Gegen den Strom: Subway to Sally-Sänger
Eric Fish veröffentlicht sein drittes Solo-Album

(aus Melodie & Rythmus 3/2007, Bericht: Gerd Dehnel)

Der erste Griff nach dem Ruhm geht noch ziemlich daneben. Zwar kann Erik Hecht 1987 ein paar regionale Nachwuchswettbewerbe gewinnen. Doch den DDR-Endaussscheid verliert er gnadenlos, handelt sich obendrein vernichtende Kritik der Szene-Institutionen Gerhard Schöne und Barbara Thalheim ein. Das Liedermachen lässt er fortan bleiben, widmet sich lieber irischer und schottischer Folklore.
Leider laufen ihm seine ersten Mitspieler davon, weil sie bei den Inchtabokatables mitspielen wollen. Die frühen 1990er sehen Eric Hecht daher vor allem als Strassen- und Kneipenmusikanten, der zwar sein Maschinenbaustudium abgeschlossen hat, aber unbedingt Musiker sein will. Die Wende für ihn kommt 1992. Durch persönliche Bekanntschaften aus der Folk-Szene ist er dabei, als sich in Potsdam Subway To Sally zusammenfinden. Die Chemie zwischen den Beteiligten stimmt auf Anhieb.

Erik Hecht bzw. Eric Fish steigt als Dudelsackbläser und Background-Sänger ein. Der Rest ist (Erfolgs-)Geschichte. Durch unermüdliches Touren und beharrliches Produzieren entwickeln sich Subway To Sally zu einem Bannerträger des Mittelalter-Rock mit einer stetig wachsenden Fan-Basis vor allem im Osten der Republik. Mit Eric als Frontmann mittlerweile, der mit seinen hochenergetischen Auftritten und schneidend-scharfem Gesang den Stil der Band entscheidend mitprägt. Womit er sich eigentlich zufrieden geben könnte. Tut er aber nicht. Eric Fish geht, wenn Subway ihm Zeit dazu lässt, runter von den großen Bühnen und spielt in ganz kleinen Läden vor wenigen Dutzend Leuten. Zur Selbstfindung, sagt er, und als Ausgleich zum lauten und brutalen Rock-Geschäft.


Eric Fish (Foto: Patricia Heidrich)

Er spielt Gitarre, Dudelsack und singt. Folk-Songs zunächst, dann fast ausschließlich eigene Lieder. Manchmal nur hilft Subway-Cheftexter Bodenski aus. An seiner Seite Musikerfreunde, niemand aus der Stammband. Was er da solo treibt, muss mehr sein als nur der Ausgleich für das relativ herausgehobene Sängerdasein bei einer Erfolgsband, für die Distanz zum Publikum von der großen Bühne herab. Eric Fish lässt in seinen eigenen Songs nämlich viel heraus von seinen persönlichen Ansichten von der Welt. Mehr als der Sänger einer Band für gewöhnlich tut. "Es kotzt dich an", so wütet er im Opener seines aktuellen dritten Albums "Gegen den Strom" scharf los und gibt den Ton vor für viele der folgenden Songs.
Manchmal mehr fluchend als singend, zieht er zu Felde gegen Selbstgenügsamkeit, Opportunismus und Feigheit. Die sparsame akustische Begleitung durch Uwe Nordwig, Rainer Michalek und Gerit Hecht vornehmlich an Gitarre und Klavier lässt seiner Stimme den nötigen Raum, um Frust und Überdruss nachdrücklich auszuleben. Diesem Eric Fish ist nicht so leicht auszuweichen. Dem Eric Fish vom quasi zweiten Teil der Cd auch nicht. Denn so erbittert er das geißelt, was (nicht nur) ihn nervt, so warmherzig beschreibt er die Freuden. Treibt einem der Song "Sonnenkalt" den Frost noch ins Mark, taut das folgende "Lass uns teilen" alles Erstarrte glutvoll wieder auf. In Songs wie diesem bekommen die Instrumente ihre Chance, die Mundharmonika jubelt dem Frühling entgegen, die Gitarren- und Klavierakkorde perlen fröhlich dahin. So entstehen Stücke, die an deutsche Volkslieder denken lassen, erdverbunden, einfach, anrührend. Keine Ahnung, was Erik Hecht dereinst Schöne und Thalheim vorgesungen hat. Ihr Verriss gilt jedenfalls lang nicht mehr.




Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus"