![]() ...live am 26. April 2009 im "Knust" zu Hamburg Bericht: Holger Stürenburg Fotos: Pressefotos John Watts
Die meisten von uns "Alt-80ern" kennen JOHN WATTS als Frontmann der New Wave-Legende "Fischer-Z", die zwischen 1979 und 1981 drei phantastische Alben veröffentlicht und mit schnellen, prägnanten Gitarrenhämmern a la "The Frech let her", "So Long", "Wax Dolls", plietschem Reggae ("Room Service", "Remember Russia") oder auch und gerade mit dem grandiosen Top-40-Hit "Marliese" den Zeitgeist der frühen 80ern maßgeblich mitbestimmt hat und zudem mit der famosen Produktion "Red Skies over Paradise" (1981) eine wegweisende Songkollektion in Sachen britischer Popmusik der beginnenden coolen Dekade erschuf.
Kurz nach 21.00 Uhr, erschien John auf der Bühne und kündigte zwei junge Musiker aus Köln an, die ihn und seine Truppe auf der laufenden Deutschland-Tournee begleiten. "VOLTAIRE" nennt sich eine Band aus der Domstadt, die derzeit mit ihrem Albumdebüt "Das letzte bisschen Etikette" (Rough Trade) am Start ist und hervorragende, zwar moderne, aber niemals nervtötende, überaus intelligente deutsche Rockmusik, irgendwo zwischen Alternative, Gitarrenrock, "Hamburger Schule" und Avantgarde, spielt, wobei hier speziell die philosophische, leicht melancholische Lyrik betört. Das besondere an den Auftritten bei der diesjährigen John-Watts-Tournee ist jedoch, daß nur ZWEI Bandmitglieder eine Art "Akustik"- bzw. "Unplugged"-Programm darbieten. Sänger und Lyriker Roland Meyer de Voltaire entlockte der Akustik-Gitarre die wildesten Rockriffs und wirkte mit seinem Spiel auf positive, konstruktive Weise aggressiv, offensiv und hymnisch; sein Begleiter Marian Menge bearbeite mal eine E-Gitarre, dann wiederum eine Pedal Steel oder - im Rockbereich ansonsten kaum eingesetzt - nichts geringeres, als ein originäres Xylophon (!).
Für sein aktuelles Projekt "Morethanmusic & Films" hat der kreative Querkopf John Watts folgendes konzipiert: Auf gleichnamiger CDplusDVD (So Real/Individual Records; erhältlich über www.johnwatts.co.uk) hat der 55ährige 13 brandneue Songs eingespielt, zu denen er gleichsam (für die beigefügte DVD) surreale, leicht bizarre, mystische, aber absolut gelungene, treffliche Videoclips hatte drehen lassen, die allerdings sicherlich niemals auf MTV und ähnlichen Jugendverblödungssendern laufen werden, da sie viel zu anspruchsvoll, durchdacht, ja gerne auch zu vertrackt sind, um scheuklappenbehafteten Chartshörern gefallen zu können. In der Umbaupause bekamen die Anwesenden im "Knust" ein paar dieser Kurzfilme auf einer großen Leinwand zu sehen, bevor der Meister, nur mit einer Akustikgitarre behangen, auf die Bühne kam, ein paar Akkorde von "Destination Paradise" klimpernd, um daran anschließend eine Handvoll Titel seiner neuen CD solo zu zelebrieren. Kurz darauf erstürmten die "CB's", bestehend aus Schlagzeuger Sam Walker, Keyboarder Matthew Gest und Johns äußerst attraktiver, liebenswerter, 20jähriger Tochter Millie (Background Vocals), die "Bretter, die die Welt bedeuten", um wahrhaftig alle (!) Beiträge von "Morethanmusic & Films", in druckvoller Umsetzung, nahezu "amerikanisch" (ergo, sehr hymnisch, teils durchaus Springsteen-esk) arrangiert, im Rahmen einer tollen, mitreißenden Rockshow aufzuführen.
Um Punkt 22.15 Uhr konnte der Held des Abends nicht umhin, ein paar Schmankerl aus seinen Großen Tagen dem begeisterten Auditorium zu präsentieren. "Will you be there?" (ein wunderschönes, zugleich zickiges Liebeslied aus dem Jahr 1992, das John ursprünglich Winnie Mandela gewidmet hatte), den sprichwörtlichen "Zielort Paradies" oder "Wax Dolls" (1979) kamen nun zum Zuge… ja, und auch der "verfluchte" "M-Song" (Zitat: John, 2004), "Marliese" blieb nicht außen vor - diesen jedoch interpretierte Roland Meyer de Voltaire mit, erst vor wenigen Tagen verfasstem, eigenem, deutschen Text. So wurden die Fans befriedigt, John aber mußte seine "Hassliebe" "Marliese" nicht selbst vortragen! John Watts 2009 ist der beste - und vor allem: rockigste - John Watts seit langem. Jahr für Jahr beehrt uns der so sensible, wie hyperironische, niemals um einen sarkastischen Spruch verlegene Vollblutmusiker mit neuen Konzepten, Projekten, Ideen. Er kopiert sich nie und sein Wille, Grenzen auszutesten, gerne zu überschreiten, jeweils Neues, Unerforschtes auszuprobieren, ist und bleibt ungebrochen. Ich bin jetzt schon sehr gespannt, was sich John für 2010 ausdenkt. Aber ich denke, hier einer der ersten sein zu dürfen, der dies erfährt, da ich - sobald meine liebe Freundin und Kollegin Daniela Jäntsch (www.jaentsch-promotion.de) mir meine eigene My Space-Seite wird eingerichtet haben - innerhalb der ersten Sekunden deren Bestehens die süße Millie Watts "adden" (eingedeutschte Anglizismen… bääh!) werde, und dann sicherlich immer wieder aus erster Hand erfahre, was Papa Watts so alles ausbaldowert! Bitte beachtet auch: - off. Webseite - off. MySpace Auftritt - Voltaire Musik |