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Wind Sand & Sterne live in der Schmiede am 16. April 2011
Bericht: Petra Meißner Fotos: Petra Meißner
Es war im März 2007, ich stand vor der Tür des Tivolis in Freiberg und wartete auf den Einlass zu einem Konzert von Renft und Cäsar. Man kommt schnell mit umstehenden Fans ins Gespräch und es wird erörtert, welche Konzertbesuche anstehen. Ein Renft Fan fragte mich, ob ich schon mal bei WIND SAND & STERNE war. Das sagte mir nichts und er lächelte milde. Wenn du aus der Gegend bist, musst du doch SATORI kennen? Damit konnte ich dienen. Irgendwo, ganz verschüttet, gab es da Erinnerungen an meine Jugend. Ich hatte noch das Glück, die Zeit zu erleben, wo noch richtige Bands auf den Gasthofsälen spielten, ehe die Konservenaufmacher an die Macht kamen. Und dann sah ich mich, 17-jährig, kniend auf einem Dorfgasthofsaal - bei SATORI. Ein richtiges Bild von der Band war in meinen Gedächtnis nicht mehr zu reaktivieren, aber ich wusste noch, dass sie in Berbersdorf und Merzdorf gespielt haben und die angesagteste Band in der Zeit so zwischen 1970 und 1973 im Bezirk Karl-Marx-Stadt waren. Viel Zeit musste vergehen, bis ich bei dem Glauchauer Fotograf Schaller Clips auf seiner YouTube-Seite von WIND SAND & STERNE fand, der Band, die unter anderem aus Mitgliedern von SATORI und den WANDERERN besteht. Und dann erhielt ich eine Einladung in die Nähe von Mittweida, wo die Band WIND SAND & STERNE spielen sollte. Es war eine private Veranstaltung in einer Schmiede. Vorgestellt hatte ich mir einige wenige Hanseln in einer Kneipe, die als Schmiede umdekoriert ist. Es war aber wieder einmal alles ganz anders. Die Schmiede war eine wirkliche Arbeitsstätte, die man mal einfach so zu einer Konzerthalle gemacht hatte, und dies nicht das erste Mal. Jährlich findet dort auf Einladung ein Event statt. Der Hobbyschmied, der im wirklichen Leben am gleichen Material schmiedet, wie die Schreiberin dieses Berichts, hat die Lage dort voll im Griff. Es gab eine exklusive Versorgung mit Mutzbraten und Roster brutzelten auf dem Schmiedefeuer vor sich hin. Der begehrteste Platz war der auf dem Amboss. Die Band WIND SAND & STERNE, das sind Michael Barth (Satori, Wanderer), Christoph Rottloff, unter anderem an der Konzertina, Hans-Rudolf Lippold am Schlagzeug, Thorsten Reuter und der Frontmann Stefan Gerlach (auch von Satori), der neben der Gitarre auch eine vorzügliche Mundharmonika spielt. Sie waren nicht das erste Mal dort, man kannte sich, und die Band hatte im Schlepptau beinharte Fans. Die vielen Leute wuselten nur so rum in der Schmiede, es war nicht nur ein Konzert, es war eine Party wie man sie selten erlebt. Nach dem zweiten Titel wurde getanzt. Es war wie früher: Beginn um Acht, und dann wurde in Runden gespielt bis nach Zwölf. Dies förderte die Kommunikation zwischen Band und Zuschauern, der Gerlach Stef hatte für alle ein offenes Ohr und gab viele Schwänke zum Besten. Musikalisch passen sie einfach in gar keine Schublade. Ihre Passion ist der Folk Rock, und das in Mundart. Ihre eigenen Titel singen sie in einem erzgebirgisch-vogtländischen Dialekt, der sich der perfekt sächsisch sprechenden Schreiberin nur schwer erschließt. Sie stammen aus dem Landstrich, wo de Hasen Hosen hußen... Als sie von de Spackfatbam gesungen haben, war ich grad essen fassen und mein Blick fiel auf die Speckfettbemmen. Und da fiel auch schon der Groschen... Das, was ich textlich trotz Sprachbarriere erfassen konnte, hat mich sehr berührt. Heimatverbunden, an den Problemen der Zeit und volkstümlich ohne volksdümmlich zu sein, sowie musikalisch ausgesprochen rockig. Bei ihren Folk Songs aus dem Erzgebirge kamen Akkordeon und Konzertina zum Einsatz, was den Liedern viel Authentizität verlieh. "Wos is hier los" und "Zeit geht vorbei" sind meine Favoriten.
Eigentlich gehöre ich nicht zur Sparte der Jäger und Sammler in der Szene, eine kleine Leidenschaft hab ich trotzdem. Ich sammle Narzissen und Ostrockbücher. Deshalb wurde ich hellhörig, als ich las, dass Stefan Gerlach in einem Buch seine Erinnerungen verewigt hat und das Buch wurde im Vorfeld beim Autor bestellt. Es heißt "In meiner Spur - Als der Beat ins Erzgebirge und Vogtland kam". Dort erzählt der Schreiber packend von seinen Jugenderinnerungen und seinen ersten Bands. Man will es nicht glauben, wenn man Stefan Gerlach auf der Bühne agieren sieht, er hat bald 50-jähriges Bühnenjubiläum und deshalb natürlich ganz viel zu erzählen. Aber das Buch beschäftigt sich nur mit seinen frühen Jahren bis zum Jahr 1969. Es ist ein Zeitdokument, toll geschrieben und für so manchen Leser wird die Jugendzeit wieder lebendig. Denke aber, einen Bezug zur Zeit und zum Thema muss man mitbringen. Das Werk ist interessant aufgemacht und hat ein ungewöhnliches Format. Es ist ein weiteres Buch in Arbeit, was sich mit der Kultband SATORI beschäftigt, und das bereits zu 80% fertig ist. Darauf bin ich natürlich ganz besonders gespannt, denn das war genau meine Zeit, und sie haben ja oft hier in der Gegend gespielt. Nun schiebe ich das letzte Puzzleteil ein, nämlich wie ich zu der Einladung zu dem privaten Gig gekommen bin. Mein Sohn wollte eines Tages wissen, wer Rio Reiser ist. Mutter ging in die Spur und wir lernten die Band Wunderbuntd kennen, die sich unter anderem mit der Erbepflege beschäftigt. An einer anderen Ecke unseres Landkreises gab es einen Vater, der seine Tochter musikalisch ordentlich erzog und ab und zu in einer Schmiede die Band Wunderbuntd spielen ließ. Es kam, wie es kommen musste: vor einer Bühne bei Wunderbuntd hat es gefunkt und man zog zusammen. Nun ist in unserer Familie eine Verrückte mehr, als ich den Veranstalter gestern kennen lernte dacht ich so: "Die ist wirklich nicht von schlechten Eltern".
Fotoimpressionen:
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