Bericht:
Gundolf Zimmermann

Fotos:
Gundolf Zimmermann (Livefotos)
Splitt (Grafik oben)





Zum 19. Mal fand am vergangenen Wochenende am Goldenen Reiter in Dresden das Familienfest rund um den Tag der Deutschen Einheit statt. Feiertag hin oder her, interessant ist die Angelegenheit auch für die Konzertgänger wegen dem Bühnenprogramm allemal. Dieses Fest hat sich im Laufe der Jahre zum Besuchermagneten entwickelt. Die gesamte Hauptstraße vom mit Blattgold überzogenen Reiterstandbild August des Starken bis zum Albertplatz ist während dieser Tage ein schwer zu definierendes Territorium, bei dem Welten aufeinander treffen. Diese ansonsten eher ruhige und beschauliche Einkaufsstraße wird für das ganze Wochenende zu einer grellen, unüberschaubaren Mischung aus Basar, Fressmeile, Rummelplatz und Partymeile, die von den ansässigen Geschäften, Cafés und Gaststätten räumlich begrenzt wird. Aber dieser zeitweise existierende Boulevard der Eitelkeiten sowie der Nepper, Schlepper und Bauernfänger soll heute gar nicht mein Thema sein. Obwohl man hier sicher auch richtig interessante Sozialstudien betreiben könnte, möchte ich an dieser Stelle darauf verzichten und lieber zu des Pudels Kern kommen, der da heißt kurzer Konzertbericht.

Am Sonnabend gehörte die Bühne neben dem Goldenen Reiter laut Programm ab 18.00 Uhr der Ostrock-Coverband SPLiTT. Das milde Herbstwetter und die Aussicht auf Gratis-Livemusik lockten außer mir noch mehrere hundert Besucher an den Ort des Geschehens. Als ich eintraf, waren Band und Veranstaltungstechniker noch mitten beim Soundcheck. Das Einpegeln und Abstimmen der Beschallungsanlage dauerte ein paar Minütchen länger als geplant. Was dazu führte, dass die ersten Besucher langsam ungeduldig wurden. Aber gut Ding will Weile haben, spricht der Volksmund nicht umsonst. Meiner Meinung nach war das alles zeitlich sowieso noch in einem ganz akzeptablen Rahmen. Da habe ich schon ganz andere Wartezeiten bei Muggen erlebt.

Hinter einer langsam abziehenden Bühnennebel-Wolke kamen die Musiker, begleitet von den Klängen des von SILLY bekannten "Unterm Asphalt"-Intros, allmählich zum Vorschein. Es sah ungewohnt leer auf der Bühne aus. Es war nämlich nicht die gesamte Band anwesend. Ein paar Instrumente (Keyboard, Schlagzeug, Bass, 2. E-Gitarre) und ihr Bedienpersonal fehlten. Nur drei aktuelle SPLiTT-Musiker standen im Scheinwerferlicht auf den Dresdner Brettern. Die Ostrock-Coverband spielte an diesem Abend nämlich nur als Trio und zwar in folgender Besetzung:
Petra Großheim (Gesang)
Heinz Großheim (Gitarre, Gesang)
Frank Käppner (Gesang, Gitarre)

Petra, Heinz und Frank spielten und sangen ihre Parts live. Der Rest kam vom Laptop und wurde vorher von den entsprechenden Musikern eingespielt. So was nennt man wohl Halbplayback. Natürlich wäre mir die komplette Band live wesentlich lieber, das streite ich gar nicht ab. Aber in der heutigen Zeit ist es bei vielen Bands/Projekten üblich zeitweise fehlende Musiker so zu ersetzen und/oder dem Veranstalter mit solchen Varianten kostenmäßig entgegenzukommen. Mir fällt da spontan der großartige Rockgeiger Hans die Geige ein, der fast alle seine Auftritte so bestreitet. Ich verteufele das auch nicht mehr so vehement wie früher. Zeiten ändern sich eben, das Musikgeschäft ist hart und mögliche Veranstalter sind oft auch räumlich oder finanziell nicht in der Lage eine komplette Band zu buchen. Der Livemusik-Anteil muss aber schon noch sehr deutlich zu erkennen sein und den Hauptanteil ausmachen.

Das SPLiTT-Trio spielte aber von der ersten Minute an mit offenen Karten. Das Publikum hat es akzeptiert und das Konzert ging erfolgreich über die Bühne. Alle hatten ihren Spaß bei der Musik und der Show. Da ich SPLiTT schon mehrmals und immer komplett gesehen habe, war es für mich am Anfang etwas ungewohnt. Das hatte aber durchaus seine eigenen Reize. So ein paar Schlagzeugschläge aus dem Nichts können manchmal höchst amüsant sein. Ich will aber auch nicht abstreiten, dass nach meinem Gefühl doch etwas vom typischen Druck und von der Dynamik des SPLiTT-Livesounds auf der Strecke blieben. Das könnte aber auch daran liegen, dass die komplette PA-Anlage sehr leise, ja sogar viel zu leise gefahren wurde. Selbiges Problem hatten wir ja im Frühjahr beim BERLUC-Konzert an gleicher Stelle auch schon. Dass man mit 6 oder 7 Mann auch showmäßig mehr machen kann, dürfte auch jedem klar sein.

SPLiTT teilte das Konzert in 3 Teile (auch Blöcke genannt) auf, die von zwei Pausen getrennt wurden. Von den gespielten Titeln her war das Konzert fast mit dem Auftritt der Band am 8. Juli auf der anderen Elbseite beim Dampfschifffest identisch (siehe Bericht HIER). Vermisst habe ich jedenfalls nur "Am Fenster" von CITY. Ganz stark vertreten waren wieder Songs von SILLY aus Tamara Danz-Zeiten ("So ne kleine Frau", "Bataillon d'Amour", "Bye, bye", "Hurensöhne", "Asyl im Paradies"). Das ist auch völlig okay, denn Sängerin Petra liegen diese Lieder von der Stimme her besonders. Von Karat waren mir persönlich ein paar Titel zu vie im Programm. Mir hätten "Märchenzeit", "Albatros" und eventuell noch Petras Version vom "Schwanenkönig" vollkommen gereicht. Immerhin war es sehr lustig, dass sich Petra jedes Mal bei mir fast entschuldigte, wenn sie einen Titel von Karat spielten. Das zeigt mir zusätzlich noch, dass die Band meine Konzertberichte auch liest ;-) Das ist doch schön, oder nicht? Ansonsten fehlten natürlich die PUHDYS, CITY, Nina Hagen, Keimzeit, Vroni Fischer und Ute Freudenberg auch nicht im Programm.

Das Duett "In jener Nacht" (Veronika Fischer und Franz Bartzsch) war mein persönlicher Spitzenreiter an diesem Abend. Petra und Frank sangen das Lied wirklich großartig, sehr gefühlvoll und ausdrucksstark. Für Lacher sorgte ein kleiner Junge mit Fußballsachverstand, der sich am Rand der Bühne laut ein DYNAMO-Lied von Petra wünschte. Das wäre für mich doch auch ein Traum gewesen, wenn die Berliner Band zum Beispiel "DYNAMO" von Winnie II gespielt hätte ;-) Aber es blieb ein Wunschtraum.
Trotzdem war es wieder sehr erfrischend zu erleben, wie die Frontfrau witzig und schlagfertig mit dem Publikum kommunizierte. Mit Zugaben spielte das SPLiTT-Trio ungefähr bis 21.40 Uhr. Wenn ich die beiden Pausen abziehe, dürften nicht viele Minuten an 3 Stunden reiner Spielzeit gefehlt haben. Natürlich gab es nachher auch noch Gelegenheit sich ein Autogramm zu holen und mit den Musikern ins Gespräch zu kommen. So konnten wir am Rande auch noch erfahren, dass SPLiTT über den Winter weitere Lieder einstudieren wird. Darunter auch Songs neueren Datums von SILLY und einer anderen Band, die ich nicht so mag ;-)

Bitte beachtet auch:
- Off. Homepage der Gruppe SPLITT: www.splitt-rock.de




Fotoimpressionen: