spielen bei den Spider Murphys aktuell noch Paul Dax (drums) und Otto Staniloi (sax). Günther Sigl sagte, dass er und Barney schon gefühlte hundert Jahre zusammen Rock'n Roll spielen. Die beiden sind auch die letzten verbliebenen Gründungsmitglieder der Band. Barney war komplett in Rot gekleidet und war somit (aber wie schon erwähnt eben nicht nur deshalb) der Blickfang auf der Bühne. Die übrigen Musiker trugen dezent dunkle Kleidung.

Kurz nach dem "Skandal im Sperrbezirk" kam auch schon der letzte Titel. Die Musiker wischten sich mit den Handtüchern den Schweiß ab, und es hieß "Tschüss und winke-winke". Natürlich mussten sie aufgrund des anhaltenden Applauses nochmals auf die Bühne zurück kommen, und sie spielten noch drei weitere Titel als Zugabe, u.a. den Song "Herzklopfen". Nach diesen drei Titeln wurde sich seitens des Publikums nochmal eine Zugabe erklatscht, bevor dann das Licht auf der Bühne endgültig aus- und im Publikumsraum anging. Die Leute verließen den Saal sichtlich zufrieden und gut gelaunt durch die Seitentüren. Die Crew begann mit dem Abbau auf der Bühne und ich ging noch kurz in den Theaterkeller, um mich von Andreas Klitzing, dem Kulturmitarbeiter der Stadtverwaltung Luckenwalde, zu verabschieden und ihm nochmal ein großes Dankeschön dafür zu sagen, dass ich über diese Veranstaltung berichten konnte und vor Ort alles prima geklappt hat. Im Restaurant des Theaterkellers fand jetzt die Aftershow-Party des Theaterfestes 2011 statt.

Die Setlist vom 24.09.2011:
Mir san a bayrische Band
Rock'n Roll Schuah
Vis a vis
So a Nacht
Überdosis Rock'n Roll
Frosch im Hals
Sommer in der Stadt
Radio
Autostopp nach Schwabing
Elisabeth
Schicheria
Wer wird denn Woana
I schau di an (Peep Peep)
Wo bist Du?
Skandal im Sperrbezirk
Zugabe 1:
Achterbahn
Herzklopfen
So a schöner Tag
2 Zigaretten
Zugabe 2:
Vivala Rock'n Roll
Renzdevouz

Bitte beachtet auch:
- off. Homepage der Band: www.spider-murphy-gang.de
- Homepage der Stadt Luckenwalde mit der Seite zum Stadttheater: www.luckenwalde.de





Fotoimpressionen: