Feeling B.: "Grün & Blau"
(aus Melodie & Rythmus 12/2007. Interview + Bericht: Christian Hentschel)

Als Keyboarder von Rammstein gehört Christian Lorenz, besser bekannt als "Flake", zu den bekanntesten und international erfolgreichsten Musikern Deutschlands. Dabei hat er schon mit seiner früheren Band Feeling B. Maßstäbe gesetzt, wenngleich unter ganz anderen Voraussetzungen. Feeling B. sind die Band des ostdeutschen Undergrounds. Sie haben die DDR nicht erschüttert, aber den Soundtrack zu ihrem Untergang gespielt, steht im Buch über die Band geschrieben. Nun holte "Flake" unveröffentlichtes Material aus den Kellern und restaurierte es. Das Ergebnis nennt sich "Grün & Blau", unterstreicht den Stellenwert von Feeling B. einmal mehr und wird mit einem 160 Seiten starken Buch angeboten. M&R traf Flake und sprach mit ihm über die Aufnahmen, damalige Zeiten und Feeling B-Kopf Aljoscha Rompe, der kürzlich 60 Jahre geworden wäre.


Du warst 16, als du zu Feeling B gekommen bist. Wie hattest du Aljoscha Rompe überhaupt kennen gelernt?
Ich habe als Kind zu Hause Klavier gespielt, vor allem Blues, weil ich mit der Zeit Klassik nicht mehr so interessant fand und mein Vater viele Bluesplatten besaß. Als ich 13 war, wurde mir aber auch Blues zu langweilig, so habe ich dann Punk für mich entdeckt. An der Schule meines Bruders gab es ein Schülerbandkonzert, und in meinem Größenwahn sagte ich: Ich spiele mit. Ich hatte mir hierzu drei Songs ausgedacht und ein Freund von mir sollte mich a Schlagzeug begleiten. Doch als er sah, dass auch Publikum - also mehrere Schüler - da war, bekam er Angst. Ich ging in die Garderobe - das war die Umkleidekabine der Sporthalle - zu den anderen Bands und fragte, ob ein Trommler mitspielen könnte. Die guckten mich alle ganz komisch an, hielten mich für verpeilt - ein 13-jähriger auf Punk gestylt fragt nach einem Trommler…. Doch schließlich kam einer mit auf die Bühne.

Der kannte doch deine Songs gar nich...
Die kannte der eigentliche Trommler, der sich nicht traute, auch nicht. Wir hatten ja nie geprobt. Jedenfalls fragte er mich, was er spielen solle und ich sagte, spiel erstmal einen Schock gekriegt, weil ich das so nicht kannte, da ich ganz normal aufgewachsen bin. Da stand mitten im Wohnzimmer ein Schlagzeug. Hier haben auch Bands geprobt. Und Wohnzimmer kann man ohnehin nicht sagen, auch nicht Schlafzimmer, das war irgendwie alles eins.

Was war deine Motivation als Musiker, wolltest du bekannt werden? Von der Musik leben können?
Ich wollte einfach Musik machen. Welche, war dabei völlig zweitrangig. Ich habe vor Feeling B in so einer Kirchenband gespielt. Ganz stumpf: Blues mit kirchlichen Texten. Es hat mir aber Spaß gemacht. Ich hätte alles gespielt. Ich hätte auch eine ganz andere Richtung gespielt, wenn die Band das gesagt hätte.

Unter anderen Umständen hätte es also sein können, dass du bei aufstrebenden Ost-Kapellen wie Jessica oder Chicoree gelandet wärst?
Die waren viel weiter entwickelt, die hätten mich auf keinen Fall genommen. Das waren ja geschulte Leute.

Mich erstaunt ein bisschen, dass Aljoscha sich einen fast 20 Jahre Jüngeren in die Band holt der den Bass auch noch mit der Orgel spielt. War es denn schwer für eine Punkband, Musiker zu finden?
Eigentlich war es nicht schwer, denn Musiker gab es genug. Aber vielleicht wollte nicht jeder Musiker mit Aljoscha spielen. Denn Aljoscha war kein Musiker, er hatte mehr Aktionen gemacht. Im Grunde genommen war er mehr Punkt als die Punks. Er konnte nicht singen, hatte kein Rhythmusgefühl - es haben ihm die Voraussetzungen gefehlt. Es musste sich im Prinzip auf uns verlassen, dass wir das Musikalische machen. Und eigentlich wusste ja auch keiner, welche Musik wir machen wollten. Es musste sich erst entwickeln. Vielleicht war es deshalb schwer, geeignete Musiker zu finden.

Wie liefen die ersten Konzerte? Ihr hattet ja noch keine Einstufung, um offiziell spielen zu dürfen.
Das waren ausschließlich Konzerte auf Privatpartys, in Wohnzimmern und in Kirchen. Das Gute war, dass wir anfangs noch nicht so viel Equipmentzeugs hatten, mal abgesehen von meiner schweren Orgel.

Ihr hattet dann aber eine ganz reguläre Einstufung gemacht?
Das mussten wir. Wir wollten ganz normale Konzerte geben. Nur in Kirchen spielen war auf Dauer nicht schön. Zunächst mussten wir uns anmelden, ein polizeiliches Führungszeugnis beantragen und eine Erlaubnis vom Arbeitgeber mitbringen. Denn wer keine Arbeit hatte, war asozial. Und wer asozial ist, durfte keine Einstufung haben...

Wie liefen die Einstufungen? Ihr hattet ja sogar die Sonderstufe - das war die Höchste für Amateurband - bekommen...
Wir hatten uns verstellt. Wir hatten uns extra ein Einstufungskonzert ausgedacht, waren ordentlich angezogen und haben sehr gezähmt gespielt. Und wir waren gut. Wir haben da ein bisschen frischen Wind rein gebracht. Es war eine ganz dröge Veranstaltung, da waren so Gitarrenduos - sehr einschläfernd, ziemlich stümperhaft. Oder Band, die auf Jazzrock machten, aber es nicht konnten. Ein ganz komischer Abend. Aljoscha hatte aber auch eine gute Ausstrahlung, kannte den ganzen Kulturklüngel ein bisschen, die waren uns gegenüber schon sehr wohlwollend. Und wir waren die einzigen, die nur eigene Titel gespielt haben, das war ja im Osten eigentlich nicht so ungewöhnlich. Das hat denen irgendwie gefallen.

Ihr hattet nicht mal Songs gecovert?
Das hätten wir gern gemacht. Doch wir konnten das gar nicht. Bis zum Schluss nicht. Dazu waren wir viel zu schlecht.

Kam die Einstufung nicht einem Verrat in der Punkszene gleich?
Klar. Mit dem Tag der Einstufung waren wir bei den Punks abgemeldet. Das war Verrat.

Blieb es ein Spagat, glaubwürdig zu bleiben, andererseits ganz offiziell zu den so genannten "anderen Bands" zu gehören, gar eine Amiga-LP einspielen zu können? Wo war die Grenze?
Das ergab sich so automatisch, lief vor sich hin. Es war normal und war auch nichts Schlimmes. Wo wir mit uns gerungen haben, war, ob wir eine Einladung für ein Konzert im Palast der Republik annehmen sollten. Das war ganz sicher nicht unser Ding. Das war für uns das Letzte, die Schande schlechthin. Also haben wir das auch nicht gemacht. Es spielten an unserer Stelle dann Tina Has Never Had A Teddybear oder Die Anderen; ich weiß es nicht mehr. Im Nachhinein muss ich sagen, wir hätten da ruhig spielen können. Es war völlig egal. Aber damals ging das nicht. Das war die Grenze. Also: Im Palast spielen: Nein; Platte machen: Ja. Eine Platte machen ist der Traum jeder Band.

Ich kann mich an einen Artikel im Ostjugendmagazin "Neues Leben" erinnern, da wurde gegen Feeling B. gewettert, weil ihr eure Aufnahmezeit bei Amiga vorrangig statt für's Einspielen zum Grillen vor dem Studio genutzt haben sollt (Anm. d. R.: auch Studiozeiten waren Mangelwaren). Wir habt ihr damals diesen Artikel empfunden?
Wir waren unheimlich stolz. Wenn in einer Ostzeitung über einen so geschimpft wurde, war es das höchste Lob, das man kriegen konnte.

Im DEFA-Dokumentarfilm "flüstern und SCHREIEN" sind auch Feeling B zu erleben. Gab es denn keine Berührungsängste? Schreckten nicht Worte wie DEFA oder Dokumentarfilm zunächst einmal ab?
Das war eine spontane Entscheidung. Die Hälfte des Films war schon abgedreht. Und an diesem Abend sollten Chicoree gefilmt werden - bei einem Konzert auf der Badewannenregatta, bei der wir auch dabei waren, allerdings spielten wir schon am Vormittag. Die Filmcrew hatte das aus Quatsch einfach mitgefilmt. Chicoree kamen nicht mehr zum Zuge, denn abends wurde das Konzert wegen Lautstärke oder so abgesagt. Wir bekamen dann für den Mitschnitt 200 Mark in die Hand gedrückt, kauften davon Wein und leerten ihn zusammen mit der Crew an Ort und Stelle. Wir fanden die Filmcrew total nett und die uns auch. Das war der Anfang. Wir überlegten also gar nicht, ob es für die Band gut oder schlecht sein könnte oder ob DEFA gut oder schlecht ist. Es ging nur darum, dass wir besoffen waren und die Typen sehr nett fanden.

Hatte euch denn Ostrockszene in irgendeiner Art und Weise interessiert?
Es hatte uns insofern interessiert, dass wir ganz genau wussten, so etwas wollen wir in keinem Fall machen. Sie interessierten uns sozusagen als Abschreckung. Wenn also jemand sagt, das klingt wie die Puhdys, ist es das Schlimmste, was man sagen kann. (Lacht)

Seid ihr einigen Kollegen begegnet?
Wir hatten später mit einigen Bands zusammen gespielt, und das Schlimme war, dass die total nett waren. City zum Beispiel, das sind ganz liebe Menschen. Aber die Musik fanden wir grässlich. Es war sehr schwer, diese Verbindung zu kriegen, echt nette Typen mit einer Musik, die uns gar nicht gefiel.

Waren anderen Kollegen weniger nett?
Ja, beispielsweise Pankow.

Was war denn?
Weiß ich nicht mehr. Irgendwas Unbedeutendes. Wir hatten zusammen gespielt. Und als ich mein Keyboard aufbaute, fragte ich den von Pankow, wo hier Strom wäre. Sagt der, er wäre Keyboarder und nicht Elektriker. Vielleicht hat der Junge ja nur einen schlechten Tag gehabt.

Erstaunlich finde ich, dass ihr kurz vor der Wende auch im Westen spielen konntet...
Zuerst war ein Konzert in Westberlin. Irgendwie ein Kulturaustausch; die DDR wollte zeigen, dass sie gar nicht so ist … Wir denken aber, dass die uns loswerden sollten. Wir bekamen Reisepässe und sind in einen Ikarus-Bus mit einem Stasi-Begleiter rüber. Erstmal sind wir alle losgerannt, um unsere Kumpels, die aus dem Osten ausgereist waren, zu besuchen. Die wohnten alle in kleinen Hutzelwohnungen. Ich sag mal, schön war das nicht. Keiner von ihnen hatte noch so richtig Musik gemacht, alle waren ein bisschen verbittert und redeten nur über Kohle, dass ihre Bude im Monat 600 Westmark koste, aber die Miete vom Sozi gezahlt werden würde. Wir dachten, was sind denn das für Wörter?

Als schnell zurück in den Osten?
Wir waren sehr beeindruckt, sind noch Falafel essen gegangen und so. Ich kannte ja nichts. Ich hatte in meinem Leben noch nie Campari gesehen oder `nen Billardtisch. Das war ein Sprung ins kalte Wasser. Ich war so beeindruckt, noch mehr Westen hätte ich gar nicht ausgehalten. Ich musste dringend ins Bett, erstmal drüber schlafen. Keiner von uns hatte nicht das Bedürfnis gehabt, in den Bus zu steigen. Obwohl der Begleiter bei der Rückfahrt sagte, ihr müsst nicht einsteigen. Wenig später tourten wir noch durch Westdeutschland, das war noch mal anders, noch einen Zacken schärfer.

Wie liefen denn die Konzerte im Westen?
Schlecht. Extrem schlecht. Es kamen die Ex-Ostler - frustriert - und ein paar interessierte Westjugendliche. Aber eigentlich hatte das niemanden interessiert.

Die meisten Ostbands - egal, aus welcher Richtung - hatten nach der Wende erst einmal ein Problem, keine Auftrittsmöglichkeiten mehr usw. Wie lief es bei Feeling B? Spieltet ihr einfach weiter?
Wir waren 1988/89 ziemlich bekannt worden und nutzten den Schwung, um einfach weiterzumachen. Es war natürlich schwierig, denn allen wollten jetzt die echten Bands sehen. Und den Westen hatten wir auch ganz schnell aufgegeben. Dort wollte uns niemand. Wir spielten ja zufällig direkt zur Mauereröffnung in Westberlin. Das war - glaub ich - unser letztes Westkonzert. Nur auf den Dörfern oder in Dresden und in Rostock konnten wir punkten.

Im Buch "Grün & Blau" sind auch einige Kopien aus deinen Stasi-Akten. Im Grunde steht da überhaupt nichts drin. Hättest du gedacht, dass diese so unspektakulär ausfallen?
Das hätte ich nicht gedacht. Ich war bitter enttäuscht... (lacht) Nein, wirklich es gab ja schon paar Dinge, die verboten waren. Wir hatten soviel Scheiße gemacht. Ich war auf vielen Veranstaltungen, wo es auch Verhaftungen gab usw. Die Akte wurde recht zeitig wieder geschlossen. Das Einzige, was ich durch die Stasi-Akten neu erfuhr, dass ich angeblich der Manager der Band "Klick und Aus" war. Das wusste ich gar nicht, zumal ich die Band auch nur vom Sehen her kannte… Wie die das recherchiert hatten, bleibt mir ein Rätsel.

Hattet ihr die Staatssicherheit gefürchtet?
Nein, wir waren sehr unbekümmert. Für uns war die Stasi keine Gefahr. Wir hatten uns auch keine Platte gemacht.

Gab es sonst Schwierigkeiten mit der Obrigkeit?
Eigentlich nicht. Wir hatten mal Clubverbot in Berlin-Pankow. Ich weiß gar nicht mehr, warum. Ich glaube, weil wir mit dem Lied "Mix mir nen Drink" Alkohol verherrlicht hatten... (lacht). Aber da hatten wir nur gelacht, das war uns egal. Spielen wir halt nicht mehr in Pankow, dachten wir. Ansonsten war nichts, auch im Freundeskreis nicht. Nicht einer wurde verhaftet oder irgendwie unterdrückt.

Im Januar 1990 wurdet ihr nach Frankreich zu den Mitterands eingeladen...
Das war schon zu Ostzeiten geplant. Wieder so ein Kulturaustausch. Da haben sie alles, was es in der DDR gab, nach Paris gekarrt. Performancekünstler wie Brendel oder Lewandowski, die ganzen Maler aus der Dresdner Schule, Theaterleute, einige Bands - was es eben so gab an Kunst in der DDR. Und aus irgendeinem Grund gab es einen Staatsempfang. Mitterand kam vorbei und hat jedem die Hand geschüttelt. Er ist ein kleiner Mann, aber es war schon beeindruckend. Wir sahen ja wie Assis aus, ungewaschen, völlig unvorbereitet...

In den 90ern sind zwei weitere Feeling B-Alben entstanden.
Wir haben das alles selber gemacht. Wir waren auch das Label. Aljoschas Hauptprinzip war, immer unabhängig zu sein, nie einen Chef haben oder jemanden, der einen reinredet. Wir hatten aber auch nicht die Ahnung. Sonst wären es vielleicht bessere Platten geworden.

Vielleicht war es ja auch eine Kostenfrage?
Sicher, wir hatten das ja alles selbst bezahlt. Von den Konzerteinnahmen hatten wir das Studio finanziert. Ich denke, wir hatten das billigste genommen, das wir hätten kriegen können.

Insofern wäre jetzt eine Best of fällig gewesen...
Das hatte ich auch eigentlich vor. Aber ich hatte dann das unveröffentlichte Material gefunden und dachte mir dass man erstmal das zugänglich machen sollte.

Die Tonbänder mussten dazu in einen Backofen, heißt es.
So fing der ganze Ärger an. Ich wollte die Titel neu abmischen, weil die bisherigen Aufnahmen ganz schrecklich klingen. Dazu brauchte ich die 24-Spur-Bänder, doch der Tontechniker machte mir wenig Hoffnung, dass man sie noch abspielen könne. Die Bänder sind bald 20 Jahre alt und deshalb klebt die Magnetschicht am Tonkopf. Damit wären die Bänder unwiederbringlich verloren. Doch es gibt den Trick, die Bänder bei 60 Grad drei Tage lang im Ofen zu lagern. Dann könne man sie mit etwas Glück noch einmal abspielen. Keine Ahnung, wer das erfunden hat.

Hattest du Vertrauen zum Techniker, dass es klappt?
Es hätte auch nicht klappen können. Doch wenn wir es nicht probiert hätten, wäre es ja auch weg gewesen. Das ist wie beim Operieren. Es geht gut oder auch nicht.

Du sagtest eben: So fing der ganze Ärger an. Wie meinst du das?
Das Projekt ist viel größer und schwieriger geworden, als ich ursprünglich vorhatte. Ich dachte, na ja, nebenbei zusammen schneiden und ein bisschen Mischen - das ist in einer Woche vom Tisch. Aber jetzt hat es ein Jahr gedauert. Alle fragen mich, wieso machst du das denn, was willst du damit bezwecken? Ich muss mich jetzt immer rechtfertigen, dabei wollte ich nur so aus Spaß mal eine Best Of zusammenstellen.

Ich finde, das Album ist auch ein schönes Denkmal für Aljoscha. Er wäre kürzlich 60 geworden...
Ich glaube, Aljoscha wäre das egal gewesen. Er stand nicht so auf solche Ehrungen. Ihm war es das Wichtigste, frei zu sein, keinen Ärger zu haben...

Ist er ein Vorbild für dich?
Ja, auf jeden Fall. Die Lockerheit, mit der er die Dinge genommen hat. Ich hatte immer alles geplant und über die Konsequenzen nachgedacht. Er hat immer erst gemacht und dann geguckt, was passiert. Das ist schon wichtig.

Wie denkst du heute über deine Feeling B-Zeit?
Das lässt sich nicht in einem Satz sagen. Aber es war eine schöne Zeit. Ich habe alles gelernt, was ich später brauchte.

Gibt es Feeling B-Material, das dir aus heutiger Sicht peinlich ist, was du auf keine Fall veröffentlichen würdest?
Es gibt Material, das ist schlimm. Auch auf der CD ist ja einiges hart an der Grenze. Aber irgendwie ist mir nichts peinlich. Es war damals halt so. Sicher würde ich jetzt so etwas auf keinen Fall machen, aber damals war es okay.

Bist du eigentlich wegen Rammstein bei Feeling B ausgestiegen?
Nein. Das lief parallel. Irgendwann hatten wir die Ideen mehr zu Rammstein, statt zu Feeling B gegeben, ohne die Band aber aufzulösen. Wir hatten noch ein paar Mal mit Feeling B gespielt, auch zusammen mit Rammstein auf Festivals - immer ein paar Stunden verschoben, damit es nicht so auffällt. Es ebbte ab mit Feeling B, doch wenn Aljoscha nicht gestorben wäre, wer weiß, ob man nicht hin und wieder was machen würde.

Ging es für Aljoscha klar, dass ihr auch neue Projekte hattet?
Ich denke schon. Seine Aktivitäten für Feeling B hatten auch nachgelassen. Aljoscha war auf so einem Wegfahrtrip, reiste oft nach Afrika, machte Aufnahmen von irgendwelchen Berbern. Er hatte sich für andere Sachen interessiert, schrieb auch keine Texte mehr.

Und wie reagierten deine jetzigen Bandkollegen von Rammstein auf dein "Grün & Blau"-Projekt?
Nicht begeistert. Lass die Toten ruhen, meinten sie. Sie sagten: Was willst du mit der alten Scheiße. Wenn du ´ne Platte machen willst, dann denk dir was aus. Das ist auch eine Meinung. Aber egal, ich hab's gemacht.

Und wollte nicht Paul, der ja auch von Feeling B kommt, noch mal drüber gucken, was du da machst?
Wollte er erst. Vermutlich hätten wir uns dann aber gestritten und die Sache wäre nie zustande gekommen. So meinte er, "Mach was du willst, aber schreib rauf, dass ich damit nichts zu tun habe".




Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus"