Portrait: Angelika Mann
(aus Melodie & Rythmus 10/1976. Bericht: Wolfgang Martin)

Lange war nichts Neues von ihr zu hören, von Angelika Mann, der "Lütten" - wie sie ihre Freunde nennen. Inzwischen gibt es eine neue Amiga-Single, die zwei Titel unterschiedlicher Art enthält und hoch favorisiert sind, in den Rundfunkhitparaden vordere Plätze zu belegen. Geschrieben wurden sie von Gjon Delhusa aus Ungarn und Reinhard Lakomy, getextet wie immer von Fred Gertz und aufgenommen natürlich mit Lacky und seiner Gruppe, zu der ja die Lütte nach wie vor gehört. "Sieben Zwerge" ist ein Schlager, der so recht ins Diskothekenprogramm unserer Schallplattenunterhalter passt. Mit dem anderen Titel zeigt sich Angelika Mann von der Seite, die sie eigentlich viel lieber mag, mit der Ballade "Komm, weil ich dich brauch". Hier beweist sie Stimme, geschult am Blues, Jazz und Soul. Mit einer kraftvollen, aber zugleich auch geschmeidigen Interpretation unterstreicht sie das wichtige inhaltliche Anliegen dieses Titels, der erstmals auch ein wenig das Klischee ihrer bisherigen Produktionen durchbricht. Neue Titel dieses erstklassigen Autorenteams sind bereits in Vorbereitung; außerdem wird sich die Lütte an einer Jazz-LP beteiligen, die Lacky gegenwärtig vorbereitet. Sie wird internationale Jazz-Standarts und Bluestitel enthalten. Im Rundfunk wurde Angelika Mann bereits mit ihrer Version des Evergreens "Sunny" vorgestellt. Auch optisch war sie wieder öfter präsent, so in den Fernsehsendungen "rund" und "Schlagerstudio".

Eine besondere Aufgabe wurde ihr von DEFA-Regisseur Egon Günther ("Der Dritte", "Lotte in Weimar") übertragen, als er sie für seinen neusten Streifen, die Verfilmung des Goethe-Romans "Die Leiden des jungen Werther", verpflichtete.
Der Film hatte im August Premiere und war die erste Konfrontation der Künstlerin mit diesem Medium. Und was meinte Angelika Mann über diese Arbeit: "Ein großer Regisseur, ein internationaler Stoff, ein harmonisches Team bewährter und neuer Schauspieler, die sich alle gut verstanden haben - eine Sache, die mir unheimlich viel Spaß gemacht hat und mich mal von einer ganz anderen Seite forderte. Ich würde gern wieder so etwas machen!"
Übrigens ging sie unmittelbar nach der Berliner Uraufführung mit Egon Günther und anderen Filmschöpfern auf Premierenfahrt durch verschiedene Orte der DDR. Während zahlreicher Foren erfuhr sie dabei die ebenso wichtige wie interessante unmittelbare Konfrontation mit dem Publikum, was ihr natürlich auch neue Impulse für ihre zukünftige Bühnenarbeit gab.

Wenngleich diese Fahrt zu Lasten ihres dadurch recht spärlichen 76er Urlaubs ging, war es doch ein großes Erlebnis. Der September ließ ihr dann ebenfalls kaum Zeit zur Erholung, denn der Terminkalender für das Reinhard Lakomy Ensemble war randvoll. Dazu gehörten Konzerte, Schallplattenaufnahmen, Proben, Fototermine, Interviews und... Ganz nebenbei hat sich Angelika Mann noch einer ziemlich intensiven Diätkur unterzogen, die ihr etliche Kilos abfordert, was sie wie folgt kommentiert: "Da ich von Natur aus ein äußerst humorvoller Mensch bin, möchte ich dem Publikum mal zeigen, wie es aussieht, wenn ich schlank bin!" Nächstes größeres Projekt: Im Januar gibt's ein exklusives Konzert mit der Klaus Lenz-Modern Soul-Big-Band, wo sie neben vielen anderen erstklassigen Jazz-, Soul- und Bluesinterpreten unseres Landes dabei sein wird. Es ist also allerhand los im Leben der "Lütten". Wir drücken für alles die Daumen.




Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus"