Bericht:
Tobias Glahn

Fotos:
Pressefotos





"The Wall"...
... eine der ganz großen, berühmtesten und wohl wegweisensten Alben der Rockgeschichte. Damals, anno 1981, brachte PINKK FLOYD das Hammerwerk heraus. Allerhand ist seit dem passiert, jeder hat so seine eigenen Erinnerungen an das Werk. Wendeerinnerungen, Mitschnitte am Kassettenrekorder im Ostteil der Republik und der damals utopische Wunsch, einmal live dabei sein zu dürfen wenn so ein Rockspektakel on Stage ist. Heute, 30 Jahre später, sollte es soweit sein. Wünsche muss man auch mal in die Realität umsetzen, wenn auch mit Verspätung...


Roger Waters (Pressefoto)

Düsseldorf, 18. Juni 2011

Die Veranstalter lagen bei der Wahl der Location goldrichtig, denn Regen und Wind haben hier keine Chance. Dach zu.... Licht aus... die Show kann beginnen. Die Esprit-Arena in Düsseldorf war rappelvoll und um viertel nach acht fing Altmeister ROGER WATERS fast pünktlich an. In dieser topmodernen Multifunktionsarena hatte man von fast jedem Platz eine optimale Sicht auf die Bühne. Diese erstreckte sich über die volle Länge des darunterliegenden Spielfelds. Ein riesiges Bauwerk in Form einer Mauer. Der Mittelteil war zu Beginn noch offen, wurde aber während der ersten Hälfte fast unbemerkt Stück für Stück in die Höhe gezogen. Die gesamte Fläche diente als Projektsfläche für die äußerst aufwendige Videoproduktion. Von meinem Tribünenplatz weit oben im Rund wahrlich ein Augenschmaus. ROGER WATERS' Crew bot alles auf, was die moderne Technik möglich macht. Über dem Publikum war zusätzlich ein Surround-System installiert, das die Special-Sounds von Helicoptern, Gewehren etc. perfekt rüberbrachte. Kurzum, hier wurde die ganz große Technik aufgefahren.

"The Wall", das ist ein zusammenhängendes Werk in dem man mal nicht eben ein paar Titel vom Anfang ans Ende verschieben kann. Alles bildet eine Einheit und gehört zusammen. Deshalb war diese Veranstaltung auch kein Rockkonzert im gewohnten Format, wo eine Band ihre neue CD vorstellt und die Highlights des Schaffens spielt. Nein, hier gab es nur "The Wall". Ich möchte soweit gehen und sagen: Das war schon eine gewaltige Rock-Oper! Alles erinnerte ein bißchen daran... Der komplett bestuhlte Innenraum, die Pause zwischendurch und das doch überwiegend sehr reife Publikum.

ROGER WATERS selbst wirkte winzig klein auf der riesigen Bühne, und das war vor der überdimensionalen Mauer sicherlich auch so gewollt. Ganz schlicht in schwarzer Jeans und T-Shirt und sichtlich grau geworden trat er vor sein Publikum. Die Musik war perfekt, absolut wasserdicht, fast wie von der CD. Dazu das Videospektakel "on the Wall", ein Werk wie aus einem Guss. Die phänomenale Musik von damals gepaart mit der Hightech von heute... ein wirklich phantastisches Erlebnis. Vom Oberrang hatte ich zeitweise den Eindruck, das ganze wäre ein riesiges Video im HD-Format.

Die Stimmung in der Arena war ähnlich wie in der Oper, Beifall gab es zwischen den Stücken und sonstige Emotionen hielten sich in Grenzen. Kein Konzert eben, wo vor der Bühne die Luft brennt und eine Band zu Mitmachen animiert. "The Wall" als solches braucht man nicht zu erklären, jeder Freund der Rockmusik kennt es. Rock-Geschichte pur. "Another Brick in the Wall" und "Run like Hell" waren mit die bekanntesten Stücke die wohl jeder kennt.

Die Band um den Altmeister herum blieb im Hintergrund und war lange Zeit ohnehin nicht zu sehen, da ja die Mauer zur Pause vollendet war und erst am Schluss eingerissen wurde. Sie spielte auch keine große (optische) Rolle, ROGER WATERS war der Mann des Abends. Die eigentliche original PINK FLOYD-Besetzung ist ohnehin nicht mehr zusammenzubringen.

Gut zwei Stunden inklusive Pause dauerte das Konzert, in etwa so lange wie die LP aus den 80ern. Danach bedankte sich ROGER WATERS beim Publikum, und das wars... Licht wieder an. Eine Zugabe gab es nicht, schließlich wurde ja das komplette Werk aufgeführt und es hätte nicht zum Gesamtbild des Abends gepasst, andere Stücke von PINK FLOYD hinten anzuhängen. Insgesamt war ich außerordentlich begeistert von "The Wall". Die weite Anreise und der nicht geringe Eintritts-Obolus hatten sich gelohnt. Bei dem Riesenspektakel ist es logisch, dass so eine Produktion nicht mit 50 Euro-Tickets zu stemmen ist. Allein der LKW-Fuhrpark vor der Arena erinnerte an einen zugeparkten Autohof.

Auf völliges Unverständnis stieß bei mir ein Großteil des Publikums in der Esprit-Arena, das viel Zeit während des Konzerts damit verbrachte teure Getränke zu holen und diese dann wieder zu entsorgen. Bei einem x-beliebigen Fußballspiel mag das vielleicht dazu zu gehören, aber wer 80,00 Euro und mehr für ein Ticket für ein wirklich großartiges Event bezahlt, um dann dafür an der Bierbude oder auf dem Klo zu stehen... Für mich unklar. Hinzu kommt, dass die restlichen Zuschauer durch die Lauferei doch ziemlich gestört wurden. Eine Unsitte! Aber einen Wermutstropfen gibt es wohl immer.

Fazit: Ein riesiges Spektakel für jeden Rock-Fan. Das sollte man sich mal gegönnt haben... wenn auch mit einigen Jahren Verspätung.