Eigentlich war dieses Album schon für Februar angekündigt. Dann wurde es auf März verschoben, erschien aber auch da nicht. Jetzt ist uns die Promo ins Haus geflattert mit dem Hinweis auf eine Veröffentlichung am 2. Juli. Es scheint so, als sei dies nun der endgültige Termin. Wer weiß woran es liegt, aber die Schweizer machen ja bekanntlich immer alles ordentlich und - man munkelt - auch langsamer ;-) Baschi ist ein Eidgenosse, und seit etwa sechs Jahren im Land der Berge und Nummernkonten ein gefeierter Star. Der 23-jährige Sänger heißt mit bürgerlichem Namen Sebastian Bürgin und singt eigentlich schweizer Dialekt. Da man damit aber scheinbar im hochdeutschen Raum keinen Blumentopf gewinnen kann, man aber trotzdem "auf große Fahrt" über die eidgenössischen Grenzen hinaus gehen möchte, hat man das vierte Studioalbum kurzerhand auf Hochdeutsch aufgenommen. Kurz noch etwas zum Künstler selbst: Entsprungen ist er der schweizer Version von "Deutschland sucht den Superstar", die bei unseren Nachbarn aber "MusicStar" heißt. Dass das Casting-Format durchaus auch gut sein und Sinn haben kann, zeigten uns ja schon andere Nationen, die wirklich "Superstars" mit internationalem Format hervor gebracht haben. Baschi ist einer davon! Dass jetzt mit der vierten CD des Sängers der Angriff auf die benachbarten deutschsprachigen Länder genommen wird, hat seinen Grund. Anfang 2010 steuerte Baschi den Song "Unsterblich" zum Film "Zweiohrküken" bei. Eine schweizer Produktion mit einem deutschen Text (von Klaus Hirschburger, wir berichteten in seinem Interview und in unserer Januar-Sendung im Radio bereits davon) in einem deutschen Kinofilm. Offensichtlich war der Song aber nur Füllmaterial, kam er doch erst beim Abspann zum Einsatz und fand auf dem zum Film gehörigen Soundtrack keine Berücksichtigung. Kinobesucher, die bei eben jenem Abspann aber noch sitzen blieben, konnten der Stimme des jungen Sängers und seinem wahrhaft umwerfenden Song lauschen. So kam es, dass die Nachfrage nach "Unsterblich" groß war. Und weil die Plattenfirma vorher nicht clever war und den Song auf dem Soundtrack veröffentlichte, musste kurzerhand eine Single aufgelegt, und der Song zusätzlich auch als Download angeboten werden. Das ist in groben Zügen die Story, wie sie bis jetzt gelaufen ist... "Auf grosser Fahrt" heißt das Studioalbum also, auf dem Baschi erstmals seine Songs in für alle deutschsprachigen Musikfreunde verständlicher Form präsentiert. "Auf grosser Fahrt" könnte auch das Motto des Künstlers sein, denn es dürfte bereits jetzt schon klar sein, dass er mit dieser CD die Herzen der Musikfreunde in Deutschland und Österreich ebenso erobern wird, wie er es in seiner Heimat schon getan hat. Der junge Mann interpretiert seine Songs gefühlvoll und mit Hingabe. Die Single "Unsterblich" bringt bereits eine Gänsehaut-Garantie mit, und die anderen Stücke auf dem neuen Album stehen dem in nichts nach. Sei es der vertonte Abschiedsbrief ("Dieses Lied") oder der verträumte Wunsch, zu den Sternen zu fliegen ("Irgendwie wunderbar"), Baschi findet nicht nur den richtigen Ton sondern auch die richtigen Worte, die die Seele berühren. Die CD ist hinreißend, tiefsinnig, hintergründig und vor allen Dingen emotional. Der Sänger baut mit seiner Art zu Singen und dem Inhalt jedes einzelnen Songs einen Spannungsbogen auf, der bis zum letzten Ton der CD anhält. Es ist schwer, dieses Album in eine Schublade zu stecken, und das ist gut so. Für ein Pop-Album fehlen die treibenden Beats und die tanzbaren Elemente. Für ein Rockalbum sind zu wenig Gitarren zu hören und auch sonst krachen die Töne auf dem Album nicht wie bei anderen Kapellen, die sich dem Rock verschrieben haben. Überwiegend sanft und melodiebetont sind die neuen Songs von Baschi. Er stellt mit "Auf grosser Fahrt" etwas Eigenständiges hin und man darf gespannt sein, wie die Hörerschaft es annehmen und wo die Platte am Ende landen wird. Man sollte sich bei der CD nicht allzu sehr an den Song "Unsterblich" klammern, dafür ist die Musik zu abwechslungs- und facettenreich. Die Kombination Gesang, Texte und Musik bildet eine wahrhaft umwerfende Einheit, die am ehesten noch mit der Musik von Ich + Ich zu vergleichen wäre. Allerdings bleibe ich dabei, dass die Handschrift von Baschi deutlich herauslesbar ist und sich Vergleiche mit anderen Künstlern und Bands pauschal verbieten. Baschi ist ein Künstler mit großem Wiedererkennungswert - nicht nur äußerlich! (Christian Reder) |