Bericht:
Fred Heiduk

Fotos:
Matthias & Sebastian Ziegert





Es lohnt immer wieder, auch mal außerhalb der großen Städte nach besonderen Veranstaltungen zu fahnden und nicht nur in den großen, bekannten Zentren zu suchen. Unlängst wurde ich so auf die Ankündigung eines Konzertes in einem Nachbarort aufmerksam, das ich mir keinesfalls entgehen lassen wollte. Der Förderverein für Handwerk und Denkmalpflege e.V. im Rittergut Trebsen hatte zum Konzert mit Christiane Ufholz und Eberhard Klunker geladen. Mit derartigen Hochkarätern überraschen die rührigen Veranstalter in Trebsen nun schon seit geraumer Zeit. Am Abend des 28. Oktober 2011 wurden sie dafür mit einem gut gefüllten, großen Saal und einer außerordentlich guten Stimmung belohnt. Das Rittergut Trebsen ist sicher nicht der perfekte, klassische Konzertsaal, aber dafür von der ersten Sekunde an sowohl für das Publikum, wie auch für die Künstler etwas Besonderes. Das familiäre Ambiente im Umfeld der Veranstaltung und die unmittelbare Nähe zu den Künstlern lassen einen problemlos über die nicht perfekte Akustik des Saals und über die begrenzten technischen Möglichkeiten der vereinseigenen Anlage hinwegsehen, zumal sich noch zeigen sollte, dass zumindest Christiane Ufholz den Saal wohl hätte mühelos auch ohne Technik ausfüllen können. Aber damit sind wir schon mitten im Konzertbericht.


Die CD zum Programm (Rezension: HIER)

Es ist schwer zu sagen, was die Gäste letztlich bewog, an diesem Abend in das Rittergut zu strömen, aber um 21.00 Uhr war der Raum mit offensichtlich fachkundigem Publikum sehr gut gefüllt. Ob man mit Christiane Ufholz einer Ikone der frühen Rock-, Blues- und Jazzszene speziell des Südens der DDR huldigte oder dem Ausnahmegitarristen und Musiker der Hansi Biebl Blues Band, Eberhard Klunker. Ob man wegen der beiden WINDMINISTER kam, die seit einigen Jahren auch als Duo auf Tour sind und 2010 eine Live CD herausgegeben haben, oder einfach nur um gute Musik live zu erleben, war eigentlich egal, denn es wurde für jeden dieser "Interessenten" etwas geboten. Nicht irgendwas, sondern ein wirklich spektakuläres Konzert, das alle Zuhörer begeisterte.

Vor dem Konzert war noch etwas Zeit um hier und da ein paar Worte mit anderen Besuchern, den Veranstaltern oder den Musikern zu wechseln, doch dann legte das Duo Ufholz / Klunker los. Noch bevor der erste Ton erklang, hatte Christiane Ufholz das Publikum schon auf ihrer Seite. Nachdem Eberhard Klunker mit wenigen Worten Christiane Ufholz begrüßte und dann zur Gitarre griff um zum ersten Titel überzuleiten, unterbrach ihn Christiane Ufholz noch einmal mit Leipziger Charme und begrüßte das Publikum, dem sie viel Spaß wünschte. Sie wisse allerdings noch nicht genau, was man gleich zu hören bekäme, weil sie bei jedem Konzert hier und da frei improvisieren würde und immer hofft, dass das dem Publikum genau so viel Spaß bereitet wie ihr selbst. Ihre Art brachte ihr einige auflockernde Lacher, die Ankündigung zur Musik lauten Beifall, da wohl jeder um die Klasse des kommenden Programms wusste, oder sie zumindest ahnte ...

Schon der erste Titel "My live is a boogie", im Original von Inga Rumpf (1978), brachte anerkennendes Raunen im Publikum. Dass ihre Stimme der von Inga Rumpf in nichts nachsteht und sie daher keine Probleme bei der recht nahen Interpretation des Titels hatte, konnte jeder hören. Christiane Ufholz zeigte, welch außergewöhnliche Stimme sie unverändert hat und erzeugte so sicher bei einigen Zuhörern gleich mit dem ersten Titel Gänsehaut.
Mit dem zweiten Titel, dem Jimi Hendrix Klassiker "All along the watchtower", deuteten die beiden Musiker an, wie breit das Programm angelegt war. Der Song bezog seine Besonderheit aus der von Christiane gesungenen zweiten Stimme, die ungeheuer soulig klang. Zudem brillierte Eberhard Klunker erstmals anschaulich mit seiner fantastischen Spielweise und vor allem auch einer imposanten Grifftechnik. Jimi Hendrix auf der Akustikgitarre, das ist eine Herausforderung, denn es soll alles nicht wie Lagerfeuermusik klingen. Klunker / Ufholz haben gezeigt, wie man das überzeugend machen kann. Zu dem Eindruck trug sicher auch bei, dass Christiane zum ersten Mal an diesem Abend ihre Stimme richtig "aussang", das heißt: richtig Power in die Passagen legte, die das erforderten. Dabei hatte ich den Eindruck, dass da nichts einstudiert war. Die Töne und ihre Kraft strömten geradezu selbstverständlich aus ihr heraus.

War man eben noch vom Soul gefangen, wechselten die beiden erneut das Genre. Es folgte eine interessante Jazz-Rock-Interpretation des POLICE-Titels "Walking on the moon" die zeigte, dass Christiane Ufholz zu Recht zu den ganz großen Jazzdiven des Ostens zählt. Zugleich wurde deutlich, dass ihre Stimme im Zentrum des Konzerts steht und Eberhard Klunker diese oft nur mit wenigen Tönen auf der Gitarre wirkungsvoll unterstützt oder gegebenenfalls auch ergänzt. Das war große Klasse und zeugte vom blinden musikalischen Verständnis der beiden Künstler.
Dass sie auch gesanglich durchaus harmonieren, zeigten sie im folgenden Titel "Stroke". Der ist eine Komposition von Eberhard Klunker und zeichnet sich durch einen tollen gegenläufigen Satzgesang und eine eingängige Gitarrenmelodie aus. Zudem gab es hier zum ersten Mal an diesem Abend eine deutschsprachige Strophe. "Stroke" war mein Favorit aus dem ersten Teil des Konzerts, obwohl der zweite eigene Titel, "There is no way", vom Album "Live 2010" dem wirklich in nichts nachsteht.

Es folgten zwei weitere eigene Titel. Die sollen einmal, zusammen mit den eigenen Titeln aus dem zweiten Teil des Konzerts die noch zu hören waren, auf einer neuen CD, die weitestgehend Eigenkompositionen beinhalten wird, erscheinen. Wann diese allerdings fertiggestellt sein wird, steht noch nicht fest. Man kann nur hoffen, dass es nicht allzu lange dauern wird, denn gerade die Eigenkompositionen der beiden Musiker zeigen ihren unglaublichen Ideenreichtum und ihre Vielseitigkeit. Die an diesem Abend live gespielten, noch unveröffentlichten Titel lassen die Behauptung zu, ein Album mit Eigenkompositionen des Duos Ufholz / Klunker wird ein musikalischer Hochgenuss. Das Spektrum der beiden reicht von Blues über Soul und Jazz bis zu Rock- und Poptönen, die durchaus an die Hippieklänge der frühen 70er erinnern. Erstaunlicherweise wird diese Musik genauso authentisch interpretiert, wie die großen Soul- und Bluesklassiker, die im Programm sind. Das mag daran liegen, dass beide ja Kinder dieser Zeit sind und es ihnen nicht schwer fällt, Seele auch in derartige Musik zu legen. Der eigene Titel "Hippies will survive" aus dem zweiten Teil des Konzerts ist dafür geradezu bezeichnend. Er hat irgendwie Hitpotential. Eine eingängige Melodie, einen leicht verständlichen Text mit einem gewissen Augenzwinkern, sowie eine leicht mitzusingende Refrainzeile. Das Lied ist einfach gut gemacht und toll gesungen von zweien, die wissen worüber sie reden. Wenngleich es sicherlich nicht das anspruchsvollste Stück aus dem Repertoire ist, transportiert es Stimmungen und nimmt den Zuhörer gefangen. Was den musikalischen Anspruch betrifft, ist "Beautiful machine", eine weitere Eigenkomposition die im zweiten Teil des Konzerts gespielt wurde, ganz anders angelegt. Hier hat sich Klunker an die direkte Verbindung von rockigen, teils poppigen Elementen und balladesken Motiven, von Blues und Soul mit Popelementen in einem Titel gewagt. Das ist toll gemacht und ungeheuer beeindruckend umgesetzt. Sowohl der Gesang als auch das Zusammenspiel von Gitarre und Stimme faszinierten ungemein. Aufbauend auf einem eingängigen, einfachen Motiv, das Klunker mit der Gitarre vorgab, wurden Strophen und Refrain in verschiedenen Stilrichtungen entwickelt, die durch gelungene Bridges verbunden werden. Obwohl jeder Stil für sich deutlich erkennbar bleibt, wirkt der Titel insgesamt sehr harmonisch. "Beautiful machine" scheint geradezu direkt für die großartige Christiane Ufholz gemacht, denn hier konnte sie in einem Stück in allen Spielarten ihres Könnens zugleich brillieren. Mir fällt kein vergleichbarer Titel ein, und gleich gar nicht in dieser Klasse. Der Titel war für mich der absolute Höhepunkt des Abends.

Natürlich wäre ein Abend mit Christiane Ufholz nicht komplett ohne eine Jannis Joplin-Interpretation. Das Publikum wurde nicht enttäuscht. Der Titel "Do you know", eine weitere Eigenkomposition aus dem ersten Konzertteil ist irgendwie eine Reminiszenz an die große amerikanische Sängerin. Wie um die Fähigkeiten Christiane Ufholz' besonders zur Geltung zu bringen, ist die Gitarrenbegleitung bei diesem Titel extrem minimiert. Dadurch zeigte sich, dass Christiane Ufholz nach wie vor genau mit diesem Stil brillieren kann. Selbst wenn man ihre Bewegungen auf der Bühne verfolgt, wird man zwangsläufig an Auftritte von Janis Joplin erinnert. Bei beiden war Musik wohl mehr als ein Handwerk. Beide mussten Musik wohl immer unter vollem körperlichem Einsatz ausleben. Beide traten in dieser Art bereits vor 40 Jahren auf. Janis bei den größten Konzerten der Musikgeschichte, Christiane in den Sälen rund um Leipzig. Janis Joplin ist lange Tod. Christiane Ufholz lebt und sprüht vor Energie. Mit "Do you know" deutete Christiane an, wofür sie einst berühmt war und bewundert wurde. Und sie zeigt, dass sie nichts an Klasse verloren hat. Genau wie sie wohl unverändert die Blonde mit der schwärzesten Stimme überhaupt ist. Unglaublich und unbeschreiblich diese Stimme. Christiane scheint geradezu selbst Musik zu sein. Variationen bekannter Themen strömen nur so aus ihr heraus. Immer perfekt in Tempi und Tonlage, gleich ob tief oder hoch. Besonders beeindruckend wurde es immer wieder, wenn Christiane Ufholz in einem Lied von ganz tief unten in eine sehr hohe Stimmlage wechselte, wobei sich die hohen Töne dabei besonders kraftvoll anhörten, da sie sie nicht mit einer Kopfstimme singt, obgleich es sich so anhört. Wenn sie nicht voll aussingt klingt ihre Stimme gelegentlich etwas rauchig, belegt. Sie wird jedoch glockenklar wenn sie richtig Gas gibt, gleich ob sie hoch oder tief singt. Ich fand, dass ihre Stärken an diesem Abend besonders in der Höhe lagen. Im ersten Teil des Abends mit 10 Titeln hatte sich Christiane scheinbar richtig warm gesungen und wurde nach der Pause gefühlt von Titel zu Titel besser. Die Jazzadaption von "I feel good" war ganz großes Kino. Dabei war eine weitere Eigenheit ihres Gesangs zu hören. Ein wenig wie Tina Turner presste Christiane Ufholz die hohen Töne mehr als sie sie sang. Das Ergebnis waren allerdings dennoch klare Töne die irgendwie noch intensiver klangen, als wären sie nur einfach so gesungen worden. Die Vielfalt, derer sich Christiane Ufholz bedienen kann, ist einfach unbegreiflich. Und alles was sie macht sieht, trotz eines enormen körperlichen Einsatzes - die Frau steht keine Sekunde still auf der Bühne - so mühelos aus, sprüht vor Kraft und sagt: "Ich hab hier Spaß! Ich hoffe ihr auch.", so dass man förmlich mitgerissen werden muss.

Mehrfach schafften es beide, das Publikum zu überraschen. Gerade bei bekannten Covertiteln setzte Christiane frei improvisierend genau an den Stellen noch eine Steigerung drauf, wo im Original der eigentliche musikalische Höhepunkt des jeweiligen Stückes war. So etwas kann man, so glaube ich, nur, wenn man Musik fühlt und lebt, wenn man sie von innen heraus macht. Daran konnte nach diesem Konzert im Bezug auf Christiane Ufholz und Eberhard Klunker ohnehin niemand mehr zweifeln. Das tat wohl auch niemand. Zumindest dem Applaus nach zu urteilen nicht. Auch wenn der vor allem nach den einzelnen Stücken aufbrandete, so galt er gleichermaßen Eberhard Klunkers Gitarrenspiel wie Christiane Ufholz Gesang. Eberhard Klunker glänzte zum Beispiel im Titel "Crossroads", einem echten Blues, bei dem er die Saiten nur kurz und sehr schnell anschlug und eine irre Grifftechnik zeigte. Entsprechend wurde er dafür bejubelt.

So könnte man für jeden der an diesem Abend gespielten 24 Titel etwas Besonderes hervorheben. Gleich ob Klassiker wie "Georgia on my mind" - Christiane Ufholz' Wunschtitel, in den kein Sänger der Welt mehr Soul hätte reinlegen können -, "Street live" oder "Little red rooster", und wie sie alle hießen. Das Publikum lauschte andächtig und staunte über das was da auf der Bühne geschah. Ein besseres Blues Konzert kann man kaum erleben. So wundert es auch nicht, dass sich das Publikum einen ordentlichen Zugabeteil erklatschte. Die ersten drei Titel genügten den Trebsenern noch nicht, obwohl sich die beiden Musiker mit Dylan's "Tambourine man" und vor allem mit "Can't find my way home", in dem sich beide zum letzten Mal an diesem Abend mit fantastischem, gekonnten Satzgesang als tolles Duett präsentierten, noch einmal richtig ins Zeug legten.

Nach wahrlich frenetischem Applaus kamen Ufholz & Klunker nochmals auf die Bühne und stimmten "Knocking on heavens door" an. Sie brauchten nicht viel zu animieren, und der Saal sang den Refrain mit. Das hört sich zwar an, als würde ein Rudel Wölfe heulen, aber das Publikum hatte daran sicht- und hörbar Spaß.

Was soll man noch sagen? Dass es ein phantastisches Konzert war, sagte ich bereits. Ebenso erwähnte ich, dass es aus meiner Sicht ein paar großartige eigene Titel im Programm von Christiane Ufholz und Eberhard Klunker gibt, von denen einige das Zeug zu Hits haben. Dass beide Musiker in die Reihe der ganz großen ihrer Zunft gehören, erwähnte ich mehr als einmal.
Bleiben zwei oder drei Kleinigkeiten. Dass mir die Uptempo Version von "Riders on the storm" nicht gefiel, muss man nicht überbewerten, zumal ich wohl der Einzige war, der sich da an irgendwas störte. Das übrige Publikum klatschte nämlich begeistert mit, während ich mich fragte, warum das Tempo verändert wurde. Das die Interpretation von "People get ready" unglaublichen Charme hatte, will ich allerdings gern noch erwähnen. Ebenso wie die Tatsache, dass ich den Janis Joplin Titel, den Christiane Ufholz überragend sang, nicht kannte. Auch dass es durchaus ein paar Leute im Saal gab, die sich über einen ihrer alten Hits aus DDR-Zeiten durchaus gefreut hätten, möchte ich noch erwähnen. Doch unterm Strich war es - und das sag' ich noch einmal mit großer Freude - ein ganz phantastischer Abend, der nach fast drei Stunden (!) etwa 100 gut gelaunte, begeisterte Fans in die Nacht irgendwo abseits der großen Stadt entließ. Ein Abend von dem man nicht nur in Trebsen ein paar Tage wird zehren können.

Bitte beachtet auch:
- off. Homepage von Christiane Ufholz: www.christiane-ufholz.de
- Homepage des Veranstalters: www.denkmalpflege-trebsen.de
- Portrait über Christiane Ufholz: HIER




Live-Impressionen: