![]() Deutschrock Die Musiker:
Besetzung auf der 1. LP (1986): - Lutz Kerschowski (voc) - Jörg Wilkendorf (git) - Lexa Thomas (bg) - Thomas Pilz (dr) - Tina Tandler (sax) - Jörg Mischke (key) Besetzung auf der 2. LP (1989): - Lutz Kerschowski (voc, perc, git) - Peter Michailow (dr, perc) - Marcus Schloussen (bg) - "Cäsar" Peter Gläser (git, fl) - Heiner Witte (git) - Jörg Wilkendorf (git) - Wolfram Bodag (piano, harp) - Tina Tandler (sax) - Frank Krüger (alt-sax) - Sonny Sonntag (bariton sax) - Frank Hultzsch (pos) - Christian Höhle (tromp, horn) Gäste: - Detlef Kriese (dr) - Kai Lutter (bg) Besetzung auf der 3. LP (1994): - Lutz Kerschowski (voc, git, mand, key, perc) - Herbert Junck (dr) - Mischka (org, piano) - Marcus Schloussen (bg) - Tina Tandler (sax, akkordeon) - Tommi Wendel (git, banjo) - Wilkie Wilendorf (git) - Frank Krüger (fl, bariton sax) - Felix Lauschus (perc) - Tom Röhlinger (digeridoo) Biographie:
Im Frühjahr 1985 entstand die erste Besetzung von Kerschowski. Lutz Kerschowski und Thomas Pilz hatten vorher schon als Musiker zusammen gearbeitet. Jörg Wilkendorf und Jörg Mischke stießen zu den beiden, und Tina Tandler lernte man über eine Zeitungsannonce kennen. Lutz wollte am Saxophon unbedingt eine Frau haben und so kam Tina als festes Mitglied dazu. Tina kannte einen Bassisten aus Weimar, und so vervollständigte Lexa Thomas die Formation, die unmittelbar danach gemeinsam im Proberaum in Blankenfelde am nördlichen Stadtrand von Berlin verschwand. Kurz danach spielten Kerschowski bereits im Vorprogramm der Band PANKOW, tourten aber auch mit eigenem Programm durch's Land. Die Qualität der Gruppe und ihrer Musik sprach sich schnell herum - die Mund-zu-Mund-Propaganda funktionierte bestens. Volle Säle und ein Vollgas-Programm vom Anfang bis zum Ende des Konzerts machten auch die Plattenfirma AMIGA auf die Jungs und das Mädel aufmerksam. Für einen Sampler wurde der Titel "Montagfrüh" produziert. Was bis dahin noch nie passiert war: Der Song landete nicht auf dem Sampler, denn die Plattenfirma entschied sich dafür, mit der Band ein komplettes Album zu veröffentlichen. Im Frühjahr 1986 sollte die LP "Weitergeh'n" entstehen, doch als neue Band musste man sich hinter etablierten Kapellen wie Karat und Puhdys anstellen. Man konnte erst dann arbeiten, als diese Interpreten ihre Arbeit im Studio beendet hatten. So konnte Kerschowski die Platte nicht in einem Stück einspielen, sondern bekam für die Aufnahmen unterschiedliche Termine, um im Studio arbeiten und aufnehmen zu können. Aber auch unterschiedliche Vorstellungen der Band und des Produzenten über die einzelnen Songs verzögerten die Fertigstellung der LP. Zwischen den Aufnahme-Terminen spielte die Band live. Im Herbst '86 war es dann endlich soweit und "Weitergeh'n" kam in die Plattenläden. Die Scheibe war innerhalb kürzester Zeit vergriffen (im Januar 1990 stellte man fest, dass insgesamt 30 000 Einheiten des Albums verkauft wurden). Musikjournalisten und Publikum wählten die Gruppe Kerschowski zur besten Nachwuchsband des Jahres.
Im Herbst 1987 gingen "Kerschowski & die Blankenfelder Boogie-Band" auf Tour und trafen überall auf volle Häuser. Kurz vor seiner Ausreise in die BRD ging Cäsar gemeinsam mit dieser Band auf die Bühne und spielte Gitarre. Im Frühjahr 1988 nahm die Formation in Eigenregie und auf eigene Kosten Material für ein Album auf. Stress, Chaos und Streitigkeiten waren Gründe für einen tiefen Riss innerhalb der Gruppe. Am Ende verließ über die Hälfte der Musiker die Band und ging andere Wege. Zurück blieben eine halbe Band, 75 000,- Mark Schulden und Ratlosigkeit darüber, wie es weitergehen sollte. Die verbliebenen Musiker rafften sich auf und suchten neue Mitglieder. Sie wurden in Delle Kriese (heute Renft) und Kay Lutter (damals von "Freygang" gekommen, heute bei IN EXTREMO aktiv) fündig. Man spielte wieder live. Höhepunkt war der Auftritt im Vorprogramm von Rio Reiser in der Werner-Seelenbinder-Halle. Im Frühjahr 1989 fiel bei der AMIGA die Entscheidung, dass das 2. Album von Kerschowski produziert werden konnte. Kerschowski durfte in den Westen reisen und gemeinsam mit Rio Reiser das Album im Scherben-Studio abmischen. So war es auch schon vorher zwischen Lutz und Rio verabredet gewesen. Im Herbst 1989 tourte die Band wieder und die LP "Kerschowski & Blankenfelder Boogie-Band" erschien. Sie war sofort vergriffen, ging aber leider auch in den Wirren der Wende nahezu unter. Nach der Wende brach die Band auseinander und löste sich auf. Lutz Kerschowski spielte fortan in der Begleitband von Rio Reiser. Im Frühjahr 1992 fiel eine geplante Tournee von Rio Reiser aus. Dadurch war Zeit, mit alten Freunden und Weggefährten ein paar Songs zu schreiben und Demos aufzunehmen. Daraus entstand eine kleine Akustik-Tour. Im Herbst 1992 gingen die Bilder aus Rostock-Lichtenhagen um die Welt. Neo-Nazis griffen ein Wohnheim für Ausländer mit Steinen und Molotow-Cocktails an, während deutsche Anwohner den Mob auch noch anfeuerten. Viele Künstler zeigten ihre Wut darüber durch Auftritte "gegen Rechts", so auch Kerschowski. Am 2. September 1992 spielte Kerschowski vor über 8000 Leuten auf dem Berliner Alexanderplatz gegen "Ausländerfeindlichkeit". Neben Kerschowski spielten u.a. auch Toni Krahl von CITY, André Herzberg von PANKOW, Dirk Zöllner, Dirk Michaelis, Gerhard Schöne und andere... Im Frühjahr 1993 traf Lutz Kerschowski in Berlin seinen alten Freund Rainer Börner. Börner schlug Kerschowski vor, wieder eine eigene Platte aufzunehmen. Kerschowski gefiel die Idee und begann, organisatorische Details zu klären und Musiker zu treffen. Das Ergebnis dieser Aktivitäten war das Album "Vorbei is vorbei", das im Frühjahr 1994 bei Buschfunk erschien. Seit der Veröffentlichung des dritten Albums ist in Sachen "Kerschowski" nichts mehr gemacht worden. Lutz hatte danach keine eigene Band mehr und kümmert sich seit dem Tod von Rio Reiser um dessen musikalischen Nachlass, betreut das nach Rios Tod wiederbelebte Label "David Volksmund Produktion" und schrieb bis heute Musik für über 20 Filme: Übersicht der Filme, zu denen Lutz Kerschowski die Musik beisteuerte: - 1999: Trennungsfieber (TV-Spielfilm für das ZDF) - 2000: Gnadenlose Bräute (TV-Spielfilm für die ARD) - 2001: Bis dass dein Tod uns scheidet (TV-Spielfilm für das ZDF) - 2001: Vor meiner Zeit (TV-Spielfilm für die ARD) - 2002: Ein Engel und Paul (TV-Spielfilm für den WDR) - 2002: Silikon Walli (TV-Spielfilm) - 2002: Pommery & Putenbrust (TV-Spielfilm für das ZDF) - 2002: Stahlnetz: Ausgelöscht (TV-Spielfilm für den NDR) - 2002/2003: Bermuda (TV-Spielfilm) - 2003: Goldfisch unter Haien (TV-Spielfilm für den WDR) - 2003/2004: Tatort: Hundeleben (TV-Spielfilm für die ARD) - 2004/2005: Pommery & Hochzeitstorte (TV-Spielfilm für das ZDF) - 2005: Tatort: Der doppelte Lott (TV-Spielfilm für die ARD) - 2005: Tote leben länger (TV-Spielfilm für die ARD) - 2005: Schimanski: Sünde (TV-Spielfilm für die ARD) - 2005/2006: Pommery und Leichenschmaus (TV-Spielfilm für das ZDF) - 2006: Brennendes Herz (TV-Spielfilm) - 2006/2007: Ruhe sanft! (TV-Spielfilm) - 2006/2007: Die Sterneköchin (TV-Spielfilm für die ARD) - 2008: Meine fremde Tochter (TV-Spielfilm für die ARD) (Diese Biographie ist unter Zuhilfenahme eines Begleittextes von Sam Woschrek entstanden, der auf der Posterbeilage der 3er CD Box "Kerschowski - Die Original-Alben" abgedruckt ist, und der den bisher einzigen brauchbaren, biographischen Lesestoff zum Thema "Kerschowski" darstellt). Interview: - Lutz Kerschowski im Gespräch mit Deutsche Mugge (2011):
Die Diskographie (Alben):
Fotoraritäten: ![]() ![]() ![]() ![]() Lutz (re) mit Rio Reiser (Foto-Quelle: Melodie & Rhytmus) ![]() Lutz (li) mit Rio Reiser (Foto-Quelle: Melodie & Rhythmus) |