ULMAN live am 17. März 2009 in Berlin

Bericht: Petra Heinzel
Fotos: Petra Heinzel, Dietmar Meixner





4x ULMAN oder doch 3+1?
Am Dienstag zog es mich, wie gewohnt, in die Kulturbrauerei. ULMAN hatte ins Maschinenhaus eingeladen, und das wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Kurz nach 18:00 Uhr waren alle vier Musiker und ihre Techniker mit dem Soundcheck beschäftigt. Damit alles ins rechte Licht gesetzt werden konnte, stand noch vor der Bühne eine Leiter. Eine halbe Stunde später spielten dann alle vier zusammen einige Songs ein. Johannes entschied sich mit Kabeln zu spielen und die Techniker leisteten Profiarbeit, da die Monitore gegen die Rückwand schallten und alles wieder verzögert in den Saal zurückkam. Ein kurzer Blick auf das Schalldruckpegelmessgerät verriet, die Dezibel stimmen, alles war stimmig. Ich verließ um 19:10 Uhr das Gelände um für ein Stündchen in Speiches (Bassmann der Monokel Blues Band) "Rock & Blueskneipe" zu verweilen. Dort traf ich auf Salli Sallmann, der an diesem Abend mit seiner Band zu Gast beim Rockradio war. Auch einige andere Bekannte und Musiker waren vor Ort.
Nach kurzer Verweildauer ging ich wieder zurück ins Maschinenhaus, denn ich wollte schließlich nicht die Uhlmänner verpassen. ULMAN - Uhlmänner, da werden sich einige fragen: wie nun? Die Band ULMAN besteht genau aus drei Uhlmännern und einem Nicht-Uhlmann. D.h. also: Till Uhlmann (musiziert auf zwei Drehleiern und einer Geige) hat zwei Cousins Johannes Uhlmann (musiziert mit diatonischem Akkordeon und Bratsche) und Andreas Uhlmann (musiziert mit Posaune und mehreren Flöten, jede dieser Flöten erzeugt eine andere Stimmung). Wer es noch genauer wissen will: Johannes und Andreas sind Brüder. Und dann gibt es also noch einen Nicht-Uhlmann: Demian Kappenstein (Schlagzeuger), der natürlich zu ULMAN gehört. Vielleicht sollte er mal seinen Namen ändern lassen? Nein, ich denke das ist nicht nötig. Das Zusammenspiel der Jungs ist absolut stimmig, und daher ist Demian, auch ohne den gewissen Namen zu tragen, fester Bestandteil von ULMAN.
Kurz nach 21:00 Uhr starteten die ULMA(EN)Nner, wobei es zu Beginn Probleme mit den Drehleiern gab, denn sie rauschten. Über Till sagte man daraufhin, er benutze zu viele Effekte und musste daher zur "Strafe" mit Mikrofon spielen. Demian eröffnete den Konzertabend: "Schönen guten Nabend! Seid ihr gut drauf? Wir werden auch unser neues Album live vorstellen." Seit Kurzem gibt es dieses dritte Album "ELECTROKUSTICA" (siehe Rezension: HIER). Das erste Lied "Pam7" stammt von ihrem zweiten Album "VIBES". ULMAN hatte ein riesengroßes Repertoire aus 10 bis 15 Jahren Bandgeschichte im Gepäck. Demian führte uns durch den Abend, so kündigte er auch den nächsten Titel an: "E-Tabou", was so viel heißen soll wie "Edeka ist tabu". Alle vier Musiker beherrschten ihre Instrumente hevorragend, Till mit seiner hellbraunen Drehleier, Johannes mit seiner Bratsche, Demian hielt seine Sticks in Schwung und Andreas hatte für den passenden Sound einen Schalldämpfer an seiner Posaune. Auf einem Festival in Schweden lernten die Jungs ein Vokalquartett aus Schweden kennen, und da Schweden ein Stückchen von Deutschland entfernt liegt, haben sie ein Lied von denen genommen und eingesampelt. Dabei heraus kam letztendlich "Elins DnB" (vom neuen Album "ELECTROKUSTICA"). Hierfür wechselten die Musiker ihre Instrumente, nun kamen Akkordeon, Geige und Posaune zum Zug. Sehr schön dazu die passenden Hintergrundbilder, die durch einen Diaprojektor auf den Bühnenhintergrund projeziert wurden. Diese wechselten ständig, zu jedem Sound ein entsprechendes Bild (verantwortlich hierfür der Mann mit viel dunklem Haar auf dem Spiegelbildfoto). Das verwandelte den Saal in eine sehr angenehme Atmosphäre und alle konnten ihre Weltmusik, mit der sie schon einige Preise, wie z.B. im Jahr 2007 die "Creole", absahnen konnten, genießen. Ihre Musik greift in sehr viele Sparten über, ich konnte Jazz, Pop, Rock Hip Hop und exotische Klänge wahrnehmen. Zum Tanzen wurde das Publikum auch aufgefordert, mit "Fast TP" was "Schneller Tanzpartner" bedeuten soll. Bei "Diegos Polska" wurde gerockt, und wie sagte Demian so schön "Nach Rock kann nur noch eins kommen: Drum `n` Bass!" Es ging also mit "Quann Cy Mul Mouche" weiter, wobei vorher noch erklärt wurde, dass am Ende die Stimme erhöht werden muss beim "Mouche". Posaune, Akkordeon und die dunkelbraune Drehleier, sowie Demians Fingerfertigkeit am Schlagzeug mit unterschiedlichen akustischen Einsätzen umrahmten dieses fantastische Werk. Nach dem nächsten Titel wurden wir in eine Pause geschickt, und gegen 22:45 Uhr begann der zweite Teil des Abends.
Das etwas schüchterne Publikum wurde etwas lockerer, und ich freute mich über den wunderbaren Titel "Nun". Manchmal glänzten die Ulmänner auch mit ein wenig Gesang, oder auch Satzgesang. Sie sangen "Ich will dich wieder sehen" und auch "Ich will dich nie mehr sehen". Eine sehr schöne Verpackung bzw. Verschachtelung gewisser Worte. Ich hoffte auf meinen Lieblingstitel "Modal Scales", und so war es nun so weit, das Highlight des Abends begann. Jetzt erstrahlte nicht nur die Leinwand im karierten Licht, nein... auch die Musiker waren klein kariert (nur Demian erstrahlte blau). Klein kariert natürlich nicht in dem Sinne... sondern nur visuell... ganz im Gegenteil frei bewegen, ach man nennt das ja in der Fachsprache "Headbanging". Und nicht nur Köpfe bewegten sich ekstatisch... zur anschließenden Erholung wurde eine Ballade vorgezogen.
In einem anderen Saal des Hauses spielte die Band "Danko Jones", ich befand mich aber genau an dem Ort, wo ich unbedingt sein wollte. In "Nie mehr" kamen viele Musikstilrichtungen, die die Band in den letzten Jahren verfolgt hat, zum Ausdruck. Posaune, Akkordeon und Drehleier kamen wieder zum Einsatz und die Fans durften singen "babababab". Dann stellte Demian die Band der vielen Uhlmänner vor und verwies auf die Website www.ulman.info, dort sind alle weiteren Tourdaten aufgelistet. Den CD-Verkauf konnte Demian mit einem lustigen Spruch ankurbeln: "Eintritt habt ihr in Form eines Stempels erhalten, die Austrittskarte gibt es in Form einer CD!" Mit dem "G. Point", wo man zwischen zwei Klatschvarianten wählen konnte, wollte sich die Band doch tatsächlich schon verabschieden. Das kam natürlich überhaupt nicht in Frage, schließlich fehlte ja auch noch "Pillet Pallet", ein typisches Lied, das bei keinem Livekonzert fehlen sollte. Das Licht verwandelte sich, die Bühne erstrahlte in Millionen kleinen Lichtpunkten und jeder Musiker konnte noch einmal mit einem Solo glänzen: Andreas mit seiner Flöte, Till mit seiner Geige und Johannes an der Posaune. Mit dem Titel "Valleby", den Andreas für seinen Sohn geschrieben hatte, ging ein sehr schöner Folkabend leider schon wieder zu Ende. Ganz sanft endete dieser, Demian benutzte für diesen Titel Filzschläger.
Beenden möchte ich diesen Bericht mit Demians Worten: "ULMAN ist mehr `ne Lebenseinstellung, nicht nur ein Name!"





Foto Impressionen:




Fotos von Petra Heinzel:


Vor dem Konzert: Soundcheck und Vorfreude...






















Das Konzert: Professionalität und Spielfreude...




































































Fotos von Dietmar Meixner: