Tino Standhaft & Paul Millns live in Leipzig am 15. März 2011



Bericht:
Casus Campari

Fotos:
Pressefotos (Text-Illustration)
Matthias Ziegert (Livefotos)






Von Keinem zu viel, von Allem zu wenig!
Tino Standhaft meets Paul Willns

Wenn zwei so hochkarätige Künstler eine Bühne gemeinsam betreten, kann der Abend gar nicht lang genug gehen, denn schließlich müssen sie sich in alles teilen, die Zeit, den Applaus, die Gage... Dieser Eindruck kam allerdings im Leipziger Krystallpalast Varieté nicht im Ansatz auf. Beide gaben Vollgas, als würde die Erde nicht stillstehen können.

Tino und Band, allen voran Norman Daßler an den (auch angestöpselten) Gitarren, eröffneten den akustischen Abend mit einem Feuerwerk der von Stadhaft Rocks so gut für die verwöhnten Gehörgänge zurechtgeschmiedeten Songs. Weder fehlten "Give me Love" noch "On The Run" und auch die Anspielung auf die Herkunft des 'Überraschnungsgastes' "London Rain" läutete den Abend ein. Alle Songs finden Interessierte natürlich auf der CD "Cut" - Tino Standhaft & Friends (Two Nights At Chrystal Palace), aufgenommen in den Vorjahren.
Bereits das 5. Mal in Folge hat Managerin Gina Kaul Tinos Band für diese Location verpflichten können und da darf man da auch mit Fug und Recht von einer guten Tradition sprechen. Edel das Interiör und der Klang, wissend um die hochkarätige Performance am bevorstehenden Abend das erwartungsschwangere Publikum. Nichts und niemand wird enttäuscht.

Auch und natürlich hat im zweiten Set des Abends Paul Millns seinen unbestrittenen Anteil am Gelingen dieses Mosaiksteinchens Leipziger Kultur; nennen wir es gerechterweise Basiskultur in Anspielung auf unser vor Kurzem geführtes Interview mit dem Beigeordneten für Kultur im städtischen Rathaus.

Gina Kaul ist es zu verdanken, dieses Urgestein der britischen Liederszene über den Kanal nach Leipzig geholt zu haben, denn weder kannte er dieses Fleckchen Erde bisher noch ist Millns der mit neunzig Prozent Bekanntheitsgrad gesegnte Hitparadenstürmer. So sind seine Lieder genau dafür weniger geeignet, perfekt bis in die letzte Viertelnote gesetzt und mit Texten, denen man nicht nur aufgrund der fremden Sprache noch beim hundertsten Anhören versteckte und offene Anspielungen entnimmt. Paul Millns wird wohl ewig der immer und immer wieder bemühte "Geheimtipp" der Szene bleiben, denn jetzt im musikalischen Rentenalter hat er keinen Bock mehr auf finanziell gut ausgeloteten Mainstream. Dies war ihm wohl noch nie geheuer, viel zu kritisch legt er Text und Botschaft aus. Er unterhält sein Publikum, auch zwischen den Songs. Und aus welchen Gründen auch immer, genau da herrscht gespenstige Stille unter den ca. 180 Gästen, die das Konzert damit auch am zweiten Abend zu einer ausverkauften Veranstaltung aufwerten.

Wer Tino kennt, weiß auch, dass der Höhepunkt eines jeden Konzerts im gemeinsamen Musizieren der unterschiedlichen Wurzeln liegt und so holt Norman die Elektrische für Jimi Hendrix' "Little Wing" noch einmal ganz klammheimlich hinter dem Vorhang hervor, während Paul stimmgewaltig sich selbst am 'Schimmel' begleitend und gegen 3 Gitarren, Schlagzeug und Hammond (?) mit einem seiner älteren Songs "Old Enough" durchsetzt.

Was bleibt nach solch einem Abend? - Das gute Wissen und Gewissen um eine schöne, aber verbessungsnotwendige, um eine gerechte aber gerechtermachende Welt, so sie uns denn erhalten bleibt. Danke Paul, Tino und Gina, Danke der Band und den wie immer im Dunklen hantierenden Technikussen.





Fotoimpressionen:



Tino Standhaft & Band:




























Paul Millns: