OMEGA begeisterte im KIS-Stadion
(aus Melodie & Rythmus 10/1978. Bericht: Wolfgang Martin)

Alljährlich in den Augusttagen sorgt Ungarns dienstälteste und noch immer prominenteste Rockband Omega für ein Konzertspektakel eigener Art. Vor jeweils 20000 Anhängern präsentiert die Gruppe an zwei Abenden im KIS-Stadion ihr aktuelles Programm. Dies ist die Summe einjähriger Überlegungen für neue Titel, optische und akustische Effekte, die als harmonisches Ganzes 90 Minuten ununterbrochen das Publikum begeistern sollen. Dass ihnen dies nach 16-jähriger Existenz mit immer noch steigender Experimentierfreudigkeit und gleichzeitig positiven Ergebnissen gelingt, ist Ausdruck ungewöhnlicher Begabung jedes einzelnen Mitspielers und ihres kollektiven Schaffensgeistes.
Am 25. und 26. August dieses Jahres war es nun wieder soweit. Schon Wochen zuvor waren alle 40000 Karten restlos vergriffen! Vor dem Stadion warteten dann noch ein paar Hundert Fans. Im Vorprogramm spielte die zwar musikantisch und stilistisch überzeugende BRD–Gruppe Epitaph, deren Kompositionen jedoch kaum inhaltliche Abwechslung boten. Ebenfalls noch vor Omega trat das in Ungarn außerordentlich populäre Duo Gunnya auf, das mit vom Publikum bejubelten musikalischen Parodien den Habitus bekannter ungarischer Rockstars aufs Korn nahm.
Mittlerweile waren 90 Minuten vergangen, als ein Diskjockey des Budapester Rundfunks die Omega–Spieler einzeln mit ihrer derzeitigen Langspielplatte vorstellte – eine originelle Idee, die den Konzertabend mit Informationen anreicherte und zugleich das Publikum in erwartungsvolle Hochstimmung versetzte. Diese hielt dann auch bis zur letzten Zugabe. Omega spielte vorwiegend Titel ihrer in Ungarn außerordentlich erfolgreichen letzten zwei Langspielplatten. Sie sind auch im Ausland erschienen, und so war es eine besondere Ehre, dass Omega anlässlich dieser Konzerte sowohl von der ungarischen Schallplattenfirma Pepita als auch von Bellaphon (BRD) für den Verkauf ihrer Langspielplatten in Osterreich, der Schweiz und in der BRD die „Goldene Schallplatte“ überreicht bekamen.
Viele dieser Titel sind auch in der DDR bekannt; die Jugendlichem im KIS–Stadion sangen sie begeistert mit. Wohltuend fiel bei diesem Konzert auf, dass Omega vordergründig ihre Musik präsentierte und auf mittelmäßige Showeinlagen vergangener Jahre verzichtete.
Ein volles Klangbild, die solistischen Leistungen jedes Instrumentalisten (allen voran die des Gitarristen György Molnar), das Auftreten des Leadsängers Janos Kobor, ein sauberer Satzgesang (teilweise unterstützt von fünf Mädchen) sowie die stilistische Perfektion in allen Variationen heutiger Hard–Rock–Strömungen, machten das Konzert zu einem nachhaltigen Ergebnis.
P.S.: Omega arbeitet seit 1971 in unveränderter Besetzung...




Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus"