Dezember 1983, Dortmunder Westfalenhalle. Ein Konzert der Superlative schickt sich an, in die Annalen der Rockgeschichte einzugehen. Acht Bands, von denen jede einzelne allein ausgereicht hätte, die legendäre Location mehrfach auszuverkaufen, treten zu einem gemeinsamen Festival an. Das ZDF filmt mit und strahlt das Event innerhalb der Sendereihe "RockPop in concert" wenige Wochen später im Nachtprogramm aus. Das Besondere daran: Es handelt sich erstmals um die Elite einer bis dato eher stiefmütterlich behandelten Sparte: Des Heavy Metal, der sich gerade in einer unglaublichen Blütephase und mitten im Sprung von der mißtrauisch beäugten Randerscheinung zum etablierten und akzeptierten Massenphänomen befand. Mit dabei: Die sich gerade zur Supergroup entwickelnden Iron Maiden, die längst legendären Judas Priest, die aufstrebenden Def Leppard, der Kult-Madman Ozzy Osbourne, die Schweizer Erfolgs-Maschinerie Krokus (auf dem Höhepunkt ihrer Karriere), der Geheimtip aus den Staaten Quiet Riot, die Michael-Schenker-Group in ihrer stärksten Phase und mittendrin die Scorpions, die trotz der vertretenen Prominenz von allen am meisten abräumten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war offensichtlich, welchen Stellenwert die Hannoveraner nach mehr als zehn Jahren Karriere innehatten und was ihr damals zwar nicht mehr neues doch immer noch aktuelles Album "Blackout" ("Love At First Sting" folgte ein paar Monate später) in der Welt harten und schweren Rocks angerichtet hatte.
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1982
Harvest / EMI

· Blackout
· Can't Live Without You
· No One Like You
· You Give Me All I Need
· Now!
· Dynamite
· Arizona
· China White
· When The Smoke Is
  Going Down

Klaus Meine (voc)
Rudolf Schenker (g, b-voc)
Matthias Jabs (g)
Francis Buchholz (bg)
Hermann Rarebell (dr)
Dabei sah es zwei Jahre zuvor gar nicht so rosig aus. Zwar hatten die Scorpions mit den Alben "Love Drive" und "Animal Magnetism" den Sprung in die Welt-Oberliga geschafft, doch das Versagen von Klaus Meines Stimme legte die Band zwangsweise auf Eis. Glücklicherweise und dank guter Ärzte erholte sich Meine relativ schnell und genas vollständig. Das Ergebnis dieser Krise hörte auf den passenden Namen "Blackout" und war schlicht das härteste und rabiateste Album, das je unter dem Banner "Scorpions" erschienen war. Und das ist bis heute so geblieben. Schon das Cover war deutlicher Fingerzeig dafür, mit welcher Wut im Bauch die Band sich selbst zu therapieren gedachte. Es zeigte ein Selbstportrait Gottfried Helnweins (und nicht etwa Rudolf Schenker, wie oft gemutmaßt), der als schwer gezeichneter Patient mit dem Kopf eine Scheibe durchbricht. Deutlicher und genauer konnte die Situation der Scorpions kaum auf den Punkt gebracht werden. Und genauso, wie das Cover aussieht, hört sich die Platte auch an. Der Titelsong fräßt sich mit der Geschwindigkeit eines Schnellzuges durch's Gehirn, die Gitarren krachen auf Höchstleistung, Baß und Schlagzeug bohren sich in die Magengrube und Klaus Meine singt schneidend und kraftvoll selbst in komplizierten Tonlagen. Der Song steigert sich zum Ende hin immer mehr und kulminiert schließlich in der akustischen Umsetzung des Covers. Ohne Pause schließt "Can't Live Without You" an das Konzept des Openers an. Erst danach gönnen die Scorpions ihren Hörern eine Verschnaufpause und schwenken mit "No One Like You" und "You Give Me All I Need" in gemäßigtere Stadionrock-Gefilde ein, denen sie sich später verstärkt und ungemein erfolgreich zuwenden sollten. In "Now!" wird die Geschwindigkeit wieder angezogen und mit Vollgas die erste Plattenseite ausgeläutet. Mit dem mächtigen Gitarrengewitter "Dynamite" wird Seite Zwei wie die erste eröffnet, danach schlägt "Arizona" nochmals gediegenere Töne an. Das folgende "China White" entwickelt sich zu einem wahren Orkan, der von einem tonnenschweren Riff ins Inferno geleitet wird. Das Stück quillt wie Lava aus den Boxen und reißt alles mit sich fort. Da paßt der letzte Titel wie die Faust auf's Auge: "When The Smoke Is Going Down" (Wenn der Rauch sich verzieht), eine herzerweichende Ballade, die die Tradition von "Always Somewhere" und "Holiday" (beide von "Love Drive") aufgreift und fortsetzt, die auf dem nächsten Album mit "Still Loving You" ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen sollte.
Fazit: "Blackout" ist das Album, das alle Stärken der Scorpions bündelte und sie auf den Punkt konzentrierte. Damit hatte die Band sich aus der Krise katapultiert und sah rosigen Zeiten entgegen. Die rechte Platte zur rechten Zeit. Ein echter Klassiker eben. (kf)