UNBEKANNT VERZOGEN und RENFT live im
"Neu Helgoland" zu Berlin am 9. April 2010
(Teil 2)



Bericht: Dietmar Meixner
Fotos: Dietmar Meixner






Das "Neu Helgoland" am kleinen Müggelsee

Man möge es mir verzeihen, wenn ich das eine oder andere Wort mehr der "Vorband" des Abends widme. Über sie gibt es bei uns auch schon etwas länger einen kleinen Beitrag in der Rubrik "INSIDER-TIPP" (HIER klicken).
Auch wenn natürlich die meisten Anwesenden im gut besuchten Neu Helgoland wegen RENFT angereist waren, hat es sich die Band UNBEKANNT VERZOGEN an diesen Abend einfach verdient, dass mehr als nur ein paar Eingangssätze über sie geschrieben werden. Es war für die Band das erste Konzert vor großer Kulisse, denn das "Neu Helgoland" war mit etwa 200 Leuten gut besucht. Angekündigt wurde ein Konzert mit RENFT und einer Vorband namens "UNBEKANNT VERZOGEN". Klar, dass viele Besucher auch neugierig waren, wer diese "Vorband" ist. Insider wussten natürlich längst, dass da Marcus Schloussen von RENFT mit an Bord ist, und unsere Kollegin Patricia Heidrich die Frontfrau mit der tollen Stimme ist. Aber auch wenn der Hauptact des Abends RENFT war möchte ich nicht unterschlagen, dass sich auch einige Leute gerade wegen UNBEKANNT VERZOGEN auf den Weg an den kleinen Müggelsee ins "Neu Helgoland" gemacht hatten.

Es war 20:35 Uhr Uhr und die fünf Musiker betraten die Bühne. Natürlich ging jetzt mein Blick auch an die Tische im Saal, denn die meisten der Besucher verbinden diesen Konzertabend immer mit der guten Küche im Neu Helgoland. Also waren um diese für sie ja ungewohnte Zeit des Konzertbeginns viele Gäste noch beim Essen oder bekamen die Speisen sogar zu Konzertbeginn erst gereicht.

Patti vor dem Auftritt...

Bei dem Song "Vergrabene Träume" waren einige an den vielen Tischen mit ihren Menüs beschäftigt, beobachteten das Geschehen auf der Bühne aber aus dem Augenwinkel. Der Beifall war nach dem ersten Song trotzdem beachtlich, und dann geschah das für mich erfreuliche und unfassbare: Die Teller wurden zurückgeschoben und die Stühle Richtung Bühne gedreht. Nach der Devise "Lieber das Essen kalt werden lassen als was vom Konzert zu verpassen" hatten die Sängerin und ihre Musiker nun die volle Aufmerksamkeit. Patti mit ihrer unverwechselbaren, rauchigen Stimme hatte es geschafft, und die Leute folgten den Liedern mit den tiefgreifenden deutschen Texten.
Die Band besteht aber nicht nur aus einer Sängerin, sondern aus insgesamt fünf exzellenten Musikern: Patti als Sängerin, Jonny an den Keyboards, Marcus am Bass, Axel an den Gitarren und Gerry am Schlagzeug haben es geschafft, einen neuen und aufregenden musikalischen Farbtupfer in die deutschsprachige Rock- und Chanson-Szene zu setzen. Alle Titel sind innerhalb der Band entstanden, aber auch zwei gute Freunde der Band, wie Dirk Zöllner und Christian Haase, legten mit ihren Ideen die musikalischen Grundlagen, zu denen dann meist unser Kollege Andreas Hähle die richtigen Worte (Text) fand. Insgesamt 12 Titel stellten sie am vergangenen Freitag einem aufgeschlossenen und begeisterten Publikum erstmals in dieser Besetzung live vor. Welchen Song sollte man da hervorheben, da doch alle ihr eigenes Leben, bzw. Texte haben, die man sich auf jeden Fall gerne noch einmal anhören möchte und sollte. Aber schon nach der ersten Vorstellung gehen einige der Titel nur schwer wieder aus dem Kopf. Das liegt auch ganz sicher daran, dass alle Lieder eine eingängige Melodie und einen hohen Wiedererkennungswert haben. Das sollte nicht unerwähnt bleiben!
"Nachtvögelin" ist mein absoluter Lieblingssong von der Truppe, aber "Zweiter Tag", "Flo", "Sie ging" und "Wenn nur einer fliegt" sind auch sehr starke Titel. Statt des "Warteblues" hätte ich mir lieber "Das dritte Glas" gewünscht, aber der Versuch war es wert, mit eben jenem "Warteblues" eine andere Nuance in das Programm zu bringen. Aber dann sollte doch wirklich ein richtiger Blues, mit einer richtigen Bluesgitarre und den entsprechenden Riffs, daraus gemacht werden. Also dieser Song ist auf jeden Fall ausbaufähig. Ein Titel fiel aber noch aus dem Rahmen, nämlich "Piratenbräute"... aber in positiver Hinsicht! Da war viel Schwung, Frische und Herzblut drin.
Das Fazit des 60-minütigen Auftritts der Gruppe UNBEKANNT VERZOGEN: Keine negativen Kritiken im Publikum. Die Statements der Zuschauer bzw. Zuhörer ging ging von "Gut!" über "Klasse" bis zu "Das paßt". Ein Konzertbesucher meinte sogar, "Die beiden Bands dürfen gerne mal öfters zusammen auftreten". Nun warten natürlich alle gespannt auf die erste CD von UNBEKANNT VERZOGEN. Haut rein und lasst uns nicht zu lange warten!


"Pitti" und "Monster" von RENFT in Aktion...

Nach einem kurzen Umbau betraten um 21:45 Uhr die "Dinosaurier des Ostrock" RENFT die Bühne. Monster eröffnete den Abend mit einer flotten Ansage und der Aufforderung ans Publikum, bei seiner Ansage "Willkommen bei Renft" den Bandnamen laut zu rufen. Danach gab es ein Beben, wie immer wenn die RENFT'ler die Regler der Verstärker voll aufdrehen.
Der Programmablauf war bekannt und glich dem vom Auftritt in Medingen in der vergangenen Woche. Aber trotzdem klingt RENFT bei jedem Konzert frisch wie vom Acker und nicht wie aus der Dose. RENFT ist einfach Rock'n Roll pur mit Kraft, Energie, guten Musikern und der Rockröhre des Ostens, nämlich "Monster". Monsters Röhre ist auch erforderlich, wenn man die Leute immer wieder auf's neue begeisten will. Bei einem Auftritt dieser Band macht es einfach Spaß, vom ersten bis zum letzten Ton (der am Freitag zum Glück für uns alle erst sehr spät kam) mit dabei zu sein und ihnen bei ihrem Vortrag zuhören zu können.

Wenn es rüber kommt und man merkt, dass eine Band Freunde an ihrer Musik hat, ist das immer schon die halbe Miete. So auch bei RENFT im "Neu Helgoland". Dazu gab es eine gute Technik, gute Lichteffekte und eine gewohnt große Textsicherheit bei Monster, der ja bekanntermaßen nicht immer Sänger dieser Band war. Besonders erfreut bin ich aber auch darüber, dass man bei RENFT auch mal andere Musiker der Band am Mikrofon hören kann. Marcus ist z.B. mit dem "Apfeltraum" Gänsehaut pur.
Was macht eine gute Band noch aus? Dass sie aus einer reinen Sitzmugge doch ein Konzert-Highlight mit feiernder Partygemeinde vor der Bühne machen kann. Spätestens beim "Gänselischen" war das am Freitag im Neuhelgoland soweit, denn ab da wurde kräftig getanzt. Monster brachte natürlich auch wieder seine altbekannten "Nicht-Renft-Lieder" wie "Die Mauer" und "Die Flut" ins Programm. Es ist immer wieder schön, auch diese Songs zu hören. Für mich als Fotografen war es sehr erfreulich, dass die Band auch mal eine Einlage für die Linse der fotografierenden Zunft machte. Auf ein Zeichen von mir legten Pitti und Monster eine tolle gemeinsame Session hin, die ich dann für Euch einfangen konnte. Das gehört für immer ins Programm, Jungs!!! Dem "Lied auf den Weg" folgte niemand. So einfach wollten sich die Besucher dann doch nicht verabschieden, denn den es fehlte ja noch "Born to be wild", das es dann in den Zugaben noch gab.

Es war ein klasse Konzert. Um die Zukunft von RENFT ist mir nicht bang. Nun warten wir gespannt auf die neue Live CD, die für Ende des Monats bzw. Anfang Mai angekündigt ist. Ich bedanke mich bei beiden Bands des Abends, und auch ein Dankeschöne an das fleißige Team vom Neu Helgoland.




Fotoimpressionen:

UNBEKANNT VERZOGEN:























































RENFT: